Kurzantwort: Kapitalerhalt bedeutet, nur den realen Ertrag zu entnehmen, sodass das Vermögen in heutiger Kaufkraft erhalten bleibt und die Entnahme theoretisch ewig fließt, dafür aber niedriger ausfällt. Kapitalverzehr entnimmt mehr, verbraucht das Kapital aber planmäßig bis zu einem festen Enddatum. Bei 500.000 Euro, 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation stehen sich rund 1.634 Euro im Monat dauerhaft (Erhalt) und rund 2.387 Euro im Monat über 30 Jahre (Verzehr) gegenüber. Der Aufpreis von rund 750 Euro monatlich ist der Preis dafür, dass am Ende nichts übrig bleibt.
Die zwei Grundstrategien in einem Satz
Kapitalerhalt (ewige Entnahme): Du entnimmst nur so viel, wie das Depot real erwirtschaftet. Das Kapital bleibt inflationsbereinigt gleich, und was du nicht verbrauchst, geht an die Erben. Der Preis: Die monatliche Entnahme ist deutlich niedriger.
Kapitalverzehr (planmäßiger Auszahlplan): Du legst einen Zeitraum fest und verteilst Kapital plus Erträge gleichmäßig darauf. Am Ende ist das Depot leer. Der Vorteil: spürbar mehr Geld pro Monat, solange die Zeit läuft.
Der direkte Vergleich für 500.000 Euro
Alle Werte sind reale, konstante Entnahmen in heutiger Kaufkraft (der nominale Betrag steigt jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation). Die Zeile "Kapitalerhalt" ist die dauerhaft tragbare Entnahme, also der reale Ertrag des Depots.
| Strategie | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| Kapitalerhalt (ewig) | 408 Euro/Monat | 1.225 Euro/Monat | 1.634 Euro/Monat |
| Verzehr über 30 Jahre | 1.610 Euro/Monat | 2.110 Euro/Monat | 2.387 Euro/Monat |
| Verzehr über 25 Jahre | 1.887 Euro/Monat | 2.377 Euro/Monat | 2.645 Euro/Monat |
| Verzehr über 20 Jahre | 2.304 Euro/Monat | 2.785 Euro/Monat | 3.045 Euro/Monat |
Annahme: 500.000 Euro Startkapital, 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.
Auffällig ist die Spreizung bei niedriger Rendite: Bei nur 3 Prozent trägt der reale Ertrag gerade einmal 408 Euro im Monat, während der Verzehr über 20 Jahre mehr als das Fünffache erlaubt. Je niedriger die Rendite, desto teurer wird der Wunsch nach vollständigem Kapitalerhalt.
Wie viel Kapital braucht der Kapitalerhalt?
Andersherum gefragt: Welches Vermögen musst du aufbauen, damit ein bestimmter Betrag dauerhaft aus dem realen Ertrag fließt, ohne das Kapital anzugreifen? Die Formel ist Jahresentnahme geteilt durch den Realzins.
| Gewünschte Entnahme | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 1.000 Euro/Monat | 1.224.000 Euro | 408.000 Euro | 306.000 Euro |
| 1.500 Euro/Monat | 1.836.000 Euro | 612.000 Euro | 459.000 Euro |
| 2.000 Euro/Monat | 2.448.000 Euro | 816.000 Euro | 612.000 Euro |
| 2.500 Euro/Monat | 3.060.000 Euro | 1.020.000 Euro | 765.000 Euro |
Kapitalbedarf für eine ewige reale Entnahme, 2 Prozent Inflation, vor Steuern. Bei 3 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation bleibt real nur rund 1 Prozent Ertrag, deshalb der enorme Kapitalbedarf.
Der Haken beim Kapitalverzehr: das Timing
Die Verzehr-Zahlen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich hereinkommt. Ein echtes Aktiendepot schwankt aber, und wer den vollen Durchschnitt fest verplant, unterschätzt das Risiko dramatisch. Ein Beispiel aus der Monte-Carlo-Simulation des Rechners (erwartete Rendite 6 Prozent, Schwankung 15 Prozent, wie bei einem weltweiten Aktiendepot): Wer 2.387 Euro monatlich über 30 Jahre verzehrt, scheitert in rund 66 von 100 simulierten Verläufen vorzeitig. Der Grund ist das Renditereihenfolge-Risiko, ein paar schwache Börsenjahre zu Beginn reißen ein Loch, das sich nicht mehr schließt.
Kapitalerhalt ist robuster, aber kein Freibrief
Man könnte meinen, wer nur den Ertrag entnimmt, sei auf der sicheren Seite. Das stimmt nur halb. Denn der reale Ertrag von 3,9 Prozent ist ein Erwartungswert, keine Garantie. Entnimmst du den vollen erwarteten Ertrag (1.634 Euro im Monat), bleibt kein Puffer für schwache Jahre, und die Simulation zeigt trotzdem eine spürbare Pleitewahrscheinlichkeit. Erst wer unter dem Erwartungsertrag bleibt, macht aus dem Kapitalerhalt-Gedanken eine wirklich robuste Strategie.
| Entnahme aus 500.000 Euro | Entnahmerate | Pleiterisiko 30 Jahre | Pleiterisiko 40 Jahre |
|---|---|---|---|
| 1.000 Euro/Monat | 2,4 % | 7 % | 15 % |
| 1.250 Euro/Monat | 3,0 % | 15 % | 28 % |
| 1.500 Euro/Monat | 3,6 % | 26 % | 42 % |
| 1.634 Euro/Monat (voller Realertrag) | 3,9 % | 32 % | 49 % |
Monte-Carlo mit 3.000 Verläufen, erwartete Rendite 6 Prozent, Schwankung 15 Prozent, 2 Prozent Inflation, Seed 42. Reale Entnahme, die jährlich mit der Inflation steigt. Pleite = Kapital vor Ablauf erschöpft.
Die Tabelle macht den Punkt deutlich: Der Sprung von 3,9 auf 3,0 Prozent Entnahmerate halbiert das 30-Jahres-Risiko fast. Genau deshalb empfehlen viele Fachleute für lange Ruhestände eine Rate näher an der 3-Prozent-Regel statt der klassischen 4 Prozent.
Welche Strategie passt zu dir?
Für den Kapitalerhalt spricht: ein langer oder unbekannter Zeithorizont, der Wunsch zu vererben, ein Sicherheitsbedürfnis und ausreichend Kapital, um von den Erträgen leben zu können. Für den planmäßigen Verzehr spricht: ein klar begrenzter Zeitraum (etwa die Brücke bis zur gesetzlichen Rente), keine Vererbungsabsicht und der Wunsch, aus einem gegebenen Vermögen das Maximum an Lebensqualität zu ziehen. In der Praxis mischen viele beides: einen festen Sockel aus Rente plus einen moderaten, teils verzehrenden Entnahmeplan aus dem Depot.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kapitalverzehr und Kapitalerhalt?
Bei Kapitalerhalt entnimmst du nur den realen Ertrag, das Kapital bleibt in heutiger Kaufkraft erhalten und die Entnahme kann theoretisch ewig fließen, ist dafür aber niedriger. Beim Kapitalverzehr entnimmst du planmäßig mehr über einen festen Zeitraum, das Kapital ist am Ende aufgebraucht. Bei 500.000 Euro, 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das rund 1.634 Euro im Monat dauerhaft gegenüber rund 2.387 Euro im Monat über 30 Jahre.
Wie viel kann ich bei Kapitalerhalt aus 500.000 Euro entnehmen?
Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation ergibt das einen Realzins von rund 3,9 Prozent, also etwa 1.634 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei nur 3 Prozent Rendite sinkt der reale Ertrag auf rund 1,0 Prozent und damit auf etwa 408 Euro im Monat.
Welche Strategie ist sicherer, Verzehr oder Erhalt?
Der Kapitalerhalt-Gedanke ist robuster, weil ein Puffer stehen bleibt. Er ist aber kein Freibrief: Wer den vollen erwarteten realen Ertrag entnimmt, scheitert in der Simulation über 30 Jahre trotzdem in rund einem Drittel der Verläufe, weil die erwartete Rendite nicht garantiert ist. Wirklich sicherer Kapitalerhalt bedeutet, unter dem Erwartungsertrag zu bleiben, etwa bei einer Entnahmerate von 2 bis 3 Prozent.