Kurzantwort: Ein Crash von 30 Prozent kostet genau 30 Prozent der planbaren Entnahme. Aus 500.000 Euro lassen sich bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre rund 2.387 Euro im Monat entnehmen, nach dem Crash sind es aus 350.000 Euro noch 1.671 Euro (jeweils heutige Kaufkraft). Wer die Entnahme trotzdem unverändert lässt, verkürzt die Reichweite von 30 auf 17,0 Jahre und hebt die Pleitewahrscheinlichkeit von 66,4 auf 90,0 Prozent. Die wirksamste Reaktion ist eine Kürzung der Entnahme in den ersten Jahren, nicht der Verkauf des Depots.
Was der Crash konkret kostet
Der Entnahmeplan rechnet linear mit dem Kapital: Halbiert sich das Depot, halbiert sich die Entnahme. Das klingt banal, wird aber im Tief regelmäßig verdrängt, weil viele auf die absolute Depotsumme starren statt auf das, was sie monatlich daraus entnehmen können.
| Kursverlust | Depot danach | Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft) | Verlust an Entnahme |
|---|---|---|---|
| kein Crash | 500.000 Euro | 2.387 Euro | 0 Prozent |
| minus 10 Prozent | 450.000 Euro | 2.148 Euro | 10 Prozent |
| minus 20 Prozent | 400.000 Euro | 1.909 Euro | 20 Prozent |
| minus 30 Prozent | 350.000 Euro | 1.671 Euro | 30 Prozent |
| minus 40 Prozent | 300.000 Euro | 1.432 Euro | 40 Prozent |
| minus 50 Prozent | 250.000 Euro | 1.193 Euro | 50 Prozent |
Annahmen: 30 Jahre Laufzeit, 6 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Entnahme jährlich mit der Inflation steigend, vor Steuern und Kosten.
Der teuerste Fehler: die Entnahme unverändert lassen
Wer nach dem Crash weiter 2.387 Euro im Monat entnimmt, verkauft im Tief besonders viele Anteile. Genau das ist der Kern des Renditereihenfolge-Risikos: Verluste am Anfang der Entnahmephase wiegen ungleich schwerer als dieselben Verluste zwanzig Jahre später, weil das Kapital, das die spätere Erholung mitnehmen könnte, schon aus dem Depot heraus ist.
| Kursverlust | Geplante Dauer | Tatsächliche Reichweite bei unveränderter Entnahme |
|---|---|---|
| minus 20 Prozent | 30 Jahre | 20,6 Jahre |
| minus 30 Prozent | 30 Jahre | 17,0 Jahre |
| minus 40 Prozent | 30 Jahre | 13,8 Jahre |
Ein Depotverlust von 30 Prozent kostet also 13 Planjahre, wenn die Entnahme gleich bleibt. Und das ist noch die freundliche Rechnung mit einer glatten Rendite von 6 Prozent jedes Jahr.
Wie stark muss die Entnahme sinken?
Hier die Monte-Carlo-Antwort: 3.000 simulierte Verläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation, Depot 350.000 Euro nach dem Crash, Zieldauer 30 Jahre.
| Reaktion | Entnahme pro Monat | Pleitewahrscheinlichkeit über 30 Jahre |
|---|---|---|
| Vergleich: kein Crash, 500.000 Euro Depot | 2.387 Euro | 66,4 Prozent |
| Entnahme unverändert lassen | 2.387 Euro | 90,0 Prozent |
| um 10 Prozent kürzen | 2.148 Euro | 85,1 Prozent |
| um 20 Prozent kürzen | 1.909 Euro | 76,0 Prozent |
| um 30 Prozent kürzen (proportional) | 1.671 Euro | 66,4 Prozent |
| um 40 Prozent kürzen | 1.432 Euro | 52,0 Prozent |
Die proportionale Kürzung um genau den Kursverlust stellt exakt das Risikoniveau von vor dem Crash wieder her (66,4 Prozent in beiden Fällen). Das ist kein Zufall: Im Entnahmeplan zählt nur die Entnahmerate, nicht die absolute Depotgröße. Wer nach minus 30 Prozent um 30 Prozent kürzt, entnimmt wieder denselben Anteil seines Depots wie vorher.
Der eigentliche Schock steckt in den 66 Prozent
Die auffälligste Zahl der Tabelle ist nicht die 90, sondern die 66,4 Prozent im crashfreien Vergleichsfall. Die Annuität von 2.387 Euro im Monat entspricht einer Entnahmerate von 5,73 Prozent pro Jahr. Diese Rechnung unterstellt, dass die Rendite jedes Jahr punktgenau 6 Prozent beträgt, und plant das Kapital am Ende exakt auf null. Sobald die Renditen schwanken, scheitert dieser Plan in zwei von drei Verläufen, mit oder ohne Crash.
Wer stattdessen eine Pleitewahrscheinlichkeit von 10 Prozent als Grenze setzt, landet in derselben Simulation bei einer Entnahmerate von rund 2,65 Prozent pro Jahr: 1.106 Euro im Monat aus 500.000 Euro, 774 Euro aus 350.000 Euro. Das ist deutlich unter der 4-Prozent-Regel und der Preis dafür, dass ein Verlauf mit Crash am Anfang eben nicht mehr aufgefangen werden muss. Zum Ausgleich bleibt bei dieser Rate im Median nach 30 Jahren noch rund 629.000 Euro übrig, es ist also eine sehr vorsichtige Planung.
Was der Cash-Puffer jetzt wert ist
Genau für diesen Moment existiert die Bargeldreserve. Wer die ersten Jahre aus dem Puffer lebt und das Depot in Ruhe lässt, verschiebt die Verkäufe aus dem Tief heraus. Deterministisch gerechnet mit 6 Prozent Rendite:
| Depot nach Crash unangetastet lassen | Depotstand danach | Entnahme danach (heutige Kaufkraft) |
|---|---|---|
| sofort entnehmen | 350.000 Euro | 1.671 Euro/Monat |
| 1 Jahr aus dem Puffer leben | 371.000 Euro | 1.768 Euro/Monat |
| 2 Jahre aus dem Puffer leben | 393.260 Euro | 1.873 Euro/Monat |
| 3 Jahre aus dem Puffer leben | 416.856 Euro | 1.987 Euro/Monat |
Restdauer jeweils entsprechend verkürzt (29, 28 und 27 Jahre), Entnahme auf heutige Kaufkraft zurückgerechnet. Der Puffer selbst ist hier zusätzliches Geld neben dem Depot.
Zwei Pufferjahre bringen also rund 12 Prozent mehr Entnahme für den Rest des Lebens. Wie groß so eine Reserve sinnvollerweise ist und was sie kostet, wenn man sie aus dem Depot herausschneidet, steht im Artikel zum Cash-Puffer im Entnahmeplan.
Auch eine befristete Kürzung wirkt. Wer die Entnahme fünf Jahre lang um 20 Prozent senkt (also 1.337 statt 1.671 Euro im Monat), hat nach diesen fünf Jahren rund 372.600 statt 348.655 Euro im Depot, also knapp 24.000 Euro mehr. Für die verbleibenden 25 Jahre sind daraus 1.785 Euro im Monat drin statt 1.671 Euro. Der Verzicht in der Krise zahlt sich dauerhaft aus.
Warum der Verkauf ins Tagesgeld die teuerste Reaktion ist
Nach einem Crash klingt Sicherheit verlockend. Rechnerisch ist der Wechsel ins Tagesgeld aber keine Pause, sondern eine dauerhafte Entscheidung: Der Kursverlust wird realisiert und die künftige Rendite fällt weg.
| Depot nach Crash: 350.000 Euro | Annahme Rendite | Entnahme über 30 Jahre (heutige Kaufkraft) |
|---|---|---|
| investiert bleiben | 6 Prozent | 1.671 Euro/Monat |
| defensiver umschichten | 3 Prozent | 1.127 Euro/Monat |
| alles ins Tagesgeld | 2 Prozent | 972 Euro/Monat |
Bei 2 Prozent Zins und 2 Prozent Inflation ist der Realzins null, das Kapital wird also einfach durch 30 Jahre geteilt. Der Crash hat 30 Prozent der Entnahme gekostet, der anschließende Verkauf kostet noch einmal rund 42 Prozent. Ehrlich dazugesagt: Die 972 Euro kommen dafür fast ohne Schwankung, die 1.671 Euro sind eine Wette, die in zwei von drei Verläufen nicht aufgeht. Der faire Vergleich ist deshalb nicht 972 gegen 1.671 Euro, sondern 972 Euro gegen die vorsichtig gerechneten 774 Euro aus derselben Depotsumme. Wer sein Risiko wirklich auf 10 Prozent Pleitewahrscheinlichkeit drücken will, gibt im Aktiendepot ähnlich viel Entnahme auf, behält dafür aber die Chance auf ein hohes Restkapital. Diese Entscheidung sollte man bewusst treffen, nicht im Tief aus Angst.
Wenn der Crash noch einige Jahre vor dem Rentenbeginn kommt
Ein verbreiteter Trost lautet: Bis zur Rente erholt sich das schon wieder. Zurück auf den alten Nominalstand dauert bei 6 Prozent Rendite 3,8 Jahre nach minus 20 Prozent, 6,1 Jahre nach minus 30 Prozent und 8,8 Jahre nach minus 40 Prozent. Der Haken: Ohne Crash wäre das Depot in derselben Zeit ebenfalls gewachsen.
Beispiel: Fällt das Depot fünf Jahre vor Rentenbeginn von 500.000 auf 350.000 Euro und wird nichts entnommen, stehen zum Rentenbeginn 468.379 Euro im Depot, gut für 2.025 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Ohne Crash wären es 669.113 Euro und 2.893 Euro im Monat gewesen. Der relative Rückstand von 30 Prozent bleibt also bestehen, er wird durch Zeit allein nicht kleiner.
Was der Abstand zur Rente trotzdem wert ist: Es wird nicht im Tief verkauft, das Renditereihenfolge-Risiko trifft nicht die Entnahmephase, und es bleibt Zeit für die Stellschrauben, die wirklich helfen: weiter einzahlen, den Renteneintritt schieben oder die geplante Entnahme von vornherein niedriger ansetzen. Zur Größenordnung der letzten Option: Aus 350.000 Euro sind über 20 Jahre 2.131 Euro im Monat drin, über 25 Jahre 1.852 Euro, über 30 Jahre 1.671 Euro und über 35 Jahre 1.546 Euro.
Die Reihenfolge der Maßnahmen
Aus den Zahlen ergibt sich eine klare Rangfolge für den Ernstfall:
- Puffer nutzen, Depot in Ruhe lassen. Jedes Jahr ohne Verkauf im Tief bringt rund 6 Prozent mehr Entnahme für den Rest der Laufzeit.
- Entnahme kürzen, mindestens befristet. Eine Kürzung um den Kursverlust stellt das alte Risikoniveau wieder her, auch fünf Jahre Verzicht wirken dauerhaft.
- Planungshorizont und Renteneintritt prüfen. Fünf Jahre später anfangen verändert die Rechnung stärker als jede Fondsauswahl.
- Nicht verkaufen. Der Wechsel ins Tagesgeld macht aus einem Buchverlust einen endgültigen und streicht die Erholung mit.
Rechne deinen eigenen Fall
Dein Depotstand, dein Verlust, deine Restdauer: Der Entnahmeplan-Rechner zeigt dir in Sekunden, welche Entnahme nach dem Crash noch trägt, wie hoch die Pleitewahrscheinlichkeit dabei ist und wie sich eine Kürzung auswirkt.
Häufige Fragen
Was kostet ein Börsencrash kurz vor der Rente konkret?
Genau den Prozentsatz des Kursverlusts an planbarer Entnahme. Aus 500.000 Euro lassen sich bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre rund 2.387 Euro im Monat entnehmen (heutige Kaufkraft). Nach einem Minus von 30 Prozent sind es aus 350.000 Euro nur noch 1.671 Euro. Ein Minus von 20 Prozent kostet 20 Prozent der Entnahme, ein Minus von 40 Prozent kostet 40 Prozent.
Soll ich nach einem Crash mein Depot verkaufen und ins Tagesgeld gehen?
Der Verkauf macht den Verlust dauerhaft. Bei 2 Prozent Tagesgeldzins und 2 Prozent Inflation ist der Realzins null, aus 350.000 Euro werden über 30 Jahre 972 Euro im Monat statt 1.671 Euro. Der Crash kostet also 30 Prozent der Entnahme, der anschließende Verkauf noch einmal rund 42 Prozent. Wer die Schwankung nicht mehr aushält, sollte das bewusst und einmalig entscheiden, nicht im Tief.
Wie stark muss ich die Entnahme nach einem Crash kürzen?
Proportional zum Verlust. Nach minus 30 Prozent stellt eine Kürzung um 30 Prozent genau das Risikoniveau von vor dem Crash wieder her, weil im Entnahmeplan nur die Entnahmerate zählt, nicht die absolute Depotgröße. Bleibt die Entnahme unverändert, steigt die Pleitewahrscheinlichkeit über 30 Jahre in der Monte-Carlo-Simulation von 66,4 auf 90,0 Prozent.