Ratgeber Entnahmeplan

Auszahlplan bei der Bank oder selbst gemacht?

Beide Wege rechnen mit derselben Formel. Der Unterschied steckt fast vollständig in den laufenden Kosten. Hier steht, was jede Kostenstufe an monatlicher Entnahme kostet.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Rechnerisch entscheidet fast nur die Kostenquote. Bei 250.000 Euro, 25 Jahren Laufzeit, 6 Prozent Bruttorendite und 2 Prozent Inflation trägt ein Depot mit 0,2 Prozent laufenden Kosten rund 1.295 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft, ein Produkt mit 1,5 Prozent Kosten nur noch rund 1.124 Euro. Das sind 171 Euro im Monat weniger, über 25 Jahre rund 51.200 Euro weniger Kaufkraft. Ein Bankprodukt lohnt sich also nur, wenn du für diesen Preis eine Leistung bekommst, die du tatsächlich brauchst.

Warum Kosten im Entnahmeplan so hart durchschlagen

Beim Sparen kostet dich eine Gebühr Rendite auf ein wachsendes Vermögen. Beim Entsparen kostet sie dich Rendite auf ein Vermögen, von dem du gleichzeitig lebst. Die Gebühr wird jedes Jahr auf das komplette Restkapital fällig, nicht auf die Entnahme. 1,5 Prozent auf 250.000 Euro sind im ersten Jahr 3.750 Euro. Das ist mehr als drei Monatsentnahmen, bevor überhaupt ein Euro bei dir angekommen ist.

In der Rechnung ist das einfach abzubilden: Die Kostenquote geht direkt von der Bruttorendite ab. Aus 6 Prozent brutto werden bei 1,5 Prozent Kosten 4,5 Prozent netto, und mit dieser Nettorendite rechnet der Entnahmeplan weiter.

Was jede Kostenstufe an monatlicher Entnahme kostet

Ausgangslage: 250.000 Euro Kapital, 25 Jahre geplante Laufzeit, 6 Prozent Bruttorendite, 2 Prozent Inflation. Die Entnahme ist dynamisch gerechnet, sie steigt also jedes Jahr mit der Inflation, damit die Kaufkraft konstant bleibt.

Laufende Kosten pro JahrRendite nach KostenEntnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)Summe über 25 Jahre (real)Nachteil gegenüber 0,2 %
0,2 % (ETF-Selbstbau)5,80 %1.295 Euro388.551 Euro0 Euro
0,5 %5,50 %1.255 Euro376.394 Euro12.157 Euro
1,0 %5,00 %1.189 Euro356.576 Euro31.975 Euro
1,5 %4,50 %1.124 Euro337.325 Euro51.226 Euro
2,0 %4,00 %1.062 Euro318.656 Euro69.895 Euro

Annahme: 6 Prozent Bruttorendite, 2 Prozent Inflation, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) minus 1.

Bemerkenswert ist das Verhältnis: 1,0 statt 0,2 Prozent Kosten klingt nach einem Unterschied von 0,8 Prozentpunkten, kostet dich aber gut 8 Prozent deiner monatlichen Entnahme. Welche Zeile dein Angebot trifft, steht im Produktinformationsblatt und im Preis- und Leistungsverzeichnis. Zusammenrechnen musst du alles: Fondskosten, Depot- oder Verwaltungsentgelt, Ausgabeaufschlag umgelegt auf die Laufzeit und laufende Vertriebsprovisionen.

Dieselbe Rechnung von der anderen Seite: Reichweite

Wenn die Entnahme feststeht statt der Laufzeit, wirken die Kosten auf die Dauer. Hier 1.000 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft aus 250.000 Euro:

Laufende Kosten pro JahrRendite nach KostenDas Geld reicht
0,2 %5,80 %40,9 Jahre
0,5 %5,50 %37,2 Jahre
1,0 %5,00 %32,7 Jahre
1,5 %4,50 %29,5 Jahre
2,0 %4,00 %27,0 Jahre

Zwischen der günstigsten und der teuersten Zeile liegen fast 14 Jahre Entnahme. Das ist der eigentliche Preis der Bequemlichkeit.

Der Bank-Auszahlplan mit festem Zins ist eine andere Baustelle

Viele Banken bieten keinen Fondsauszahlplan an, sondern einen klassischen Auszahlplan mit festem Zins auf ein Guthaben. Der ist planbar und schwankt nicht, aber er muss zuerst die Inflation schlagen. Bei 2 Prozent Inflation bleibt von einem Zins von 2,5 Prozent ein Realzins von 0,49 Prozent übrig:

Fester ZinsRealzins bei 2 % InflationEntnahme pro Monat über 25 Jahre (heutige Kaufkraft)
1,5 %minus 0,49 %781 Euro
2,0 %0,00 %833 Euro
2,5 %0,49 %887 Euro
3,0 %0,98 %944 Euro

Zum Vergleich: Der ETF-Selbstbau aus der ersten Tabelle trägt im Modell 1.295 Euro. Der Zinsauszahlplan kauft dir Sicherheit, und er kostet dich dafür rund ein Drittel der monatlichen Entnahme. Das kann trotzdem die richtige Wahl sein, etwa für die ersten Jahre als Puffer oder für Geld, das in wenigen Jahren gebraucht wird. Nur ist es keine Kostenfrage, sondern eine Risikoentscheidung.

Kosten senken auch das Risiko, nicht nur die Rendite

Der Durchschnitt aus den Tabellen oben unterstellt jedes Jahr die gleiche Rendite. Ein echtes Aktiendepot schwankt. In der Monte-Carlo-Simulation des Rechners (250.000 Euro, 900 Euro Entnahme im Monat in heutiger Kaufkraft, 25 Jahre Zieldauer, Schwankung 15 Prozent, 3.000 Verläufe, Seed 42) verschiebt allein die Kostenquote das Ergebnis spürbar:

Laufende Kosten pro JahrErwartete Rendite nach KostenPleitewahrscheinlichkeit in 25 Jahren
0,2 %5,80 %30,2 %
0,5 %5,50 %32,9 %
1,0 %5,00 %38,4 %
1,5 %4,50 %44,2 %

Aus knapp 30 Prozent Risiko werden gut 44 Prozent, nur wegen der Gebühr. Kosten sind damit die einzige Stellschraube im Entnahmeplan, die du sicher kennst und sicher beeinflussen kannst. Rendite und Inflation kannst du nur schätzen. Mehr zum Zusammenspiel von Schwankung und Reihenfolge steht im Artikel zum Renditereihenfolge-Risiko.

Was du beim Selbstbau wirklich selbst machst

Der Aufwand wird oft überschätzt. Bei einem deutschen Broker läuft der Entnahmeplan im Kern so:

Wie der Anteilsverkauf konkret abläuft, steht im Artikel Entnahmeplan mit ETF.

Wann das Bankprodukt trotzdem die bessere Wahl ist

Die Rechnung sagt nur, was die Betreuung kostet, nicht ob sie ihr Geld wert ist. Sinnvoll ist ein betreuter Auszahlplan zum Beispiel, wenn niemand im Haushalt das Depot im Notfall führen könnte, wenn Börsenschwankungen zu Panikverkäufen führen würden oder wenn eine feste, garantierte Zahlung wichtiger ist als die Höhe. Wer eine Gebühr zahlt, sollte aber wissen, wofür: Eine Beratung, die einmal im Jahr stattfindet, kostet in der 1,5-Prozent-Variante rund 3.750 Euro im ersten Jahr. Diese Summe lässt sich auch als Honorar für eine Beratung ausgeben, ohne dass sie jedes Jahr auf das gesamte Vermögen fällig wird.

Rechne deinen eigenen Fall

Trage im Entnahmeplan-Rechner einfach deine Bruttorendite minus deiner Kostenquote ein und vergleiche beide Varianten nebeneinander, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Auszahlplan bei der Bank oder soll ich ihn selbst bauen?

Rechnerisch entscheidet fast nur die Kostenquote. Bei 250.000 Euro, 25 Jahren, 6 Prozent Bruttorendite und 2 Prozent Inflation trägt ein Depot mit 0,2 Prozent Kosten rund 1.295 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft, bei 1,5 Prozent Kosten sind es nur noch rund 1.124 Euro. Über 25 Jahre sind das rund 51.200 Euro weniger Kaufkraft. Ein Bankprodukt lohnt sich nur, wenn du für diesen Preis eine Leistung bekommst, die du wirklich brauchst.

Wie viel kostet 1 Prozent Gebühr pro Jahr im Entnahmeplan?

Deutlich mehr als 1 Prozent der Entnahme. Im Modell mit 250.000 Euro und 25 Jahren sinkt die monatliche Entnahme von rund 1.295 Euro (0,2 Prozent Kosten) auf rund 1.189 Euro (1,0 Prozent Kosten), also um gut 8 Prozent. Der Grund: Die Gebühr wird jedes Jahr auf das gesamte Restkapital fällig, nicht nur auf die Entnahme.

Ist ein Bank-Auszahlplan mit festem Zins sicherer?

Er ist planbarer, aber er trägt weniger. Bei 2,5 Prozent festem Zins und 2 Prozent Inflation bleibt ein Realzins von 0,49 Prozent, aus 250.000 Euro werden über 25 Jahre rund 887 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 2,0 Prozent Zins und 2,0 Prozent Inflation ist der Realzins null, dann ist die Entnahme schlicht Kapital geteilt durch Laufzeit, also rund 833 Euro im Monat.