Kurzantwort: Wer mit 60 aufhören will, 2.500 Euro im Monat braucht und ab 67 mit 1.400 Euro gesetzlicher Rente rechnet, braucht bei 4 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation rund 406.000 Euro Kapital. Bei 6 Prozent Rendite sind es rund 332.000 Euro, ohne nennenswerte Rendite rund 514.000 Euro. Der Plan reicht in dieser Rechnung bis zum Alter 90, und die Entnahme steigt jedes Jahr mit der Inflation, damit die Kaufkraft konstant bleibt.
Die Rechnung besteht aus zwei Phasen
Ein Ruhestand mit 60 ist nicht einfach ein längerer Ruhestand. Er hat eine Phase, die es beim Renteneintritt mit 67 gar nicht gibt:
- Phase 1, die Brücke (60 bis 67): Sieben Jahre lang zahlt das Depot alles. Keine gesetzliche Rente, keine Betriebsrente, nur Kapital.
- Phase 2, die Lücke (ab 67): Die gesetzliche Rente läuft, das Depot ergänzt nur noch die Differenz zum Bedarf.
Der Kapitalbedarf ist die Summe der beiden Barwerte. Gerechnet wird über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1, also genau die Formel, die auch im Entnahmeplan-Rechner steckt. So bleibt die Kaufkraft der Entnahme über die ganze Zeit gleich.
Kapitalbedarf nach monatlichem Bedarf
Annahmen: gesetzliche Rente ab 67 in Höhe von 1.400 Euro netto (heutige Kaufkraft), Plan bis Alter 90, 2 Prozent Inflation.
| Bedarf pro Monat | 2 % Rendite | 4 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 1.800 Euro | 262.000 Euro | 217.000 Euro | 185.000 Euro |
| 2.200 Euro | 406.000 Euro | 325.000 Euro | 269.000 Euro |
| 2.500 Euro | 514.000 Euro | 406.000 Euro | 332.000 Euro |
| 3.000 Euro | 694.000 Euro | 541.000 Euro | 436.000 Euro |
| 3.500 Euro | 874.000 Euro | 676.000 Euro | 541.000 Euro |
Werte auf 1.000 Euro gerundet, vor Steuern. Entnahme jeweils zum Jahresende, Kaufkraft konstant.
Die Brücke frisst die Hälfte
Wer sich nur die Rentenlücke ansieht, unterschätzt den Bedarf massiv. Die Aufteilung für das Beispiel mit 2.500 Euro Bedarf und 1.400 Euro Rente zeigt, wohin das Geld geht:
| Rendite | Brücke 60 bis 67 (2.500 Euro/Monat) | Lücke ab 67 (1.100 Euro/Monat) | Summe |
|---|---|---|---|
| 2 % | 210.000 Euro | 304.000 Euro | 514.000 Euro |
| 4 % | 194.000 Euro | 212.000 Euro | 406.000 Euro |
| 6 % | 181.000 Euro | 151.000 Euro | 332.000 Euro |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Sieben Jahre Vollversorgung kosten etwa so viel wie 23 Jahre Lückenschluss. Zweitens: In der Brücke bringt Rendite fast nichts. Von 2 auf 6 Prozent Rendite sinkt der Bedarf dort nur um rund 29.000 Euro, in der Lückenphase dagegen um rund 153.000 Euro. Der Grund ist simpel: Geld, das in drei Jahren ausgegeben wird, hat keine Zeit zu wachsen.
Wie stark die gesetzliche Rente entlastet
Jeder Euro Rente senkt den Kapitalbedarf spürbar. Hier der Bedarf bei konstant 2.500 Euro Lebenshaltung:
| Gesetzliche Rente ab 67 | 2 % Rendite | 4 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 1.000 Euro | 624.000 Euro | 483.000 Euro | 386.000 Euro |
| 1.200 Euro | 569.000 Euro | 445.000 Euro | 359.000 Euro |
| 1.400 Euro | 514.000 Euro | 406.000 Euro | 332.000 Euro |
| 1.600 Euro | 458.000 Euro | 368.000 Euro | 304.000 Euro |
| 1.800 Euro | 403.000 Euro | 329.000 Euro | 277.000 Euro |
200 Euro mehr Rente sparen je nach Rendite rund 27.000 bis 55.000 Euro Kapital. Wichtig: Wer vorzeitig aus dem Beruf ausscheidet, zahlt in den sieben Jahren bis 67 auch keine Beiträge mehr ein. Die tatsächliche Rente fällt dadurch niedriger aus als in der letzten Renteninformation, die von durchgehender Beitragszahlung ausgeht. Rechne deshalb lieber mit einer Zeile weiter oben in dieser Tabelle.
Wie lange soll das Geld reichen?
Der Planungshorizont ist die zweite große Stellschraube. Beispiel mit 2.500 Euro Bedarf und 1.400 Euro Rente:
| Kapital soll reichen bis | 2 % Rendite | 4 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| Alter 85 (25 Jahre) | 448.000 Euro | 368.000 Euro | 309.000 Euro |
| Alter 90 (30 Jahre) | 514.000 Euro | 406.000 Euro | 332.000 Euro |
| Alter 95 (35 Jahre) | 580.000 Euro | 441.000 Euro | 350.000 Euro |
Die zusätzlichen fünf Jahre bis 95 kosten bei 6 Prozent Rendite nur rund 18.000 Euro extra, bei 2 Prozent aber rund 66.000 Euro. Wer defensiv anlegt, zahlt für Langlebigkeit deutlich mehr.
Der Haken an allen Tabellen oben
Alle bisherigen Zahlen unterstellen eine Rendite, die jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Echte Depots schwanken, und die Reihenfolge der Jahre entscheidet mit. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners (6 Prozent Erwartungswert, 15 Prozent Schwankung, 3.000 Verläufe, 2 Prozent Inflation) zeigt für die Lückenphase ab 67, also 1.100 Euro monatlich über 23 Jahre:
| Kapital zu Beginn der Lückenphase | Pleitewahrscheinlichkeit |
|---|---|
| 200.000 Euro (der rechnerische Bedarf bei 6 %) | 62,6 % |
| 250.000 Euro | 40,2 % |
| 350.000 Euro | 14,8 % |
| 400.000 Euro | 9,6 % |
| 450.000 Euro | 6,1 % |
Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der Durchschnittsrechnung: Wer exakt den rechnerischen Bedarf anspart und dann 6 Prozent Rendite mit voller Aktienschwankung fährt, liegt bei einer Pleitewahrscheinlichkeit über 60 Prozent. Der rechnerische Bedarf ist eine Untergrenze, kein Ziel. Mehr dazu im Artikel zur 4-Prozent-Regel.
Praktische Folgerung: zwei Töpfe statt einem
Aus den Zahlen ergibt sich ein naheliegender Aufbau. Das Geld für die Brücke wird in wenigen Jahren gebraucht und gehört deshalb nicht in ein schwankendes Depot: Simuliert man die sieben Brückenjahre mit 2.500 Euro monatlicher Entnahme aus einem Aktiendepot mit 6 Prozent Erwartungswert, scheitert selbst der rechnerisch passende Betrag von rund 181.000 Euro in etwa 57 von 100 Verläufen. Sicher angelegt mit 2 Prozent Rendite und geringer Schwankung scheitern rund 230.000 Euro dagegen nur noch in etwa 4 von 100 Verläufen.
Der zweite Topf, das Geld für die Zeit ab 67, hat 20 Jahre und mehr Zeit und darf entsprechend renditeorientiert investiert sein. Wie viel Reserve dieser Topf braucht, zeigt die Tabelle darüber.
Was in dieser Rechnung noch fehlt
- Steuern: Auf ETF-Entnahmen fällt Kapitalertragsteuer auf den Gewinnanteil an. Das Steuermodul des Rechners zeigt, was netto bleibt.
- Krankenversicherung: Zwischen 60 und 67 zahlst du deinen Beitrag selbst, ohne den Zuschuss der Rentenversicherung. Rechne diesen Posten in den monatlichen Bedarf ein.
- Abschläge: Wer die gesetzliche Rente früher als zur Regelaltersgrenze abruft, bekommt sie dauerhaft gekürzt. In diesem Modell startet sie regulär, das Depot trägt die Zeit davor allein.
Rechne deinen eigenen Fall
Anderer Bedarf, andere Rente, anderer Horizont: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Ein guter Einstieg ist auch der Artikel Wie lange reichen 500.000 Euro im Ruhestand?.
Häufige Fragen
Wie viel Geld brauche ich, um mit 60 in Rente zu gehen?
Bei 2.500 Euro monatlichem Bedarf, 1.400 Euro gesetzlicher Rente ab 67 und 2 Prozent Inflation rund 406.000 Euro bei 4 Prozent Rendite, rund 332.000 Euro bei 6 Prozent und rund 514.000 Euro bei nur 2 Prozent. Der Plan reicht dann bis Alter 90, die Entnahme steigt jährlich mit der Inflation.
Warum kostet die Brücke von 60 bis 67 so viel Kapital?
Weil das Depot dort den vollen Lebensunterhalt trägt und nicht nur die Rentenlücke. Bei 2.500 Euro im Monat sind das je nach Rendite rund 181.000 bis 210.000 Euro, also etwa die Hälfte des gesamten Bedarfs. Rendite hilft in dieser kurzen Phase kaum.
Reicht die Durchschnittsrechnung als Planungsgrundlage?
Nein, sie ist nur die Untergrenze. Mit 6 Prozent Erwartungswert und 15 Prozent Schwankung scheitert eine Rentenlücke von 1.100 Euro über 23 Jahre selbst mit 350.000 Euro Startkapital noch in rund 15 von 100 Verläufen. Für ein Restrisiko unter 10 Prozent sind eher 400.000 Euro nötig.