Ratgeber Entnahmeplan

Wie lange reichen 200.000 Euro im Ruhestand?

Die ehrliche Antwort hängt an drei Stellschrauben: Entnahmehöhe, Rendite und Inflation. Hier sind die Zahlen, inflationsbereinigt gerechnet, mit allen Tabellen und der Pleitewahrscheinlichkeit.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Bei 1.000 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent Inflation) reichen 200.000 Euro ohne Rendite gut 14 Jahre, bei 3 Prozent Rendite gut 18 Jahre, bei 5 Prozent rund 23 Jahre und bei 6 Prozent knapp 28 Jahre. Wer nur 800 Euro braucht und 6 Prozent Rendite erzielt, kommt auf über 44 Jahre. Bei 1.500 Euro im Monat sind es selbst mit 6 Prozent Rendite nur noch knapp 15 Jahre.

Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)

Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation, damit du dir real immer gleich viel leisten kannst. Das ist die realistische Rechnung fürs Leben, nicht die geschönte.

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)0 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
800 Euro17,3 Jahre23,4 Jahre32,7 Jahre44,1 Jahre
1.000 Euro14,3 Jahre18,3 Jahre23,2 Jahre27,6 Jahre
1.200 Euro12,2 Jahre15,0 Jahre18,1 Jahre20,5 Jahre
1.500 Euro10,0 Jahre11,8 Jahre13,7 Jahre14,9 Jahre

Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Der Faktor 2 zu 100.000 Euro

200.000 Euro sind genau doppelt so viel wie 100.000 Euro, deshalb reicht die doppelte Entnahme exakt gleich lang: 1.000 Euro aus 200.000 Euro halten so lange wie 500 Euro aus 100.000 Euro. Die Reichweite hängt nicht am absoluten Betrag, sondern am Verhältnis von Entnahme zu Kapital und an der Rendite. Wer die Zahlen für ein anderes Startkapital braucht, kann die Entnahme einfach im gleichen Verhältnis mitskalieren oder direkt den Entnahmeplan-Rechner nutzen.

Warum die üblichen Rechner mehr versprechen

Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein: 1.000 Euro bleiben dort 1.000 Euro, auch im Jahr 2051. Dann reichen 200.000 Euro bei 5 Prozent Zins scheinbar 36,7 Jahre statt 23,2. Der Haken: Nach 25 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen dir 1.000 Euro nur noch so viel wie heute rund 610 Euro. Die längere Reichweite bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Deshalb rechnet unser Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten, nominal und real.

Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?

Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme (heutige Kaufkraft) direkt ausrechnen:

Geplante Dauer3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
15 Jahre1.200 Euro/Monat1.390 Euro/Monat1.491 Euro/Monat
20 Jahre922 Euro/Monat1.114 Euro/Monat1.218 Euro/Monat
25 Jahre755 Euro/Monat951 Euro/Monat1.058 Euro/Monat
30 Jahre644 Euro/Monat844 Euro/Monat955 Euro/Monat

Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das rund 654 Euro im Monat, dauerhaft und in heutiger Kaufkraft.

Die Zahlen sind Durchschnittswerte, dein Depot schwankt

Alle Tabellen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot schwankt aber, und die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre entscheidet mit. Genau das misst die Monte-Carlo-Simulation des Rechners (3.000 Verläufe, erwartete Rendite 6 Prozent, Schwankung 15 Prozent, wie bei einem weltweiten Aktiendepot):

Entnahme pro MonatZiel 20 JahreZiel 25 JahreZiel 30 Jahre
800 Euro23 % Pleiterisiko37 % Pleiterisiko50 % Pleiterisiko
1.000 Euro43 % Pleiterisiko59 % Pleiterisiko70 % Pleiterisiko
1.200 Euro61 % Pleiterisiko76 % Pleiterisiko83 % Pleiterisiko

Pleiterisiko = Anteil der 3.000 simulierten Verläufe, in denen das Kapital vor Ablauf der Zieldauer erschöpft war. Seed 42, mu 6 Prozent, sigma 15 Prozent, 2 Prozent Inflation.

Das ist der Punkt, den die glatten Durchschnittstabellen verschweigen: Wer 1.000 Euro monatlich entnimmt und 30 Jahre überbrücken will, scheitert in 70 von 100 Verläufen vorzeitig, obwohl die Durchschnittsrechnung bei 6 Prozent fast 28 Jahre verspricht. Erst bei 800 Euro monatlich sinkt das 20-Jahres-Risiko in einen einigermaßen komfortablen Bereich. Wie das Renditereihenfolge-Risiko funktioniert, erklären wir auch im Artikel zur 4-Prozent-Regel, und die kleinere Variante rechnen wir im Beitrag Wie lange reichen 100.000 Euro? durch.

Rechne deinen eigenen Fall

Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und auf Wunsch Steuern auf ETF-Entnahmen.

Häufige Fragen

Wie lange reichen 200.000 Euro bei 1.000 Euro Entnahme im Monat?

Inflationsangepasst: ohne Rendite gut 14 Jahre, bei 3 Prozent Rendite gut 18 Jahre, bei 5 Prozent rund 23 Jahre, bei 6 Prozent knapp 28 Jahre. Nominal eingefroren wirkt die Reichweite länger, kostet aber jedes Jahr Kaufkraft.

Wie viel kann ich dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?

Nur den realen Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation rund 3,9 Prozent, also etwa 654 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.

Reichen 200.000 Euro als Rentenlücke von 1.000 Euro im Monat?

Als Ergänzung zur gesetzlichen Rente ja, aber nicht ewig: 1.000 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft trägt ein 200.000-Euro-Depot je nach Rendite rund 18 bis 28 Jahre. Für die volle Rentenphase von 30 Jahren solltest du die Pleitewahrscheinlichkeit prüfen, denn ein schwankendes Depot scheitert häufiger als der Durchschnitt verspricht.