Ratgeber Entnahmeplan

Entnahmerechner im Vergleich: die 5 Kriterien, die über dein Ergebnis entscheiden

Zwei Rechner, dieselben Eingaben, 769 Euro Unterschied im Monat. Woran das liegt und welche fünf Punkte ein Entnahmerechner können muss, damit die Zahl trägt.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Entnahmerechner unterscheiden sich an fünf Punkten, und jeder davon senkt die mögliche Entnahme. Für 400.000 Euro über 30 Jahre bei 6 Prozent Rendite nennt ein rein statischer Rechner 2.422 Euro im Monat. Mit 2 Prozent Inflation bleiben 1.909 Euro in heutiger Kaufkraft, nach 0,5 Prozent Produktkosten 1.797 Euro und nach Steuer auf den Gewinnanteil 1.653 Euro netto. Rechnest du zusätzlich mit schwankenden Renditen statt mit einem festen Zins, fällt die Zahl noch einmal deutlich: Bei 1.909 Euro Entnahme scheitern rund 66 von 100 simulierten Verläufen vor dem 30. Jahr.

Warum dieselbe Frage vier verschiedene Antworten hat

Die meisten kostenlosen Auszahlplan-Rechner beantworten die einfachste Variante der Frage: fester Zins, feste Entnahme, keine Kosten, keine Steuern, kein Risiko. Das ist nicht falsch gerechnet, es ist nur eine andere Frage als die, die du eigentlich stellst. Du willst wissen, wie viel du dir jeden Monat leisten kannst, netto, in heutiger Kaufkraft, ohne dass dir das Geld ausgeht. Diese Tabelle zeigt, was jede Schicht kostet.

Rechen-StufeEntnahme pro MonatWas hier dazukommt
1. Fester Zins, feste Entnahme2.422 EuroDie Standard-Antwort vieler Rechner. Kaufkraft dieser Rate im 30. Jahr: nur noch 1.337 Euro.
2. Plus 2 Prozent Inflation1.909 EuroEntnahme in heutiger Kaufkraft, die nominale Rate steigt jedes Jahr mit. Realzins 3,92 Prozent.
3. Plus 0,5 Prozent Produktkosten1.797 EuroRendite nach Kosten 5,5 statt 6,0 Prozent. Bei 1,5 Prozent Kosten wären es nur noch 1.582 Euro.
4. Plus Steuer auf den Gewinnanteil1.653 Euro nettoRund 1.727 Euro Steuer im Jahr, effektiv 8,01 Prozent auf die Entnahme.

Annahmen: 400.000 Euro Startkapital, 30 Jahre, 6 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Entnahme jeweils zum Jahresende. Steuer: 50 Prozent Gewinnanteil der verkauften Anteile, 30 Prozent Teilfreistellung Aktienfonds, 1.000 Euro Sparerpauschbetrag, keine Kirchensteuer.

Kriterium 1: Rechnet er die Inflation ein?

Das ist der größte Einzelposten und zugleich der, den man am leichtesten übersieht. Eine feste Rate von 2.422 Euro klingt 30 Jahre lang gleich, ist am Ende aber nur noch 1.337 Euro wert, also 44,8 Prozent weniger. Ein Rechner mit dynamischer Entnahme hält die Kaufkraft konstant und nennt dafür ehrlich die kleinere Startrate: 1.909 Euro real, im ersten Jahr nominal ausgezahlt als 1.948 Euro im Monat. Den kompletten Vergleich beider Wege haben wir im Artikel zu dynamischer und fester Entnahme aufgeschrieben.

Kriterium 2: Kennt er Kosten?

Ein halber Prozentpunkt laufende Kosten klingt nach nichts und kostet in diesem Beispiel 112 Euro Entnahme im Monat, über 30 Jahre also rund 40.000 Euro Kaufkraft. Bei 1,5 Prozent Gesamtkosten, wie sie bei manchen verwalteten Auszahlplänen zusammenkommen, sinkt die mögliche Entnahme von 1.909 auf 1.582 Euro. Rechner, die nur ein Feld für die Rendite haben, verlangen implizit, dass du die Kosten selbst abziehst. Mehr dazu im Artikel Auszahlplan bei der Bank oder selbst gemacht.

Kriterium 3: Rechnet er Steuern, und zwar richtig?

Hier machen Rechner zwei entgegengesetzte Fehler. Die einen ignorieren Steuern komplett, die anderen ziehen pauschal 26,375 Prozent von der ganzen Entnahme ab. Beides ist falsch: Besteuert wird nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, davon sind bei Aktienfonds 30 Prozent teilfreigestellt, und der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro bleibt ohnehin frei. In unserem Beispiel ergibt das 1.727 Euro Steuer im Jahr, also effektiv 8,01 Prozent auf die Entnahme, nicht 26,375 Prozent. Ein guter Rechner kennt zusätzlich die Vorabpauschale: Auf 400.000 Euro Fondsvermögen ergibt sie beim Basiszins 2026 von 3,20 Prozent einen Basisertrag von 8.960 Euro, davon nach Teilfreistellung 6.272 Euro steuerpflichtig, was den Sparerpauschbetrag allein schon aufbraucht.

Kriterium 4: Zeigt er ein Risiko oder nur einen Durchschnitt?

Das ist der Punkt, an dem sich statische Rechner am deutlichsten von der Wirklichkeit entfernen. Alle Zahlen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt 6 Prozent beträgt. Ein Aktiendepot schwankt aber, und in der Entnahmephase entscheidet die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre mit. Die Monte-Carlo-Simulation mit 3.000 Verläufen (Erwartungswert 6 Prozent, Schwankung 15 Prozent) zeigt für dieselben 400.000 Euro ein anderes Bild.

Akzeptiertes PleiterisikoMögliche Entnahme pro MonatEntnahmequote im ersten Jahr
5 Prozent739 Euro2,22 Prozent
10 Prozent885 Euro2,66 Prozent
20 Prozent1.109 Euro3,33 Prozent
30 Prozent1.263 Euro3,79 Prozent
50 Prozent1.600 Euro4,80 Prozent
66 Prozent (die reine Durchschnittsrechnung)1.909 Euro5,73 Prozent

400.000 Euro, 30 Jahre, Entnahme inflationsangepasst, 3.000 simulierte Verläufe, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen mit Erwartungswert 6 Prozent und Volatilität 15 Prozent, vor Steuern.

Die letzte Zeile ist die entscheidende: Genau der Betrag, den die Durchschnittsrechnung als sicher ausweist, geht in rund zwei von drei Verläufen vorzeitig schief. Das ist kein Rechenfehler des einen oder anderen Tools, sondern der Unterschied zwischen einem Mittelwert und einer Wahrscheinlichkeit. Was die Zahl aussagt und was nicht, steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation für den Ruhestand.

Kriterium 5: Legt er die Annahmen und den Verlauf offen?

Ein Ergebnis ohne Jahrestabelle ist nicht überprüfbar. Brauchbar ist ein Rechner erst, wenn du sehen kannst, wie hoch die Entnahme in Jahr 1 und in Jahr 25 ausfällt, wie viel Kapital dann noch da ist, und ob nachschüssig oder vorschüssig gerechnet wurde. Dieser eine Schalter macht in unserem Beispiel schon 137 Euro im Monat aus (2.422 gegen 2.285 Euro). Wer die Annahmen nicht findet, kann das Ergebnis auch nicht einordnen.

Was unser Rechner kann und was nicht

Der Entnahmeplan-Rechner deckt alle fünf Punkte ab: dynamische Entnahme mit Ergebnis nominal und real, Kosten über die Renditeeingabe, ein Steuermodul mit Gewinnanteil, Teilfreistellung, Sparerpauschbetrag und Vorabpauschale, eine Monte-Carlo-Simulation mit Pleitewahrscheinlichkeit und Restkapital-Perzentilen sowie eine vollständige Jahrestabelle.

Ebenso ehrlich gehören die Grenzen dazu: Die Simulation zieht normalverteilte Jahresrenditen, echte Börsenjahre haben dickere Ränder und Abhängigkeiten zwischen den Jahren. Die Vorabpauschale ist eine Näherung ohne unterjährige Käufe und Ausschüttungen. Rentenzahlungen, Mieteinnahmen und einmalige Ausgaben modellierst du über die Entnahmehöhe selbst. Und die wichtigste Grenze gilt für jeden Rechner: Die künftige Rendite kennt keiner. Nützlich sind diese Zahlen nicht als Prognose, sondern als Empfindlichkeitstest. Sie zeigen, wie stark dein Plan auf jede einzelne Annahme reagiert.

Rechne deinen eigenen Fall

Andere Summe, andere Dauer, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inflationsangepasst, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen.

Häufige Fragen

Warum zeigt jeder Entnahmerechner ein anderes Ergebnis?

Weil die Rechner unterschiedlich viele Abzüge einrechnen. Für 400.000 Euro über 30 Jahre bei 6 Prozent Rendite nennt ein rein statischer Rechner 2.422 Euro im Monat. Mit 2 Prozent Inflation sind es noch 1.909 Euro in heutiger Kaufkraft, nach 0,5 Prozent Produktkosten 1.797 Euro und nach Steuer auf den Gewinnanteil 1.653 Euro netto. Alle vier Zahlen sind rechnerisch korrekt, sie beantworten nur verschiedene Fragen.

Welcher Entnahmerechner ist der beste?

Der, der die Annahmen offenlegt und die Inflation einrechnet. Fünf Kriterien entscheiden: dynamische statt fester Entnahme, Kosten, Steuern auf den Gewinnanteil, ein Risikomaß statt einer reinen Durchschnittsrechnung und eine sichtbare Jahrestabelle. Fehlt eines davon, fällt das Ergebnis systematisch zu optimistisch aus.

Was kann ein Entnahmerechner grundsätzlich nicht?

Er kennt weder die künftige Rendite noch die künftige Inflation, deine Lebenserwartung oder Steueränderungen. Auch eine Monte-Carlo-Simulation zieht ihre Renditen aus einer Normalverteilung und unterschätzt damit echte Extremjahre. Ein Entnahmerechner ordnet Größenordnungen ein und zeigt, wie empfindlich der Plan auf einzelne Annahmen reagiert. Eine Prognose ist er nicht.