Kurzantwort: Für 2.000 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft über 45 Jahre braucht es bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation rund 504.000 Euro, bei 5 Prozent rund 595.000 Euro und bei 4 Prozent rund 713.000 Euro. Das Überraschende daran: Der Sprung von 40 auf 45 Planjahre kostet bei 6 Prozent nur rund 4,8 Prozent mehr Kapital. Und ein Plan, der gar nicht mehr endet, kostet nur etwa 22 Prozent mehr als der über 45 Jahre. Wer mit 50 aufhört, sollte deshalb nicht über die Laufzeit diskutieren, sondern über die Entnahmerate: Über 45 Jahre scheitert selbst eine Entnahme von 3 Prozent in rund 33 von 100 simulierten Verläufen.
45 Jahre sind fast schon eine ewige Rente
Bei kurzen Horizonten macht jedes zusätzliche Planjahr richtig Arbeit. Bei langen kaum noch, weil die Entnahme im Jahr 44 über den Realzins so stark abgezinst wird, dass sie im Kapitalbedarf fast verschwindet. Die Tabelle zeigt, was 2.000 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft je nach Laufzeit kosten, bei 2 Prozent Inflation:
| Geplante Dauer | 4 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 30 Jahre | 540.425 Euro | 474.008 Euro | 418.990 Euro |
| 35 Jahre | 603.673 Euro | 520.151 Euro | 452.760 Euro |
| 40 Jahre | 661.070 Euro | 560.068 Euro | 480.622 Euro |
| 45 Jahre | 713.155 Euro | 594.599 Euro | 503.609 Euro |
| 50 Jahre | 760.422 Euro | 624.471 Euro | 522.573 Euro |
| ewig (Kapital bleibt erhalten) | 1.224.000 Euro | 816.000 Euro | 612.000 Euro |
Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern und Kosten. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.
Die letzten fünf Planjahre kosten wenig, die Unendlichkeit erstaunlich wenig
Aus der Tabelle folgen zwei Zahlen, die eine Entscheidung mit 50 stärker prägen als jede Renditeprognose:
- Von 40 auf 45 Jahre: plus 4,8 Prozent Kapital bei 6 Prozent Rendite, plus 6,2 Prozent bei 5 Prozent, plus 7,9 Prozent bei 4 Prozent. Fünf zusätzliche Planjahre sind fast geschenkt.
- Von 45 Jahren auf unbegrenzt: plus 21,5 Prozent bei 6 Prozent Rendite, plus 37,2 Prozent bei 5 Prozent, plus 71,6 Prozent bei 4 Prozent. Bei einer optimistischen Renditeannahme ist die ewige Rente also nur ein knappes Viertel teurer, bei einer vorsichtigen wird sie richtig teuer.
Wer mit 50 aufhört und ohnehin nahe an der ewigen Rente plant, sollte den Rest bewusst überspringen und gleich auf Kapitalerhalt rechnen. Dann endet der Plan nie, das Restkapital steht als Puffer für Pflege oder Erbe bereit, und die Frage nach der Lebenserwartung wird irrelevant. Der Unterschied zwischen beiden Strategien steht ausführlich im Artikel Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.
Die sichere Entnahmerate über 45 Jahre
Umgekehrt gefragt: Welchen Anteil des Startkapitals darf man pro Jahr entnehmen, wenn die Entnahme mit der Inflation mitwachsen soll? Die Spalte ganz rechts ist der reale Ertrag, also die Rate, bei der das Kapital gar nicht schrumpft.
| Rendite (nominal) | 30 Jahre | 40 Jahre | 45 Jahre | 50 Jahre | ewig |
|---|---|---|---|---|---|
| 3 Prozent | 3,86 % | 3,03 % | 2,76 % | 2,54 % | 0,98 % |
| 4 Prozent | 4,44 % | 3,63 % | 3,37 % | 3,16 % | 1,96 % |
| 5 Prozent | 5,06 % | 4,29 % | 4,04 % | 3,84 % | 2,94 % |
| 6 Prozent | 5,73 % | 4,99 % | 4,77 % | 4,59 % | 3,92 % |
| 7 Prozent | 6,43 % | 5,75 % | 5,55 % | 5,39 % | 4,90 % |
Jeweils die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft, in Prozent des Startkapitals, bei 2 Prozent Inflation und exakt gleichbleibender Rendite.
Zwischen 45 Jahren und unbegrenzt liegen bei 6 Prozent Rendite nur 0,85 Prozentpunkte (4,77 gegen 3,92 Prozent). Das ist die eigentliche Botschaft für alle, die sehr früh aufhören: Der Verzicht auf den Kapitalverzehr kostet weniger monatliches Budget, als die meisten vermuten.
Was aus einem konkreten Depot wird
Dieselbe Rechnung in Euro, für einen Plan über 45 Jahre bei 2 Prozent Inflation:
| Startkapital | 4 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 300.000 Euro | 841 Euro/Monat | 1.009 Euro/Monat | 1.191 Euro/Monat |
| 500.000 Euro | 1.402 Euro/Monat | 1.682 Euro/Monat | 1.986 Euro/Monat |
| 750.000 Euro | 2.103 Euro/Monat | 2.523 Euro/Monat | 2.979 Euro/Monat |
| 1.000.000 Euro | 2.804 Euro/Monat | 3.364 Euro/Monat | 3.971 Euro/Monat |
Entnahme in heutiger Kaufkraft, nominal wächst sie jährlich mit 2 Prozent. Vor Steuern und Kosten.
Der Kapitalbedarf konvergiert, das Risiko nicht
Alle Tabellen oben unterstellen eine Rendite, die jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein Aktiendepot schwankt aber, und über 45 Jahre gibt es sehr viele Gelegenheiten, in der falschen Reihenfolge erwischt zu werden. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht dafür 3.000 Verläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite und 15 Prozent Schwankung, bei 2 Prozent Inflation:
| Entnahmerate (real, pro Jahr) | bei 500.000 Euro | 30 Jahre | 40 Jahre | 45 Jahre |
|---|---|---|---|---|
| 2,5 Prozent | 1.042 Euro/Monat | 8,9 % | 17,2 % | 22,1 % |
| 3,0 Prozent | 1.250 Euro/Monat | 15,1 % | 27,8 % | 32,5 % |
| 3,5 Prozent | 1.458 Euro/Monat | 24,0 % | 38,5 % | 44,1 % |
| 4,0 Prozent | 1.667 Euro/Monat | 34,1 % | 49,9 % | 55,2 % |
| 4,77 Prozent | 1.988 Euro/Monat | 49,6 % | 63,7 % | 68,3 % |
Pleitewahrscheinlichkeit, also der Anteil der Verläufe, in denen das Kapital vor Ende der Zieldauer erschöpft ist. 3.000 Pfade, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen. Kein Nachsteuern der Entnahme unterstellt.
Der Kontrast ist der Kern dieses Artikels: Beim Kapitalbedarf machen die letzten fünf Jahre nur 4,8 Prozent aus, beim Risiko fast fünf Prozentpunkte (17,2 gegen 22,1 Prozent). Und die 4,77 Prozent, die die Durchschnittsrechnung als "sicher" ausweist, scheitern in 68 von 100 Verläufen. Wer mit 50 aufhört, plant deshalb sinnvollerweise mit einer Rate im Bereich von 2,5 bis 3 Prozent und der Bereitschaft, in schlechten Jahren zu kürzen. Wie viel das bringt, steht im Artikel zur flexiblen Entnahme mit Leitplanken.
Zwei Posten, die in der Modellrechnung fehlen
Die gesetzliche Rente ab 67. Zwischen 50 und 67 liegen 17 Jahre, in denen das Depot alles allein trägt. Danach übernimmt die gesetzliche Rente einen Teil, und der Entnahmeplan darf entsprechend schrumpfen. Das ist keine Feinheit, sondern der größte einzelne Hebel: Rechne den Plan besser in zwei Töpfen, so wie im Artikel Entnahmeplan und gesetzliche Rente kombinieren beschrieben. Beachte dabei, dass ein früher Ausstieg auch die spätere Rentenhöhe drückt, weil keine Beitragsjahre mehr dazukommen. Ebenfalls einzuplanen: die Krankenversicherung, die als Privatier ohne Arbeitgeberanteil komplett selbst zu tragen ist.
Die Steuer auf die Entnahme. Besteuert wird nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag. Bei 1.986 Euro Bruttoentnahme im Monat (23.832 Euro im Jahr) und einem Gewinnanteil von 50 Prozent bleiben 1.825 Euro netto, die effektive Belastung liegt bei 8,1 Prozent. Bei 30 Prozent Gewinnanteil sind es nur 4,4 Prozent (1.898 Euro netto), bei 70 Prozent 11,8 Prozent (1.751 Euro netto). Wer netto 2.000 Euro braucht, muss bei 50 Prozent Gewinnanteil rund 2.179 Euro brutto entnehmen, also knapp 9 Prozent mehr Kapital einplanen. Über 45 Jahre steigt der Gewinnanteil außerdem laufend an, weil zuerst die ältesten und günstigsten Anteile verkauft werden.
Rechne deinen eigenen Fall
Anderes Kapital, andere Renditeannahme, anderer Horizont: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, mit inflationsangepasster Entnahme, Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Perzentilen und Steuermodul. Wer nicht mit 50, sondern etwas später aussteigen will, findet die Zahlen dafür im Artikel Mit 55 in Rente.
Häufige Fragen
Wie viel Kapital brauche ich, um mit 50 in Rente zu gehen?
Für 2.000 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft über 45 Jahre rund 504.000 Euro bei 6 Prozent Rendite, rund 595.000 Euro bei 5 Prozent und rund 713.000 Euro bei 4 Prozent, jeweils bei 2 Prozent Inflation. Soll das Kapital nie aufgebraucht werden, sind es bei 6 Prozent rund 612.000 Euro, also nur etwa 22 Prozent mehr.
Wie hoch ist die sichere Entnahmerate über 45 Jahre?
In der Durchschnittsrechnung 4,77 Prozent bei 6 Prozent Rendite, 4,04 Prozent bei 5 Prozent und 3,37 Prozent bei 4 Prozent, jeweils real und bei 2 Prozent Inflation. Mit Schwankungen fällt das Urteil deutlich strenger aus: Über 45 Jahre scheitert eine Rate von 3 Prozent in rund 33 von 100 simulierten Verläufen, eine Rate von 4,77 Prozent in 68 von 100.
Warum kosten 45 Planjahre kaum mehr als 40?
Weil die späten Entnahmen über den Realzins stark abgezinst werden und im Kapitalbedarf kaum noch ins Gewicht fallen. Der Sprung von 40 auf 45 Jahre kostet bei 6 Prozent Rendite nur 4,8 Prozent mehr Kapital, bei 4 Prozent 7,9 Prozent. Je länger der Horizont, desto näher rückt der Bedarf an die ewige Rente heran, die allein vom realen Ertrag lebt.