Kurzantwort: Bei 500.000 Euro, 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation trägt ein konstanter Plan über 30 Jahre 2.110 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Wer fest einplant, nach 15 Jahren auf 70 Prozent zu kürzen, kann in den ersten 15 Jahren 2.392 Euro entnehmen, also 282 Euro mehr im Monat. Danach bleiben aber nur noch 1.674 Euro. Der Aufschlag von rund 13 Prozent ist echtes Geld in den aktiven Jahren, er ist aber kein Geschenk: Er wird aus der zweiten Lebenshälfte des Plans geliehen und erhöht das Risiko, dass der Plan vorher scheitert.
Was mit dem Ruhestandslächeln gemeint ist
Viele Haushalte geben in den ersten Ruhestandsjahren am meisten aus: Reisen, Auto, Hobbys, das nachgeholte Renovieren. Mit den Jahren wird das weniger, oft ganz von selbst. Zum Lebensende steigen die Ausgaben dann wieder, weil Gesundheit und Pflege Geld kosten. Trägt man diesen Verlauf in eine Kurve ein, ergibt sich die Form eines flachen Lächelns. Genau deshalb wirkt die übliche Planannahme, eine über 30 Jahre exakt konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft, für manche zu starr.
Wichtig ist die Richtung der Rechnung: Das Lächeln ist keine Prognose für deinen Haushalt, sondern ein Muster. Wie stark deine Ausgaben tatsächlich sinken, weiß niemand vorher. Alles, was wir hier rechnen, beantwortet deshalb nur eine Frage: Was darf ich am Anfang mehr entnehmen, wenn ich später wirklich kürze?
Wie viel bringt die spätere Kürzung?
Ausgangsfall bleibt: 500.000 Euro, 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, 30 Jahre Planungsdauer, alle Beträge in heutiger Kaufkraft. Phase 1 dauert 15 Jahre, danach wird auf den angegebenen Anteil gekürzt.
| Kürzung nach 15 Jahren auf | Phase 1 (Jahr 1 bis 15) | Phase 2 (Jahr 16 bis 30) | Plus in Phase 1 |
|---|---|---|---|
| keine Kürzung (konstant) | 2.110 Euro/Monat | 2.110 Euro/Monat | Vergleichsbasis |
| 90 Prozent | 2.196 Euro/Monat | 1.976 Euro/Monat | +86 Euro (4,1 %) |
| 80 Prozent | 2.290 Euro/Monat | 1.832 Euro/Monat | +180 Euro (8,5 %) |
| 70 Prozent | 2.392 Euro/Monat | 1.674 Euro/Monat | +282 Euro (13,4 %) |
| 60 Prozent | 2.503 Euro/Monat | 1.502 Euro/Monat | +393 Euro (18,7 %) |
Annahmen: 500.000 Euro Startkapital, 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Realzins 2,94 Prozent.
Das Muster ist unspektakulär, aber nützlich: Der Aufschlag am Anfang ist ungefähr halb so groß wie die spätere Kürzung. Wer die zweite Hälfte um 30 Prozent kürzt, gewinnt vorne nur gut 13 Prozent. Das liegt daran, dass die späteren Euro abgezinst weniger wiegen als die frühen.
Der Zeitpunkt der Kürzung zählt mehr als ihre Höhe
Je früher gekürzt wird, desto größer der Aufschlag in Phase 1. Gleiche Annahmen, Kürzung immer auf 70 Prozent:
| Aufteilung | Phase 1 | Phase 2 | Plus in Phase 1 |
|---|---|---|---|
| 10 Jahre hoch, 20 Jahre gekürzt | 2.542 Euro/Monat | 1.779 Euro/Monat | +432 Euro (20,5 %) |
| 15 Jahre hoch, 15 Jahre gekürzt | 2.392 Euro/Monat | 1.674 Euro/Monat | +282 Euro (13,4 %) |
| 20 Jahre hoch, 10 Jahre gekürzt | 2.275 Euro/Monat | 1.593 Euro/Monat | +166 Euro (7,8 %) |
Die 10/20-Variante klingt attraktiv, verlangt aber, mit 75 statt mit 80 spürbar kürzer zu treten. Wer schon mit 60 in Rente geht, sollte sich fragen, ob die aktive Phase wirklich nach zehn Jahren endet.
Die gleiche Rechnung für andere Kapitalhöhen
Der prozentuale Effekt ist unabhängig von der Depotgröße, die absoluten Beträge natürlich nicht. Alle Werte bei 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, 30 Jahre, Kürzung nach 15 Jahren auf 70 Prozent:
| Kapital | konstant | Phase 1 | Phase 2 | Plus in Phase 1 |
|---|---|---|---|---|
| 200.000 Euro | 844 Euro/Monat | 957 Euro/Monat | 670 Euro/Monat | +113 Euro |
| 300.000 Euro | 1.266 Euro/Monat | 1.435 Euro/Monat | 1.004 Euro/Monat | +169 Euro |
| 500.000 Euro | 2.110 Euro/Monat | 2.392 Euro/Monat | 1.674 Euro/Monat | +282 Euro |
| 750.000 Euro | 3.165 Euro/Monat | 3.587 Euro/Monat | 2.511 Euro/Monat | +423 Euro |
| 1.000.000 Euro | 4.219 Euro/Monat | 4.783 Euro/Monat | 3.348 Euro/Monat | +564 Euro |
Bei niedrigerer Renditeannahme fällt der Aufschlag etwas größer aus, weil die späteren Jahre dann weniger stark abgezinst werden: Bei 3 Prozent Rendite sind es 16,1 Prozent Plus, bei 6 Prozent nur noch 12,1 Prozent. Welche Annahme überhaupt vertretbar ist, klärt der Artikel zur Renditeannahme im Entnahmeplan.
Das echte Lächeln hat drei Phasen
Wer die steigenden Kosten am Lebensende ernst nimmt, plant nicht zwei, sondern drei Abschnitte. Beispiel: 15 Jahre volle Rate, 10 Jahre auf 70 Prozent gekürzt, in den letzten 5 Jahren wieder auf 90 Prozent für Gesundheit und Pflege. Aus 500.000 Euro werden dann 2.332 Euro im Monat in Phase 1, 1.632 Euro in Phase 2 und 2.099 Euro in Phase 3. Der Aufschlag am Anfang schrumpft von 282 auf 222 Euro, weil das teure Ende mitfinanziert werden muss. Wie groß der Pflegepuffer sein sollte, steht im Artikel zu Pflegekosten im Entnahmeplan.
Der Haken: mehr Risiko in der ersten Hälfte
Alle Tabellen oben unterstellen eine jedes Jahr exakt gleiche Rendite. Ein echtes Depot schwankt, und frühe Entnahmen treffen es härter als späte. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zeigt das deutlich. Annahmen: 5 Prozent erwartete Rendite, 15 Prozent Schwankung, 2 Prozent Inflation, 3.000 Verläufe, Seed 42.
| Plan | Kapital in den ersten 15 Jahren erschöpft | Kapital vor Jahr 30 erschöpft |
|---|---|---|
| konstant 2.110 Euro/Monat | 13,9 % | 66,0 % |
| 2.392 Euro/Monat, nie gekürzt | 22,5 % | 76,5 % |
Die hohen Werte in der rechten Spalte sind kein Rechenfehler, sondern die Folge der Planannahme: Wer mit genau der erwarteten Rendite plant, hat per Konstruktion eine Pleitewahrscheinlichkeit über 50 Prozent. Sichere Pläne rechnen mit deutlich weniger als der Durchschnittsrendite oder kürzen unterwegs.
Noch aussagekräftiger als die Pleitequote ist der Blick auf das Restkapital nach 15 Jahren. Für die geplante Phase 2 mit 1.674 Euro im Monat werden zu Beginn von Jahr 16 rund 240.853 Euro in heutiger Kaufkraft gebraucht. Im mittleren Verlauf der Simulation sind aber nur rund 149.631 Euro übrig. Daraus lassen sich für die restlichen 15 Jahre nur noch etwa 1.040 Euro im Monat finanzieren, nicht 1.674 Euro. Die geplante Kürzung um 30 Prozent wird im Median also zu einer Kürzung um mehr als die Hälfte.
Das Lächeln schafft kein Geld, es verschiebt nur
Über die vollen 30 Jahre summiert der konstante Plan rechnerisch 759.481 Euro Entnahme in heutiger Kaufkraft, der Lächeln-Plan mit Kürzung auf 70 Prozent nur 731.838 Euro. Es kommt also insgesamt weniger heraus, weil das früher entnommene Geld nicht mehr mitarbeitet. Das ist kein Argument gegen das Vorziehen: Wenn die aktiven Jahre mehr wert sind als die späten, ist der Tausch gut. Es ist aber ein Argument gegen die Vorstellung, man würde durch geschickte Aufteilung etwas gewinnen.
Steuerlich ändert sich wenig. Bei einem Gewinnanteil von 50 Prozent, 30 Prozent Teilfreistellung und 1.000 Euro Sparerpauschbetrag kostet die konstante Jahresentnahme rund 2.073 Euro Steuer, die höhere Rate der Phase 1 rund 2.386 Euro. Effektiv sind das 8,2 gegenüber 8,3 Prozent der Entnahme. Details dazu im Artikel zu Entnahmeplan und Steuern.
Die praktische Empfehlung
Ein fest eingeplanter Aufschlag in den ersten Jahren ist eine Wette auf zwei Dinge gleichzeitig: darauf, dass die Ausgaben später wirklich sinken, und darauf, dass die Börse in der teuren Anfangsphase mitspielt. Wer beides nicht garantieren kann, fährt mit einer flexiblen Regel besser als mit einer festen Zwei-Phasen-Rate. Die Idee: normal starten, in guten Jahren mehr ausgeben, in schlechten Jahren zügig kürzen. Wie stark Leitplanken die Pleitewahrscheinlichkeit senken, zeigt der Artikel zur flexiblen Entnahme mit Leitplanken.
Als Orientierung für den vorsichtigen Rand: Wer aus 500.000 Euro dauerhaft entnehmen will, ohne das Kapital real anzugreifen, kommt bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation auf rund 1.225 Euro im Monat. Zwischen diesen 1.225 Euro und den 2.392 Euro der vorgezogenen Rate liegt die ganze Bandbreite dessen, was Planung heißt.
Rechne deinen eigenen Fall
Anderes Kapital, andere Dauer, andere Renditeannahme: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet die konstante Rate, die Reichweite und die Pleitewahrscheinlichkeit in Sekunden. Für ein Zwei-Phasen-Modell rechnest du einfach zweimal: erst die höhere Rate über die Jahre der Phase 1, dann mit dem verbleibenden Kapital die Rate für den Rest.
Häufige Fragen
Wie viel mehr kann ich am Anfang entnehmen, wenn ich später kürze?
Bei 500.000 Euro, 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation trägt ein konstanter Plan über 30 Jahre 2.110 Euro im Monat. Mit einer geplanten Kürzung auf 70 Prozent nach 15 Jahren sind es in den ersten 15 Jahren 2.392 Euro, danach nur noch 1.674 Euro.
Sinken die Ausgaben im Ruhestand wirklich mit dem Alter?
Bei vielen Haushalten ja, weil Reisen, Auto und Hobbys mit den Jahren weniger kosten. Zum Lebensende steigen die Ausgaben durch Gesundheit und Pflege aber oft wieder an, daher die Lächeln-Form. Wie stark der Rückgang ausfällt, ist individuell, deshalb sollte der Kürzungsfaktor vorsichtig gewählt werden.
Ist eine höhere Entnahme am Anfang riskanter?
Ja. In der Simulation mit 5 Prozent erwarteter Rendite und 15 Prozent Schwankung ist das Kapital schon in den ersten 15 Jahren in rund 22,5 Prozent der Verläufe erschöpft, bei konstanter Entnahme nur in rund 13,9 Prozent. Frühe Entnahmen fehlen dem Depot am längsten, das verstärkt das Renditereihenfolge-Risiko.