Kurzantwort: Eine Einmalausgabe von 30.000 Euro aus einem Depot von 400.000 Euro (5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, 30 Jahre Planungsdauer) kostet dich dauerhaft rund 127 Euro monatliche Entnahme, wenn du sie von Anfang an einplanst. Entscheidest du dich erst im 20. Planjahr dafür, kostet dieselbe Ausgabe 292 Euro im Monat. Der Preis auf dem Kassenzettel ist also nur die halbe Wahrheit: Entscheidend ist, auf wie viele Restjahre sich die Lücke verteilt.
Der Ausgangsplan
Alle Rechnungen auf dieser Seite gehen vom selben Basisfall aus: 400.000 Euro Depot, 5 Prozent erwartete Rendite, 2 Prozent Inflation, 30 Jahre Planungsdauer. Daraus ergibt sich eine dauerhafte Entnahme von 1.687,74 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Die Entnahme steigt nominal jedes Jahr mit der Inflation, damit der Lebensstandard gleich bleibt. Gerechnet wird über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1, hier also 2,94 Prozent.
Zur Einordnung: 30.000 Euro entsprechen in diesem Plan rund 17,8 Monatsentnahmen. Das ist die ehrlichste erste Übersetzung einer großen Ausgabe, noch bevor irgendwer rechnet.
Was verschiedene Ausgabenhöhen dauerhaft kosten
Es gibt zwei saubere Wege, eine Einmalausgabe zu verkraften: Du kürzt die Entnahme für den Rest des Plans, oder du lässt die Entnahme stehen und akzeptierst, dass der Plan früher endet. Beides zeigt diese Tabelle:
| Einmalausgabe | Neue Entnahme pro Monat | Verlust pro Monat | Reichweite statt 30 Jahren | Verlorene Jahre |
|---|---|---|---|---|
| 10.000 Euro | 1.645,54 Euro | 42,19 Euro | 28,8 Jahre | 1,2 Jahre |
| 20.000 Euro | 1.603,35 Euro | 84,39 Euro | 27,7 Jahre | 2,3 Jahre |
| 30.000 Euro | 1.561,16 Euro | 126,58 Euro | 26,6 Jahre | 3,4 Jahre |
| 50.000 Euro | 1.476,77 Euro | 210,97 Euro | 24,5 Jahre | 5,5 Jahre |
| 80.000 Euro | 1.350,19 Euro | 337,55 Euro | 21,6 Jahre | 8,4 Jahre |
Ausgabe zu Planbeginn, Entnahme in heutiger Kaufkraft, vor Steuern. Spalte 2 und 3: Entnahme wird gekürzt, Dauer bleibt 30 Jahre. Spalte 4 und 5: Entnahme bleibt bei 1.687,74 Euro, die Reichweite sinkt.
Die Kürzung wächst linear mit der Ausgabe, der Verlust an Planjahren dagegen überproportional. Grund: Die letzten Planjahre werden fast vollständig aus Substanz bezahlt, während in den frühen Jahren noch viel Kapital arbeitet. Wer 80.000 Euro entnimmt, also 20 Prozent des Depots, verliert nicht 6, sondern 8,4 Jahre.
Der Zeitpunkt kostet mehr als der Betrag
Jetzt der eigentlich interessante Teil. Dieselben 30.000 Euro in heutiger Kaufkraft, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit einem entscheidenden Unterschied: einmal von Anfang an eingeplant, einmal spontan entschieden.
| Ausgabe im Planjahr | Von Beginn an eingeplant: Verlust pro Monat | Spontan entschieden: Verlust pro Monat |
|---|---|---|
| sofort | 126,58 Euro | 126,58 Euro |
| nach 5 Jahren | 109,50 Euro | 142,63 Euro |
| nach 10 Jahren | 94,73 Euro | 167,13 Euro |
| nach 15 Jahren | 81,95 Euro | 208,53 Euro |
| nach 20 Jahren | 70,89 Euro | 292,20 Euro |
Links: Die Ausgabe steht von Tag eins im Plan, die Kürzung verteilt sich auf alle 30 Jahre, und bis zum Ausgabezeitpunkt arbeitet das Geld weiter. Rechts: Der Plan lief unverändert, die Ausgabe wird aus dem dann vorhandenen Restkapital bezahlt und muss auf die verbleibenden Jahre umgelegt werden.
Die beiden Spalten laufen auseinander wie eine Schere. Wer weiß, dass in zehn Jahren ein neues Auto fällig wird, und das von Beginn an einrechnet, zahlt dafür 94,73 Euro im Monat. Wer im zehnten Jahr spontan entscheidet, zahlt 167,13 Euro, also 76 Prozent mehr für exakt denselben Wagen. Im 20. Planjahr ist der Unterschied noch krasser: 70,89 gegen 292,20 Euro.
Das ist kein Zinseszins-Trick, sondern schlichte Verteilung: Eine spontane Ausgabe im Jahr 20 muss aus einem Restkapital von real rund 173.000 Euro bezahlt und auf nur noch 10 Jahre umgelegt werden. Deshalb gehören planbare Großausgaben in den Plan, bevor der Plan startet. Wie du auf laufende Abweichungen reagierst, steht im Artikel zum Nachjustieren des Entnahmeplans.
Was mit dem Pleiterisiko passiert
Die Tabellen oben rechnen mit einer konstanten Rendite. Ein echtes Depot schwankt, und dann entscheidet auch die Reihenfolge der Jahre mit. Für die Monte-Carlo-Simulation nehmen wir einen etwas defensiveren Fall: 400.000 Euro, 1.200 Euro Monatsentnahme in heutiger Kaufkraft, 5 Prozent Renditeerwartung, 15 Prozent Schwankung, 30 Jahre, 3.000 simulierte Verläufe.
| Einmalausgabe zu Beginn | Pleitewahrscheinlichkeit über 30 Jahre | Restkapital Median (nominal) |
|---|---|---|
| keine | 36,4 Prozent | 152.306 Euro |
| 10.000 Euro | 39,4 Prozent | 135.327 Euro |
| 30.000 Euro | 44,8 Prozent | 66.636 Euro |
| 50.000 Euro | 48,8 Prozent | 15.586 Euro |
| 80.000 Euro | 55,8 Prozent | 0 Euro |
Monte-Carlo mit normalverteilten Jahresrenditen, Entnahme unverändert bei 1.200 Euro im Monat, Seed 42. Restkapital nominal am Ende von Jahr 30.
7,5 Prozent weniger Kapital (die 30.000 Euro) heben das Risiko um 8,4 Prozentpunkte und lassen vom medianen Restkapital nur noch gut 40 Prozent übrig. Das klingt hart, hat aber einen einfachen Ausweg.
Der saubere Ausweg: Entnahme im gleichen Verhältnis kürzen
Wer nach der Ausgabe die Entnahme proportional anpasst, ändert am Risiko exakt gar nichts. 30.000 Euro sind 7,5 Prozent von 400.000 Euro, also wird auch die Entnahme um 7,5 Prozent gekürzt: von 1.200 auf 1.110 Euro im Monat. Ergebnis der Simulation: Pleitewahrscheinlichkeit weiterhin 36,4 Prozent, medianes Restkapital 140.883 statt 152.306 Euro.
Das ist kein Zufall, sondern eine Eigenschaft des Modells: Kapital und Entnahme im selben Verhältnis zu skalieren, ergibt exakt dieselben Verläufe, nur kleiner. Die Ausgabe wird damit aus dem Budget bezahlt, nicht aus der Sicherheit. Wer die Entnahme dagegen stehen lässt, bezahlt sie mit Risiko, und das ist der teurere Weg. Die umgekehrte Richtung, also einen unerwarteten Geldzufluss, rechnen wir im Artikel zur Erbschaft mitten im Entnahmeplan durch.
Die Steuer auf die Sonderentnahme
30.000 Euro, die auf dem Konto ankommen sollen, sind nicht 30.000 Euro, die aus dem Depot verkauft werden. Besteuert wird der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung, mit 26,375 Prozent (Kapitalertragsteuer plus Soli).
| Gewinnanteil im Depot | Nötiger Bruttoverkauf für 30.000 Euro netto | Steuer | Effektiv auf die Entnahme |
|---|---|---|---|
| 30 Prozent | 31.759 Euro | 1.759 Euro | 5,54 Prozent |
| 50 Prozent | 33.051 Euro | 3.051 Euro | 9,23 Prozent |
| 70 Prozent | 34.453 Euro | 4.453 Euro | 12,92 Prozent |
Ohne Sparerpauschbetrag gerechnet, weil der bei einer laufenden Entnahme in der Regel schon durch die reguläre Entnahme und die Vorabpauschale verbraucht ist. Kirchensteuer nicht berücksichtigt.
Ein Auto für 30.000 Euro kostet bei 50 Prozent Gewinnanteil also rund 33.051 Euro Depotsubstanz. Rechne diesen Aufschlag in die Ausgabe ein, sonst kürzt du die Entnahme zu knapp. Details zur Systematik stehen im Artikel Entnahmeplan und Steuern.
Was das praktisch heißt
- Planbare Großausgaben (Auto alle zehn Jahre, Dach, Heizung) gehören von Anfang an in den Plan, nicht in die Rubrik "wird sich schon finden".
- Rechne jede Ausgabe in Monatsentnahmen um. 30.000 Euro sind hier 17,8 Monate deines Budgets.
- Nach einer Ausgabe die Entnahme im gleichen Verhältnis kürzen, dann bleibt das Risiko unverändert.
- Steueraufschlag auf die Bruttoentnahme nicht vergessen, bei mittlerem Gewinnanteil rund 10 Prozent.
- Ein Cash-Puffer für Anschaffungen erspart den Verkauf im falschen Moment, siehe Cash-Puffer im Entnahmeplan.
Rechne deinen eigenen Fall
Anderes Kapital, andere Rendite, andere Ausgabe: Der Entnahmeplan-Rechner zeigt dir die Entnahme mit und ohne die geplante Anschaffung, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit und Steuern. Am einfachsten: einmal mit vollem Kapital rechnen, einmal mit dem um die Ausgabe verminderten Kapital, und die Differenz ist dein monatlicher Preis.
Häufige Fragen
Was kostet eine Einmalausgabe von 30.000 Euro im Entnahmeplan?
Bei 400.000 Euro Kapital, 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation und 30 Jahren Planungsdauer sinkt die dauerhafte Entnahme von 1.687,74 auf 1.561,16 Euro im Monat, also um rund 127 Euro in heutiger Kaufkraft. Wer die Entnahme stattdessen unverändert lässt, verliert 3,4 Planjahre: Das Kapital reicht rechnerisch nur noch 26,6 statt 30 Jahre.
Warum kostet eine späte Ausgabe mehr als eine früh eingeplante?
Weil sich die Kürzung auf weniger Restjahre verteilt. Wer die 30.000 Euro von Beginn an einplant, verteilt sie auf 30 Jahre und zahlt 126,58 Euro im Monat. Wer erst im 20. Planjahr spontan entscheidet, muss dieselbe Summe aus dem Restkapital für nur noch 10 Jahre finanzieren und verliert 292,20 Euro im Monat. Der Betrag ist identisch, der Zeitpunkt der Entscheidung macht den Unterschied.
Steigt durch eine große Ausgabe mein Pleiterisiko?
Nur wenn du die Entnahme unverändert lässt. In der Monte-Carlo-Simulation mit 400.000 Euro, 1.200 Euro Monatsentnahme, 5 Prozent Renditeerwartung und 15 Prozent Schwankung steigt die Pleitewahrscheinlichkeit über 30 Jahre von 36,4 auf 44,8 Prozent. Kürzt du die Entnahme im gleichen Verhältnis um 90 Euro auf 1.110 Euro, bleibt das Risiko exakt bei 36,4 Prozent.