Ratgeber Entnahmeplan

Monatlich oder jährlich entnehmen: Was ist besser?

Wer einmal im Jahr das ganze Budget entnimmt, verschenkt Zinsen. Wer zwölfmal verkauft, zahlt zwölfmal Gebühren. Hier stehen beide Effekte in Euro nebeneinander.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Monatlich entnehmen ist besser als das ganze Jahresbudget im Januar zu holen, weil das Geld im Schnitt fünfeinhalb Monate länger investiert bleibt. Bei 300.000 Euro Depot, 5 Prozent Rendite und 30 Jahren Laufzeit sind monatlich 1.246 Euro tragbar statt 1.230 Euro bei jährlicher Vorabentnahme, also rund 1,3 Prozent mehr. In Euro sind das etwa 347 Euro Depotwert pro Jahr. Gegen elf zusätzliche Orders zu je 1 Euro gerechnet bleibt der Vorteil klar bestehen, bei 10 Euro je Order und kleinem Depot kippt die Rechnung Richtung Quartalsentnahme.

Drei Rhythmen, drei Ergebnisse

Rechnerisch gibt es drei Varianten, und sie unterscheiden sich nur darin, wie lange dein Geld im Depot arbeitet:

Die folgende Tabelle zeigt, wie viel du je Variante monatlich entnehmen kannst, wenn 300.000 Euro genau 30 Jahre reichen sollen. Alle Beträge sind in heutiger Kaufkraft, die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent Inflation.

RenditeJährlich im VorausMonatlichJährlich am JahresendeVorteil monatlich
3 Prozent956,55 Euro960,84 Euro965,93 Euro+0,45 Prozent
5 Prozent1.229,64 Euro1.246,04 Euro1.265,80 Euro+1,33 Prozent
7 Prozent1.533,01 Euro1.566,86 Euro1.608,16 Euro+2,21 Prozent

Kapital 300.000 Euro, Laufzeit 30 Jahre, Inflation 2 Prozent, vor Steuern und Kosten. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1, monatlich mit dem daraus abgeleiteten Monatszins. "Vorteil monatlich" ist der Abstand zur jährlichen Vorabentnahme.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Der Abstand ist klein, aber er wächst mit der Rendite. Bei 3 Prozent geht es um gut 4 Euro im Monat, bei 7 Prozent um knapp 34 Euro. Zweitens: Die Zahl, die dein Rechner ausspuckt, hängt davon ab, welche Variante er unterstellt. Wer die 1.265,80 Euro aus der letzten Spalte im Januar entnimmt, entnimmt in Wahrheit zu viel.

Wie viel länger reicht das Geld?

Die zweite Sicht auf denselben Effekt: Entnahmehöhe fest, Reichweite variabel. Hier werden aus 300.000 Euro jeweils 1.250 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft entnommen.

RenditeJährlich im VorausMonatlichJährlich am JahresendeGewinn durch monatlich
3 Prozent22,1 Jahre22,2 Jahre22,4 Jahre1,3 Monate
4 Prozent25,0 Jahre25,3 Jahre25,6 Jahre3,5 Monate
5 Prozent29,2 Jahre29,8 Jahre30,6 Jahre7,4 Monate
6 Prozent36,5 Jahre38,0 Jahre39,9 Jahre17,5 Monate

Kapital 300.000 Euro, Entnahme 15.000 Euro pro Jahr in heutiger Kaufkraft, Inflation 2 Prozent, vor Steuern und Kosten.

Der Sprung bei 6 Prozent täuscht: Dort nähert sich die Entnahme dem realen Ertrag des Depots an, und in dieser Zone reagiert die Reichweite extrem empfindlich auf jede Kleinigkeit. Wer nahe an der Grenze zwischen Kapitalverzehr und Kapitalerhalt plant, sollte sich auf keine dieser Nachkommastellen verlassen.

Der Zinsvorteil in Euro, gegen die Ordergebühren gerechnet

Prozentangaben helfen beim Vergleich, aber die Entscheidung fällt in Euro. Diese Tabelle zeigt, um wie viel höher der Depotwert nach einem Jahr steht, wenn du monatlich statt einmal im Januar entnimmst. Zusätzlich steht daneben, was der Quartalsrhythmus davon einsammelt.

DepotJahresentnahmeVorteil monatlichVorteil quartalsweiseKosten bei 1 Euro je Order
100.000 Euro5.000 Euro115,59 Euro94,70 Euro11 Euro
200.000 Euro10.000 Euro231,19 Euro189,41 Euro11 Euro
300.000 Euro15.000 Euro346,78 Euro284,11 Euro11 Euro
500.000 Euro24.000 Euro554,84 Euro454,57 Euro11 Euro

Erstes Jahr, 5 Prozent Rendite, Vergleich gegen die vollständige Entnahme zu Jahresbeginn. Die Gebührenspalte ist eine Annahme zur Einordnung: elf zusätzliche Verkäufe gegenüber einem einzigen, zu einem angenommenen Preis von 1 Euro je Order. Prüfe die tatsächlichen Konditionen deines Brokers.

Damit ist die Rechnung in den meisten Fällen entschieden. Bei günstigen Ordergebühren bleibt vom Zinsvorteil fast alles übrig. Kritisch wird es nur bei der Kombination aus kleinem Depot und teurem Broker: 11 Verkäufe zu je 10 Euro kosten 110 Euro und fressen bei 100.000 Euro Depot den Vorteil von rund 116 Euro praktisch komplett auf. Dann ist der Quartalsrhythmus die bessere Wahl, er holt bei 300.000 Euro immerhin 284 der 347 Euro und braucht nur drei zusätzliche Orders. Auch bei der maximalen Entnahme liegt das Quartal fast gleichauf: 1.243,04 Euro monatlich gegenüber 1.246,04 Euro bei monatlichem Verkauf und 1.229,64 Euro bei jährlicher Vorabentnahme.

Was der Rhythmus fürs Risiko bedeutet: fast nichts

Bleibt die Frage, ob die höhere Entnahme des monatlichen Rhythmus auch mehr Risiko bedeutet. Wir haben die drei Entnahmehöhen aus dem 6-Prozent-Fall in dieselbe Monte-Carlo-Simulation gegeben, um zu sehen, wie viel Risiko in der Betragsdifferenz steckt (300.000 Euro, 30 Jahre, erwartete Rendite 6 Prozent, Schwankung 15 Prozent, 3.000 Verläufe, Seed 42, Inflation 2 Prozent):

VarianteEntnahme pro MonatPleitewahrscheinlichkeit
Jährlich im Voraus1.377,98 Euro61,5 Prozent
Monatlich1.402,40 Euro62,7 Prozent
Jährlich am Jahresende1.432,02 Euro66,4 Prozent
Monatlich, aber nur 5 Prozent Rendite1.402,40 Euro74,4 Prozent

Die Entnahmen sind jeweils so gewählt, dass das Kapital im Durchschnittsfall exakt nach 30 Jahren aufgebraucht ist. Deshalb liegen alle Werte über 50 Prozent: Wer die Grenzentnahme wählt, scheitert bei schwankenden Renditen in mehr als der Hälfte der Verläufe. Simuliert wird durchgängig mit Entnahme am Jahresende, verglichen wird also die Wirkung der Betragshöhe.

Der Abstand zwischen jährlicher Vorabentnahme und monatlicher Entnahme beträgt 1,2 Prozentpunkte. Ein Prozentpunkt weniger Rendite kostet dagegen 11,7 Prozentpunkte. Das ist die eigentliche Botschaft: Der Entnahmerhythmus ist eine Feinjustierung, keine Strategiefrage. Wer sich lange über monatlich oder jährlich den Kopf zerbricht und dabei die Entnahmehöhe oder die Renditereihenfolge aus dem Blick verliert, optimiert an der falschen Stelle.

Die praktischen Argumente, die die Zahlen nicht zeigen

Für monatlich spricht der Alltag. Ein fester Betrag am Monatsanfang fühlt sich an wie ein Gehalt und macht das Budgetieren einfach. Wer einmal im Jahr 15.000 Euro auf dem Girokonto liegen hat, gibt erfahrungsgemäß leichter mehr aus. Viele Broker bieten dafür automatische Verkaufspläne an, die den Verkauf ohne eigenes Zutun ausführen.

Für jährlich spricht der Aufwand. Ein Verkauf pro Jahr ist ein Termin im Kalender statt zwölf. Und wer jährlich verkauft, kann den Zeitpunkt flexibler wählen, etwa erst nach einem schwachen Quartal warten. Genau das ist allerdings auch die Gefahr, denn aus Flexibilität wird schnell Markt-Timing.

An der Steuer ändert der Rhythmus wenig. Besteuert wird der Gewinnanteil der verkauften Anteile, und der ist bei zwölf kleinen Verkäufen im Schnitt derselbe wie bei einem großen. Was du steuern kannst, ist die Ausnutzung des Sparerpauschbetrags über das Jahr: Wer monatlich verkauft, verbraucht ihn gleichmäßig, wer im Januar alles verkauft, oft schon im ersten Quartal. Aufs Jahr gerechnet macht das keinen Unterschied. Details dazu stehen im Artikel zu Entnahmeplan und Steuern.

Die Empfehlung in einem Satz

Entnimm monatlich, wenn dein Broker günstige oder kostenlose Verkaufspläne anbietet, und quartalsweise, wenn jede Order spürbar kostet. Das ganze Jahresbudget im Januar zu entnehmen ist die einzige Variante, die klar Geld kostet, ohne etwas dafür zu bieten. Wie stark der Rhythmus in deinem Fall wirkt, hängt vor allem an der Entnahmehöhe: Je näher du an der Grenze der Tragfähigkeit planst, desto mehr zählt jeder Euro, der länger investiert bleibt. Verwandt ist die Frage, ob du die Entnahme überhaupt jedes Jahr anpassen solltest, dazu haben wir den Vergleich dynamische gegen feste Entnahme gerechnet.

Rechne deinen eigenen Fall

Anderes Kapital, andere Rendite, andere Laufzeit: Der Entnahmeplan-Rechner zeigt dir die tragbare Entnahme, den Kapitalverlauf und die Pleitewahrscheinlichkeit in Sekunden. Wenn du monatlich entnehmen willst, kannst du die dort ausgewiesene Jahresentnahme als Obergrenze lesen und rund 1 bis 2 Prozent Sicherheitsabstand einplanen.

Häufige Fragen

Ist es besser, monatlich oder jährlich zu entnehmen?

Monatlich ist besser als jährlich im Voraus, weil das Geld im Schnitt fünfeinhalb Monate länger investiert bleibt. Bei 300.000 Euro, 5 Prozent Rendite und 30 Jahren Laufzeit sind monatlich 1.246 Euro tragbar statt 1.230 Euro bei jährlicher Vorabentnahme, also rund 1,3 Prozent mehr. Der Unterschied ist real, aber klein: Ein Prozentpunkt weniger Rendite wiegt deutlich schwerer als der Entnahmerhythmus.

Wie viel kostet es, das ganze Jahresbudget im Januar zu entnehmen?

Bei 300.000 Euro Depot, 15.000 Euro Jahresentnahme und 5 Prozent Rendite steht das Depot nach einem Jahr rund 347 Euro niedriger als bei zwölf monatlichen Entnahmen. Bei 100.000 Euro und 5.000 Euro Jahresentnahme sind es rund 116 Euro. Der Betrag wächst ungefähr proportional zur Entnahmehöhe.

Lohnt sich der monatliche Verkauf trotz Ordergebühren?

Meist ja, aber nicht immer. Zwölf statt einem Verkauf bedeuten elf zusätzliche Orders. Bei 1 Euro je Order kostet das 11 Euro und der Zinsvorteil von rund 347 Euro bleibt fast vollständig erhalten. Bei 10 Euro je Order und einem kleinen Depot von 100.000 Euro stehen 110 Euro Gebühren einem Vorteil von rund 116 Euro gegenüber, dann lohnt eher der Quartalsrhythmus.