Kurzantwort: Die Inflation frisst nicht dein Kapital, sondern deine Rendite. Aus 500.000 Euro sind bei 6 Prozent Rendite über 30 Jahre rechnerisch 3.027 Euro im Monat tragbar, solange der Betrag nominal eingefroren bleibt. Soll die Kaufkraft konstant bleiben, sind es bei 2 Prozent Inflation nur noch 2.387 Euro und bei 3 Prozent noch 2.102 Euro. Ein einziger Prozentpunkt mehr Inflation kostet also rund 285 Euro im Monat, etwa 12 Prozent des Budgets. Beim Pleiterisiko ist der Sprung noch größer: Bei 2.000 Euro monatlicher Entnahme steigt es von 50,1 auf 61,7 Prozent.
Der Hebel heißt Realzins
Ein Entnahmeplan mit konstanter Kaufkraft rechnet nicht mit der nominalen Rendite, sondern mit dem Realzins: rreal = (1 + Rendite) / (1 + Inflation) − 1. Das ist der Grund, warum die Inflation so hart durchschlägt. Sie wird nicht von der Rendite abgezogen, sie wird herausgeteilt, und der verbleibende Rest ist meistens klein.
| Nominale Rendite | 0 % Inflation | 2 % Inflation | 3 % Inflation | 5 % Inflation |
|---|---|---|---|---|
| 3 % | 3,00 % | 0,98 % | 0,00 % | −1,90 % |
| 5 % | 5,00 % | 2,94 % | 1,94 % | 0,00 % |
| 6 % | 6,00 % | 3,92 % | 2,91 % | 0,95 % |
| 7 % | 7,00 % | 4,90 % | 3,88 % | 1,90 % |
Realzins nach rreal = (1+r)/(1+i) − 1. Ein Prozentpunkt mehr Inflation kostet bei 6 Prozent Rendite gut einen Prozentpunkt Realzins, also rund ein Viertel des realen Ertrags.
Zwei Ablesungen lohnen sich: Bei 3 Prozent Rendite und 3 Prozent Inflation ist der Realzins genau null, das Depot ist dann nur noch ein Sparstrumpf mit Werterhalt. Und bei 5 Prozent Inflation bleibt selbst von 6 Prozent Rendite nicht einmal ein Prozentpunkt übrig.
Was die Inflation aus 1.000 Euro macht
Die zweite Hälfte des Problems ist die Ausgabenseite. Ein heute festgelegter Betrag verliert Jahr für Jahr an Wert, und im Ruhestand rechnet man mit 25 bis 35 Jahren Laufzeit.
| Nach ... | bei 2 % Inflation | bei 3 % Inflation | bei 5 % Inflation |
|---|---|---|---|
| 10 Jahren | 820 Euro | 744 Euro | 614 Euro |
| 20 Jahren | 673 Euro | 554 Euro | 377 Euro |
| 30 Jahren | 552 Euro | 412 Euro | 231 Euro |
Kaufkraft von heute 1.000 Euro, abgezinst mit der jeweiligen Inflationsrate.
Wer also eine feste Rate von 2.000 Euro plant und 30 Jahre lebt, hat am Ende bei 2 Prozent Inflation real noch 1.104 Euro zur Verfügung, bei 3 Prozent nur noch 824 Euro. Umgekehrt gilt: Wer die Kaufkraft halten will, muss nominal deutlich mehr entnehmen. Aus 2.000 Euro werden bei 2 Prozent Inflation im zehnten Jahr 2.438 Euro, im zwanzigsten 2.972 Euro und im dreißigsten 3.623 Euro. Bei 3 Prozent Inflation sind es 2.688, 3.612 und am Ende 4.855 Euro, also fast das Zweieinhalbfache des Startbetrags.
Die tragbare Entnahme aus 500.000 Euro
Jetzt beides zusammen. Die Tabelle zeigt, wie viel aus 500.000 Euro über 30 Jahre monatlich entnommen werden kann, jeweils in heutiger Kaufkraft. Die Spalte "0 %" entspricht dem, was die meisten einfachen Auszahlplan-Rechner ausgeben: ein nominal eingefrorener Betrag.
| Rendite | ohne Inflationsausgleich | bei 2 % Inflation | bei 3 % Inflation | Verlust je Prozentpunkt |
|---|---|---|---|---|
| 4 % | 2.410 Euro | 1.850 Euro | 1.608 Euro | −242 Euro |
| 5 % | 2.710 Euro | 2.110 Euro | 1.846 Euro | −264 Euro |
| 6 % | 3.027 Euro | 2.387 Euro | 2.102 Euro | −285 Euro |
| 7 % | 3.358 Euro | 2.680 Euro | 2.376 Euro | −304 Euro |
500.000 Euro, 30 Jahre Laufzeit, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern und Kosten. Die letzte Spalte ist der Unterschied zwischen 2 und 3 Prozent Inflation.
Bemerkenswert ist die Richtung: Je höher die Rendite, desto teurer wird ein zusätzlicher Prozentpunkt Inflation in Euro. Das liegt daran, dass die Inflation prozentual auf ein größeres Budget wirkt. Wer den Vergleich zwischen fester und mitwachsender Rate im Detail sehen will, findet ihn im Artikel zu dynamischer und fester Entnahme.
Andersherum: Wie lange reicht das Geld?
Gleiche Ausgangslage, andere Frage. Wer aus 500.000 Euro dauerhaft 2.000 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft entnehmen will, bekommt je nach Inflationsannahme sehr verschiedene Antworten.
| Rendite | ohne Inflation | bei 2 % Inflation | bei 3 % Inflation | bei 5 % Inflation |
|---|---|---|---|---|
| 3 % | 33,2 Jahre | 23,4 Jahre | 20,8 Jahre | 17,4 Jahre |
| 5 % | reicht ewig | 32,7 Jahre | 27,0 Jahre | 20,8 Jahre |
| 6 % | reicht ewig | 44,1 Jahre | 32,5 Jahre | 23,3 Jahre |
| 7 % | reicht ewig | reicht ewig | 43,5 Jahre | 26,8 Jahre |
500.000 Euro Startkapital, 2.000 Euro monatliche Entnahme in heutiger Kaufkraft. "Reicht ewig" bedeutet, dass der reale Ertrag die Entnahme trägt.
Der Sprung von 44,1 auf 32,5 Jahre bei 6 Prozent Rendite ist der wichtigste Wert dieser Seite: Ein einziger Prozentpunkt Inflation kostet 11,6 Jahre Reichweite. Wer mit 65 in den Ruhestand geht, hat damit den Unterschied zwischen einem Depot, das bis weit über das 100. Lebensjahr trägt, und einem, das mit knapp 98 aufgebraucht ist.
Wie viel Kapital die Inflation zusätzlich verlangt
Aus derselben Rechnung lässt sich der Kapitalbedarf ableiten. Für 2.000 Euro monatlich über 30 Jahre bei 6 Prozent Rendite braucht es rund 330.000 Euro, wenn der Betrag nominal eingefroren bleibt. Mit 2 Prozent Inflationsausgleich sind es rund 419.000 Euro, mit 3 Prozent rund 476.000 Euro. Bei 5 Prozent Rendite steigt der Bedarf von 369.000 über 474.000 auf 542.000 Euro. Der Inflationsausgleich kostet also je nach Annahme 27 bis 47 Prozent mehr Kapital, und genau dieser Aufschlag fehlt in den meisten schnellen Überschlagsrechnungen. Die vollständige Rückwärtsrechnung steht im Artikel Wie viel Kapital brauche ich für 2.000 Euro monatlich?.
Das Pleiterisiko wandert stärker als die Entnahme
Alle Tabellen oben unterstellen eine jedes Jahr exakt gleiche Rendite. Ein Aktiendepot schwankt aber, und in Kombination mit der Inflation wird daraus ein spürbares Risiko. Die folgenden Werte stammen aus der Monte-Carlo-Simulation des Rechners mit 3.000 Verläufen, 6 Prozent erwarteter Rendite und 15 Prozent Schwankung, Startkapital 500.000 Euro, Zieldauer 30 Jahre.
| Monatliche Entnahme (heutige Kaufkraft) | ohne Inflation | bei 2 % Inflation | bei 3 % Inflation |
|---|---|---|---|
| 1.850 Euro | 21,3 % | 43,6 % | 54,5 % |
| 2.000 Euro | 27,1 % | 50,1 % | 61,7 % |
| 2.110 Euro | 32,0 % | 54,2 % | 66,4 % |
Pleitewahrscheinlichkeit, also Anteil der Verläufe, in denen das Kapital vor Ablauf der 30 Jahre erschöpft ist. Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen.
Bei 2.000 Euro Entnahme verdoppelt sich das Risiko fast, sobald die Inflation von null auf 2 Prozent geht, und der Schritt auf 3 Prozent legt noch einmal 11,6 Prozentpunkte drauf. Der Grund: Die Entnahme wächst nominal mit, während schlechte Börsenjahre das Kapital gleichzeitig drücken. Genau diese Kombination ist das Renditereihenfolge-Risiko in seiner unangenehmsten Form.
Wenn das Kapital nie angetastet werden soll
Wer nur vom realen Ertrag leben will, spürt die Inflation am direktesten. Aus 500.000 Euro trägt der Realzins bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation 1.634 Euro im Monat, bei 3 Prozent Inflation nur noch 1.214 Euro. Bei 5 Prozent Rendite fällt der Betrag von 1.225 auf 809 Euro, also um ein Drittel. Ein Prozentpunkt Inflation kostet hier keine 12 Prozent, sondern 26 bis 34 Prozent des dauerhaften Budgets, weil er direkt vom ohnehin kleinen Realertrag abgeht.
Was du daraus praktisch mitnimmst
- Plane mit 2 Prozent, teste mit 3 Prozent. Das Ziel der Europäischen Zentralbank liegt bei 2 Prozent, das ist der vernünftige Basiswert. Ob dein Plan auch 3 Prozent aushält, solltest du trotzdem einmal durchrechnen.
- Traue keiner Zahl ohne Inflationsangabe. Ein Rechner, der 3.027 Euro ausgibt, meint einen Betrag, der in 30 Jahren real nur noch 1.671 Euro wert ist.
- Deine persönliche Inflation zählt. Wer viel für Miete, Energie, Pflege oder Gesundheit ausgibt, liegt oft über dem Durchschnittswert des Warenkorbs.
- Sachwerte sind der Gegenspieler. Nur eine Rendite deutlich über der Inflation hält die Kaufkraft. Bei 3 Prozent Rendite und 3 Prozent Inflation bleibt real exakt nichts übrig.
- Flexibilität schlägt Präzision. Niemand kennt die Inflation der nächsten 30 Jahre. Wer die Entnahme in schlechten Jahren kürzen kann, braucht keine perfekte Prognose.
Rechne deinen eigenen Fall
Andere Inflationsannahme, anderes Kapital, andere Laufzeit: Der Entnahmeplan-Rechner zeigt dir Entnahme, Reichweite und Pleitewahrscheinlichkeit sofort nominal und real, damit du siehst, was von deinem Budget in 20 Jahren wirklich übrig ist.
Häufige Fragen
Wie stark verändert die Inflation meine mögliche Entnahme?
Deutlich. Aus 500.000 Euro sind bei 6 Prozent Rendite über 30 Jahre 3.027 Euro monatlich tragbar, wenn es keine Inflation gäbe. Bei 2 Prozent Inflation sind es nur noch 2.387 Euro in heutiger Kaufkraft, bei 3 Prozent noch 2.102 Euro. Ein einziger Prozentpunkt mehr Inflation kostet also rund 285 Euro im Monat, etwa 12 Prozent des Budgets.
Mit welcher Inflationsrate sollte ich im Entnahmeplan rechnen?
Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank liegt bei 2 Prozent, deshalb ist das der übliche Planwert. Wer auf Nummer sicher gehen will, rechnet zusätzlich ein Szenario mit 3 Prozent und schaut, ob der Plan das noch trägt. Wichtig ist die persönliche Inflation: Wer viel für Miete, Energie und Gesundheit ausgibt, spürt oft mehr als den Durchschnittswert.
Was ist der Realzins und warum ist er im Entnahmeplan wichtig?
Der Realzins ist die Rendite nach Abzug der Inflation, berechnet als (1 plus Rendite) geteilt durch (1 plus Inflation) minus 1. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 3,92 Prozent, bei 3 Prozent Inflation nur noch 2,91 Prozent. Der Entnahmeplan mit konstanter Kaufkraft rechnet ausschließlich mit diesem Realzins, deshalb schlagen kleine Änderungen der Inflation so stark durch.