Ratgeber Entnahmeplan

Cash-Puffer im Entnahmeplan: Wie viel Bargeld-Reserve ist sinnvoll?

Die gängige Faustregel lautet 2 bis 3 Jahresausgaben. Was die Reserve wirklich am Risiko ändert, was sie kostet und wann eine etwas kleinere Entnahme mehr bringt.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: 2 bis 3 Jahresausgaben als Cash-Puffer sind eine gute Größe, bei 1.458 Euro Entnahme im Monat also rund 35.000 bis 52.500 Euro. Wichtig ist aber, was der Puffer leistet und was nicht: Schneidest du ihn aus dem vorhandenen Depot heraus, sinkt die Pleitewahrscheinlichkeit in der Simulation nur von 24,0 auf 22,7 Prozent, und das mittlere Restkapital nach 30 Jahren fällt von 540.880 auf 486.894 Euro. Der Puffer ist keine Rendite-Versicherung. Er ist eine Verkaufs-Versicherung: Er sorgt dafür, dass du in einem Crash zwei bis drei Jahre lang keine Anteile zu schlechten Kursen abgeben musst.

Der Beispielfall

Alle Zahlen unten rechnen denselben Haushalt: 500.000 Euro Vermögen, 1.458 Euro Entnahme im Monat in heutiger Kaufkraft (17.500 Euro im Jahr, also 3,5 Prozent), geplante Dauer 30 Jahre, 2 Prozent Inflation. Das Aktiendepot bringt im Schnitt 6 Prozent bei 15 Prozent Schwankung, die Cash-Reserve 2 Prozent bei 1 Prozent Schwankung. Gerechnet wird mit 3.000 simulierten Verläufen und festem Startwert, damit die Ergebnisse reproduzierbar sind.

Puffer aus dem Depot herausgeschnitten: der ehrliche Effekt

Der häufigste Fall: Du hast dein Vermögen beisammen und legst einen Teil davon aufs Tagesgeld. Das Gesamtvermögen bleibt gleich, nur die Aufteilung ändert sich.

Cash-PufferBetragAnteil am VermögenPleitewahrscheinlichkeitRestkapital nach 30 Jahren (Median)
keiner0 Euro0 %24,0 %540.880 Euro
1 Jahresausgabe17.500 Euro3,5 %24,1 %499.641 Euro
2 Jahresausgaben35.000 Euro7,0 %23,7 %490.659 Euro
3 Jahresausgaben52.500 Euro10,5 %22,7 %486.894 Euro
4 Jahresausgaben70.000 Euro14,0 %23,4 %441.590 Euro
5 Jahresausgaben87.500 Euro17,5 %22,9 %426.821 Euro

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, Seed 42. Der Cash-Anteil wird als dauerhaft gehaltene Quote modelliert, die Mischung senkt sowohl die erwartete Rendite als auch die Schwankung des Gesamtvermögens.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Die Pleitewahrscheinlichkeit bewegt sich kaum, sie pendelt zwischen 22,7 und 24,1 Prozent. Zwei Kräfte heben sich fast auf, weniger Schwankung senkt das Risiko, weniger Rendite hebt es. Zweitens: Das Endkapital sinkt deutlich und verlässlich. Drei Jahresausgaben in Cash kosten im Median rund 54.000 Euro nach 30 Jahren, fünf Jahresausgaben schon rund 114.000 Euro. Wer den Puffer nur wegen der Zahl in der Risikospalte anlegt, zahlt also für wenig.

Puffer zusätzlich zurückgelegt: dann wirkt er

Ganz anders sieht es aus, wenn der Puffer echtes Zusatzgeld ist, das Depot also bei 500.000 Euro bleibt und die Reserve obendrauf kommt.

AufbauGesamtvermögenPleitewahrscheinlichkeitRestkapital nach 30 Jahren (Median)
500.000 Euro Depot, kein Puffer500.000 Euro24,0 %540.880 Euro
500.000 Euro Depot plus 2 Jahresausgaben535.000 Euro19,6 %634.486 Euro
500.000 Euro Depot plus 3 Jahresausgaben552.500 Euro16,9 %689.199 Euro

Von 24,0 auf 16,9 Prozent, das ist ein echter Sprung. Nur liegt er nicht an der Cash-Quote, sondern an den 52.500 Euro mehr Kapital. Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern die entscheidende Frage vor dem Ruhestand: Baust du den Puffer aus dem Bestand oder legst du ihn zusätzlich auf die Seite? Nur im zweiten Fall kaufst du dir wirklich Sicherheit.

Der günstigere Hebel: etwas weniger entnehmen

Wenn es um die Pleitewahrscheinlichkeit geht, ist die Entnahmehöhe der mit Abstand stärkere Hebel. Dieselben 500.000 Euro, kein Cash-Puffer, nur eine andere monatliche Entnahme:

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)EntnahmeratePleitewahrscheinlichkeitRestkapital nach 30 Jahren (Median)
1.458 Euro3,5 %24,0 %540.880 Euro
1.333 Euro3,2 %19,2 %659.429 Euro
1.250 Euro3,0 %15,1 %765.190 Euro
1.167 Euro2,8 %12,2 %818.799 Euro

Rund 200 Euro weniger im Monat drücken das Risiko von 24,0 auf 15,1 Prozent. Kein Cash-Puffer dieser Welt schafft das aus dem Bestand heraus. Und die Kombination? 1.313 Euro im Monat (10 Prozent weniger) plus drei Jahresausgaben in Cash ergibt 16,2 Prozent Pleitewahrscheinlichkeit bei 597.583 Euro mittlerem Restkapital. Auch hier kommt der Löwenanteil der Verbesserung von der Entnahme, nicht von der Reserve. Mehr dazu im Artikel zur 3-Prozent-Regel.

Wofür der Puffer trotzdem da ist

Die Simulation misst nur eine Sache: ob das Geld reicht. Sie kann zwei Vorteile nicht abbilden, die in der Praxis den Ausschlag geben.

Kein Zwangsverkauf im Tief. Ohne Reserve musst du auch dann Anteile verkaufen, wenn das Depot 35 Prozent im Minus steht. Genau das ist der Mechanismus hinter dem Renditereihenfolge-Risiko: Verkaufte Anteile können sich nicht mehr erholen. Ein Puffer über 2 bis 3 Jahresausgaben deckt eine typische Erholungsphase ab, ohne dass du an die Substanz gehst.

Ruhe. Der teuerste Fehler im Entnahmeplan ist nicht eine zu kleine Reserve, sondern der Panikverkauf des gesamten Depots nach einem schlechten Jahr. Wer weiß, dass die nächsten drei Jahre Haushaltsgeld unabhängig von der Börse auf dem Konto liegen, hält den Kurs eher durch. Diesen Wert bekommt man in keiner Tabelle zu sehen.

Modellgrenze: Gerechnet wird eine dauerhaft gehaltene Cash-Quote (regelmäßig zurückgemischt). Die klassische Eimer-Strategie, bei der du in Crash-Jahren nur aus dem Cash lebst und den Puffer in guten Jahren wieder auffüllst, lässt sich mit diesem Modell nicht direkt abbilden. Sie kann in schlechten Startjahren besser abschneiden, kostet in guten Jahren aber ebenfalls Rendite.

Wo der Puffer liegen sollte, und was die Inflation daraus macht

Die Reserve gehört auf Tagesgeld oder in kurzlaufende Geldmarktanlagen, nicht in Anleihen mit langer Laufzeit und schon gar nicht in Aktien. Sie muss jederzeit und ohne Kursverlust verfügbar sein. Der Preis dafür: Liegt der Zins unter der Inflation, schrumpft die Kaufkraft der Reserve. Wie stark, zeigt die Reichweite eines Puffers über drei Jahresausgaben:

Zins auf die ReserveInflationRealzinsReichweite von 2 JahresausgabenReichweite von 3 Jahresausgaben
3 %2 %0,98 %2,03 Jahre3,06 Jahre
2 %2 %0,00 %2,00 Jahre3,00 Jahre
2 %3 %-0,97 %1,97 Jahre2,94 Jahre
0 %2 %-1,96 %1,94 Jahre2,89 Jahre

Über den kurzen Zeitraum, für den der Puffer gedacht ist, fällt der Kaufkraftverlust also kaum ins Gewicht: Selbst zinslos trägt eine Reserve über drei Jahresausgaben noch 2,89 Jahre. Gefährlich wird Cash erst, wenn es über Jahrzehnte liegen bleibt. Genau deshalb bleibt der Puffer klein und der Rest im Depot.

So gehst du praktisch vor

Rechne zuerst deine Jahresausgaben aus, und zwar die tatsächlichen, nicht die geplanten. Ziehe davon ab, was ohnehin sicher hereinkommt, also gesetzliche Rente, Betriebsrente oder Mieteinnahmen. Nur die Lücke, die dein Depot füllen muss, ist die Bemessungsgrundlage für den Puffer. Wer 2.500 Euro im Monat braucht und 1.400 Euro Rente bezieht, entnimmt 1.100 Euro und braucht damit einen Puffer von rund 26.400 bis 39.600 Euro, nicht von 60.000 bis 90.000 Euro. Wenn du zusätzlich mit größeren Einmalkosten rechnest, halte diese getrennt vom Puffer, dafür gibt es den eigenen Artikel zu Pflegekosten im Entnahmeplan.

Rechne deinen eigenen Fall

Anderes Kapital, andere Entnahme, andere Annahmen zu Rendite und Schwankung: Der Entnahmeplan-Rechner zeigt dir Reichweite, Pleitewahrscheinlichkeit und Restkapital-Perzentile in Sekunden. Für den Vergleich mit und ohne Puffer setzt du einfach zweimal die Rendite- und Schwankungsannahme entsprechend der Mischung an.

Häufige Fragen

Wie viel Cash-Puffer brauche ich im Entnahmeplan?

Üblich und sinnvoll sind 2 bis 3 Jahresausgaben. Bei 1.458 Euro Entnahme im Monat sind das rund 35.000 bis 52.500 Euro. Der Puffer soll so groß sein, dass du einen längeren Kursrückgang aussitzen kannst, ohne Anteile zu verkaufen, und so klein, dass er die Rendite des Depots nicht spürbar drückt.

Senkt ein Cash-Puffer das Pleiterisiko im Entnahmeplan?

Kaum, wenn du ihn aus dem vorhandenen Depot herausschneidest. In der Simulation über 500.000 Euro, 1.458 Euro Entnahme im Monat und 30 Jahre sinkt die Pleitewahrscheinlichkeit von 24,0 Prozent ohne Puffer auf 22,7 Prozent mit drei Jahresausgaben in Cash. Legst du den Puffer dagegen zusätzlich zurück, fällt sie auf 16,9 Prozent, dann liegt der Effekt aber schlicht am mehr an Kapital.

Was kostet ein Cash-Puffer im Entnahmeplan?

Vor allem Endkapital. Drei Jahresausgaben in Cash (52.500 Euro von 500.000 Euro) senken in der Simulation das mittlere Restkapital nach 30 Jahren von 540.880 auf 486.894 Euro. Real verliert die Reserve zusätzlich Kaufkraft, wenn die Zinsen unter der Inflation liegen, über zwei bis drei Jahre fällt das aber kaum ins Gewicht.