Kurzantwort: Rechne den Pflegefall als eigenen Kapitalblock, nicht als höhere laufende Entnahme. Für 1.500 Euro Zusatzbedarf im Monat über 5 Jahre braucht es im Moment des Pflegefalls rund 82.573 Euro in heutiger Kaufkraft. Tritt der Fall erst in 20 Jahren ein und bleibt das Geld bis dahin investiert, sind dafür heute rund 46.244 Euro nötig. Bei einem Depot von 400.000 Euro und 30 Jahren Planung kostet dieser Puffer rund 195 Euro monatliche Entnahme: statt 1.688 Euro bleiben 1.493 Euro im Monat, jeweils in heutiger Kaufkraft.
Warum wir mit Szenarien rechnen und nicht mit einer Pauschale
Wie hoch der Eigenanteil im Pflegefall tatsächlich ausfällt, hängt von Pflegegrad, Art der Versorgung, Einrichtung und Bundesland ab und ändert sich laufend. Eine einzelne Zahl, die für alle stimmt, gibt es nicht. Deshalb rechnen wir hier mit Szenarien: 1.000, 1.500 und 2.000 Euro zusätzlicher Bedarf pro Monat, jeweils über 3 oder 5 Jahre. Setze deine eigene Schätzung ein, der Rechenweg bleibt identisch.
Wichtig ist nur eines: Es geht um den Betrag, der über deine ohnehin geplante Entnahme hinausgeht. Wer im Heim lebt, spart an anderer Stelle (Miete, Nebenkosten, Haushalt), und Pflegegeld oder Pflegesachleistungen decken einen Teil ab. Der Puffer muss nur die Lücke schließen, nicht die vollen Pflegekosten.
Was ein Pflegeszenario an Kapital bindet
Zuerst die Frage: Wie viel Kapital muss im Moment des Pflegefalls bereitstehen, damit die Zusatzkosten über die gesamte Dauer gedeckt sind? Alle Werte in heutiger Kaufkraft, gerechnet über den Realzins bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation.
| Zusatzbedarf pro Monat | Kapital für 3 Jahre | Kapital für 5 Jahre |
|---|---|---|
| 1.000 Euro | 33.982 Euro | 55.049 Euro |
| 1.500 Euro | 50.973 Euro | 82.573 Euro |
| 2.000 Euro | 67.964 Euro | 110.098 Euro |
Annahme: 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Realzins rund 2,94 Prozent. Der Zusatzbedarf steigt während der Pflegezeit mit der Inflation, die Kaufkraft bleibt also konstant. Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern.
Der Zeitpunkt entscheidet über die Höhe der Rückstellung
Ein Pflegepuffer wird selten sofort gebraucht. Je später der Fall eintritt, desto länger arbeitet das Geld, und desto weniger musst du heute zurücklegen. Diese Tabelle zeigt für das 5-Jahres-Szenario, welcher Betrag heute reicht, wenn der Puffer bis zum Eintritt investiert bleibt.
| Zusatzbedarf (5 Jahre) | Eintritt in 15 Jahren | Eintritt in 20 Jahren | Eintritt in 25 Jahren |
|---|---|---|---|
| 1.000 Euro/Monat | 35.638 Euro | 30.829 Euro | 26.670 Euro |
| 1.500 Euro/Monat | 53.457 Euro | 46.244 Euro | 40.005 Euro |
| 2.000 Euro/Monat | 71.276 Euro | 61.659 Euro | 53.340 Euro |
Heutiger Kapitalbedarf, damit zum genannten Zeitpunkt der volle Betrag in heutiger Kaufkraft zur Verfügung steht. Gerechnet mit demselben Realzins von rund 2,94 Prozent.
Was der Puffer an monatlicher Entnahme kostet
Jeder zurückgelegte Euro fehlt in der laufenden Entnahme. Ausgangslage: 400.000 Euro Depot, 30 Jahre Planung, 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation. Ohne Rückstellung sind 1.688 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft möglich.
| Rückstellung | Depot für die laufende Entnahme | Entnahme pro Monat | Verzicht pro Monat |
|---|---|---|---|
| 0 Euro | 400.000 Euro | 1.688 Euro | - |
| 25.000 Euro | 375.000 Euro | 1.582 Euro | 105 Euro |
| 50.000 Euro | 350.000 Euro | 1.477 Euro | 211 Euro |
| 75.000 Euro | 325.000 Euro | 1.371 Euro | 316 Euro |
| 100.000 Euro | 300.000 Euro | 1.266 Euro | 422 Euro |
Als Faustzahl für diesen Fall: Je 25.000 Euro Rückstellung kosten rund 105 Euro monatliche Entnahme. Der oben genannte Puffer von 46.244 Euro (1.500 Euro über 5 Jahre, Eintritt in 20 Jahren) drückt die Entnahme auf 1.493 Euro, also rund 195 Euro weniger. Wie sich die Entnahmehöhe bei anderen Kapitalbeträgen verhält, steht im Artikel Wie viel darf ich monatlich entnehmen.
Puffer aufs Tagesgeld oder investiert lassen?
Beide Wege haben ihren Preis. 50.000 Euro auf einem unverzinsten Konto sind nach 20 Jahren bei 2 Prozent Inflation real nur noch 33.649 Euro wert. Dieselben 50.000 Euro im Depot mit 5 Prozent Rendite wachsen real auf 89.280 Euro. Der Unterschied ist so groß, dass ein reiner Bargeldpuffer über lange Zeiträume kaum sinnvoll ist.
Dafür ist der investierte Puffer nicht garantiert verfügbar: Wenn der Pflegefall ausgerechnet nach einem schlechten Börsenjahr eintritt, musst du zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen. Ein pragmatischer Mittelweg: den Puffer investiert lassen, solange der Zeithorizont lang ist, und ihn mit steigendem Alter schrittweise in sichere Anlagen umschichten. Das ist dieselbe Logik wie beim Renditereihenfolge-Risiko.
Was passiert, wenn der Puffer fehlt
Der Musterplan (400.000 Euro, 1.688 Euro monatlich, 30 Jahre) hat nach 20 Jahren noch 173.281 Euro in heutiger Kaufkraft im Depot. Auf dem Papier sieht das nach reichlich Reserve aus. Kommt jetzt ein Pflegefall mit 1.500 Euro Zusatzbedarf über 5 Jahre, sind davon 82.573 Euro weg, also fast die Hälfte.
Die Folge: Der Rest von 90.708 Euro trägt die unveränderte Entnahme nur noch 4,9 Jahre statt der geplanten 10. Wer die vollen 10 Jahre schaffen will, muss die monatliche Entnahme dauerhaft auf rund 883 Euro senken, also fast halbieren. Genau das ist der Grund, den Block vorher einzuplanen: Ein Verzicht von 195 Euro über die gesamte Laufzeit ist leichter zu tragen als eine Halbierung im hohen Alter.
Der Puffer allein senkt das Risiko nicht
Ein häufiges Missverständnis: Wer Geld zurücklegt, hält seinen Plan für sicherer. Das stimmt nur, wenn die laufende Entnahme entsprechend sinkt. Die Monte-Carlo-Simulation zeigt es (5 Prozent erwartete Rendite, 15 Prozent Schwankung, 2 Prozent Inflation, 30 Jahre, 3.000 Verläufe, Seed 42):
| Variante | Depot | Entnahme pro Monat | Pleitewahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|
| Kein Puffer, volle Entnahme | 400.000 Euro | 1.688 Euro | 66,0 Prozent |
| 50.000 Puffer, Entnahme angepasst | 350.000 Euro | 1.477 Euro | 66,0 Prozent |
| 50.000 Puffer, Entnahme unverändert | 350.000 Euro | 1.688 Euro | 76,5 Prozent |
| 50.000 Puffer, vorsichtige Entnahme | 350.000 Euro | 1.200 Euro | 48,8 Prozent |
Drei Lehren stecken darin. Erstens: Wer Kapital abzweigt, ohne die Entnahme zu senken, verschlechtert seinen Plan messbar (76,5 statt 66,0 Prozent Pleiterisiko). Zweitens: Ein angepasster Plan hat exakt dasselbe Risiko wie vorher, dafür liegen 50.000 Euro sicher daneben. Drittens, und das ist die unangenehmste Zahl: Eine Entnahme, die das Kapital rechnerisch punktgenau nach 30 Jahren aufbraucht, scheitert in zwei von drei simulierten Verläufen vorzeitig. Was hinter dieser Zahl steckt, erklärt der Artikel zur Monte-Carlo-Simulation.
Drei Wege, den Pflegefall abzudecken
1. Kapitalblock zurücklegen. Der Weg aus diesem Artikel: ein fester Betrag, der nicht zur laufenden Entnahme gehört. Transparent, flexibel, ohne laufende Kosten, aber er kostet Entnahme.
2. Sicherheitsabschlag bei der Entnahme. Statt eines Blocks entnimmst du von Anfang an weniger, etwa 1.200 statt 1.688 Euro. Das senkt zugleich das allgemeine Pleiterisiko deutlich und lässt im Median Restkapital für alles Unvorhergesehene übrig, nicht nur für Pflege.
3. Immobilie oder Erbmasse als Reserve. Wer Wohneigentum hat, kann es im Pflegefall verkaufen oder beleihen. Das ist der Grund, warum viele Haushalte mit weniger Depotpuffer auskommen. Rechne diese Reserve aber nicht doppelt: Wenn sie fest fürs Erbe eingeplant ist, steht sie für Pflege nicht zur Verfügung.
Rechne deinen eigenen Fall
Setze im Entnahmeplan-Rechner einfach dein Depot abzüglich des Pflegepuffers ein und vergleiche die monatliche Entnahme mit und ohne Rückstellung. Die Pleitewahrscheinlichkeit siehst du direkt daneben, damit du siehst, was der Puffer wirklich bringt.
Häufige Fragen
Wie viel Kapital muss ich für Pflegekosten zurücklegen?
Das hängt an zwei Zahlen: dem monatlichen Zusatzbedarf und der Dauer. Für 1.500 Euro zusätzlich über 5 Jahre braucht es im Moment des Pflegefalls rund 82.573 Euro in heutiger Kaufkraft, bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation. Tritt der Fall erst in 20 Jahren ein und bleibt das Geld bis dahin investiert, reichen dafür heute rund 46.244 Euro.
Was kostet ein Pflegepuffer an monatlicher Entnahme?
Bei 400.000 Euro Depot, 30 Jahren Planung, 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind ohne Rückstellung 1.688 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft möglich. Je 25.000 Euro Rückstellung kosten rund 105 Euro im Monat. Ein Puffer von 46.244 Euro drückt die Entnahme auf 1.493 Euro, also rund 195 Euro weniger.
Was passiert, wenn ich Pflegekosten nicht einplane?
Der Plan bricht mitten im Verlauf ein. Beispiel: Nach 20 Jahren stehen im Musterplan noch 173.281 Euro in heutiger Kaufkraft im Depot. Werden davon 82.573 Euro für fünf Pflegejahre entnommen, reicht der Rest bei unveränderter Entnahme nur noch 4,9 statt 10 Jahre. Wer die vollen 10 Jahre schaffen will, muss die Entnahme auf rund 883 Euro im Monat senken.