Kurzantwort: Rechne die Planentnahme bewusst vorsichtig, bei einem breit gestreuten Aktiendepot mit etwa 4 Prozent nach Kosten, und prüfe dieselbe Entnahme danach mit echter Schwankung in der Monte-Carlo-Simulation. Bei 500.000 Euro und 30 Jahren Laufzeit ergibt eine Annahme von 4 Prozent rund 1.850 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft, eine Annahme von 7 Prozent rund 2.680 Euro. Wer mit 7 Prozent plant und tatsächlich 5 Prozent erzielt, steht nach 21,1 statt nach 30 Jahren ohne Geld da.
Wie stark die Annahme das Ergebnis dreht
Alle Zahlen in diesem Artikel rechnen mit 500.000 Euro Startkapital, 30 Jahren Laufzeit und 2 Prozent Inflation. Die Entnahme steigt jedes Jahr mit der Inflation, die angegebenen Beträge sind also konstante Kaufkraft in heutigem Geld.
| Angenommene Rendite | Realzins nach 2 % Inflation | Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft) | Wenn das Kapital nie angetastet werden soll |
|---|---|---|---|
| 3 % | 0,98 % | 1.610 Euro | 408 Euro |
| 4 % | 1,96 % | 1.850 Euro | 817 Euro |
| 5 % | 2,94 % | 2.110 Euro | 1.225 Euro |
| 6 % | 3,92 % | 2.387 Euro | 1.634 Euro |
| 7 % | 4,90 % | 2.680 Euro | 2.042 Euro |
500.000 Euro, 30 Jahre, 2 Prozent Inflation, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Die letzte Spalte ist die ewige Entnahme, die nur den realen Ertrag verbraucht.
Zwischen 4 und 7 Prozent Annahme liegen 830 Euro im Monat. Das ist der Grund, warum verschiedene Rechner bei identischem Depot so weit auseinanderliegen: Sie unterscheiden sich nicht in der Mathematik, sondern in der Zahl, die oben hineingeschrieben wird.
Der teure Fall: die Annahme war zu hoch
Eine zu hohe Annahme fällt nicht sofort auf. Sie legt eine Entnahme fest, die jahrelang funktioniert, und schlägt erst zu, wenn das Kapital früher aufgebraucht ist als geplant. Die Tabelle zeigt für jede Planannahme, wie lange die daraus abgeleitete Entnahme wirklich reicht, wenn die Realität anders aussieht.
| Geplant mit | Entnahme pro Monat | Reichweite bei 3 % | bei 4 % | bei 5 % | bei 6 % | bei 7 % |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 4 % | 1.850 Euro | 25,6 Jahre | 30,0 Jahre | 37,4 Jahre | 55,8 Jahre | reicht ewig |
| 5 % | 2.110 Euro | 22,1 Jahre | 25,2 Jahre | 30,0 Jahre | 38,7 Jahre | 72,0 Jahre |
| 6 % | 2.387 Euro | 19,2 Jahre | 21,6 Jahre | 24,9 Jahre | 30,0 Jahre | 40,5 Jahre |
| 7 % | 2.680 Euro | 16,9 Jahre | 18,7 Jahre | 21,1 Jahre | 24,5 Jahre | 30,0 Jahre |
Gleiche Annahmen wie oben. Die Entnahme wird einmal festgelegt und danach nie mehr angepasst.
Die Asymmetrie ist der eigentliche Punkt. Ein Fehler von zwei Prozentpunkten nach oben kostet in der 7-Prozent-Zeile fast neun Jahre Reichweite, und zwar am Ende des Lebens, wo Nachsteuern am schwersten fällt. Derselbe Fehler nach unten kostet dich vorher etwas Konsum und schenkt dir hinterher über sieben Jahre Puffer. Eine vorsichtige Annahme ist deshalb kein Pessimismus, sondern die Seite des Irrtums, die man sich leisten kann.
Warum auch die richtige Durchschnittsrendite nicht reicht
Die Tabellen oben unterstellen eine Rendite, die jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Depot schwankt, und die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre entscheidet mit. Die folgende Simulation nimmt eine erwartete Rendite von 6 Prozent bei 15 Prozent Schwankung an, also ungefähr ein weltweit gestreutes Aktiendepot, und prüft damit die Entnahmen aus der ersten Tabelle.
| Geplant mit | Entnahme pro Monat | Entnahmerate im ersten Jahr | Pleitewahrscheinlichkeit in 30 Jahren | Restkapital im Median |
|---|---|---|---|---|
| 3 % | 1.610 Euro | 3,86 % | 30,8 % | 370.427 Euro |
| 4 % | 1.850 Euro | 4,44 % | 43,8 % | 133.666 Euro |
| 5 % | 2.110 Euro | 5,06 % | 54,3 % | 0 Euro |
| 6 % | 2.387 Euro | 5,73 % | 66,4 % | 0 Euro |
| 7 % | 2.680 Euro | 6,43 % | 75,4 % | 0 Euro |
Monte-Carlo mit 3.000 Verläufen, Seed 42, erwartete Rendite 6 Prozent, Schwankung 15 Prozent, 2 Prozent Inflation, 30 Jahre, starre Entnahme ohne Anpassung.
Lies die Tabelle genau: Selbst die Entnahme aus der 6-Prozent-Planung scheitert in zwei Dritteln der Verläufe, obwohl die Simulation im Mittel genau diese 6 Prozent liefert. Der Grund ist die Schwankung. Ein Depot, das erst 30 Prozent verliert und danach 30 Prozent gewinnt, steht bei 91 Prozent, nicht bei 100. Wer in solchen Jahren zusätzlich entnimmt, verkauft Anteile zu Tiefstkursen und holt den Verlust nie wieder auf. Wie dieser Effekt entsteht, steht ausführlich im Artikel zum Renditereihenfolge-Risiko.
Praktisch heißt das: Deine Planannahme muss spürbar unter der erwarteten Rendite liegen, nicht auf ihr. Die 6 Prozent sind der Mittelwert einer Verteilung, die Planannahme dagegen die Zahl, die auch in einem schwachen Verlauf noch trägt.
Die Schwankung gehört zur Annahme dazu
Zwei Depots mit derselben erwarteten Rendite sind nicht gleich gut planbar. Die folgende Rechnung hält die Entnahme bei 1.850 Euro monatlich fest und verändert nur die Schwankung.
| Schwankung pro Jahr | Typisch für | Pleitewahrscheinlichkeit | Restkapital im Median |
|---|---|---|---|
| 5 % | sehr defensives Mischdepot | 5,1 % | 566.861 Euro |
| 10 % | ausgewogenes Mischdepot | 25,8 % | 388.147 Euro |
| 15 % | weltweites Aktiendepot | 43,8 % | 133.666 Euro |
| 20 % | konzentriertes Aktiendepot | 53,3 % | 0 Euro |
Erwartete Rendite in allen Zeilen 6 Prozent, Entnahme 1.850 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft, 30 Jahre, 3.000 Verläufe, Seed 42.
Bei gleicher erwarteter Rendite verzehnfacht sich das Risiko zwischen 5 und 20 Prozent Schwankung. Eine Renditeannahme ohne dazugehörige Schwankungsannahme ist deshalb nur eine halbe Angabe. Welche Aktienquote dahintersteht, behandelt der Artikel zur Aktienquote im Ruhestand.
Was deine Annahme zusätzlich senkt: Kosten und Steuern
Die Rendite, die du in den Plan schreibst, ist die Rendite nach Kosten. Ein halber Prozentpunkt an Depot- und Fondskosten klingt harmlos, kostet bei 500.000 Euro und 30 Jahren aber 141 Euro im Monat: Aus 2.387 Euro bei 6 Prozent brutto werden 2.246 Euro bei 5,5 Prozent nach Kosten und 2.110 Euro, wenn ein voller Prozentpunkt weggeht. Mehr dazu im Artikel zu Depotkosten und TER im Entnahmeplan.
Die Steuer kommt danach und trifft nur den Gewinnanteil der verkauften Anteile. Bei 1.850 Euro monatlicher Bruttoentnahme, hälftigem Gewinnanteil, 30 Prozent Teilfreistellung und ausgeschöpftem Sparerpauschbetrag bleiben 1.702 Euro netto, das sind 8,04 Prozent effektive Belastung. Steckt mehr Gewinn im Depot, etwa 70 Prozent, sind es 11,74 Prozent und 1.633 Euro netto. Rechne deshalb entweder brutto und ziehe die Steuer am Ende ab, oder plane gleich mit der Nettoentnahme, die du wirklich brauchst.
Eine belastbare Annahme in vier Schritten
- Vorsichtig planen. Leite die Entnahme aus einer Annahme ab, die unter deiner Renditeerwartung liegt. Bei einem weltweiten Aktiendepot sind etwa 4 Prozent nach Kosten ein brauchbarer Ausgangspunkt, bei hohem Anleihenanteil entsprechend weniger.
- Inflation getrennt ansetzen. Rechne nominale Rendite und Inflation nicht im Kopf zusammen. Der Rechner bildet daraus den Realzins, bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 3,92 Prozent, nicht 4.
- Mit Schwankung gegenprüfen. Nimm dieselbe Entnahme in die Monte-Carlo-Simulation und schau auf die Pleitewahrscheinlichkeit. Liegt sie unangenehm hoch, ist nicht die Simulation zu pessimistisch, sondern die Entnahme zu hoch.
- Anpassungsbereitschaft einplanen. Die Zahlen oben unterstellen eine Entnahme, die 30 Jahre lang unverändert bleibt. Wer in schwachen Jahren kürzt, senkt das Risiko deutlich, ohne dauerhaft ärmer zu leben. Das ist der Kern der flexiblen Entnahme mit Leitplanken.
Zur Einordnung: Die bekannte 4-Prozent-Regel ist keine Renditeannahme, sondern eine Entnahmerate aus US-Daten von 1994 und 1998, vor Steuern und Kosten. Für deutsche Verhältnisse werden häufig 3 bis 3,5 Prozent als robuster genannt. In unserer Simulation liegt selbst eine Startrate von 2,85 Prozent, also 1.188 Euro im Monat, noch bei 13,5 Prozent Pleitewahrscheinlichkeit, weil die Entnahme dort nie angepasst wird. Genau deshalb ist Flexibilität wertvoller als die letzte Nachkommastelle in der Renditeannahme.
Die Simulation zieht normalverteilte Jahresrenditen. Reale Aktienmärkte haben stärkere Ausreißer, aber auch Erholungsphasen nach Einbrüchen. Die Pleitewahrscheinlichkeiten sind daher eine Orientierung für den Vergleich von Szenarien, keine Prognose.
Rechne deinen eigenen Fall
Anderes Kapital, andere Laufzeit, andere Annahme: Der Entnahmeplan-Rechner zeigt dir sofort, wie stark deine Renditeannahme die Entnahme verschiebt, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen.
Häufige Fragen
Mit welcher Rendite sollte ich meinen Entnahmeplan rechnen?
Rechne die Planentnahme mit einer bewusst vorsichtigen Annahme, bei einem breit gestreuten Aktiendepot mit etwa 4 Prozent nach Kosten, und prüfe dieselbe Entnahme anschließend mit höherer erwarteter Rendite und echter Schwankung in der Monte-Carlo-Simulation. Bei 500.000 Euro und 30 Jahren ergibt eine Annahme von 4 Prozent rund 1.850 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft, eine Annahme von 7 Prozent rund 2.680 Euro. Der Unterschied ist kein Detail, sondern ein anderer Lebensstandard.
Was passiert, wenn die tatsächliche Rendite niedriger ausfällt als geplant?
Das Geld ist deutlich früher weg. Wer 500.000 Euro mit 7 Prozent auf 30 Jahre plant und 2.680 Euro monatlich entnimmt, kommt bei tatsächlich 5 Prozent nur 21,1 Jahre weit und bei 4 Prozent nur 18,7 Jahre. Wer umgekehrt mit 4 Prozent plant und 5 Prozent erzielt, reicht rechnerisch 37,4 Jahre und hat nach 30 Jahren noch Kapital übrig.
Reicht es, den historischen Durchschnitt als Renditeannahme zu nehmen?
Nein. Ein Durchschnitt beschreibt nur die Mitte, nicht die Reihenfolge der Jahre. Bei 6 Prozent erwarteter Rendite und 15 Prozent Schwankung scheitert eine Entnahme, die deterministisch mit 4 Prozent auf 30 Jahre gerechnet wurde, in 43,8 Prozent der Verläufe. Die Schwankung gehört zur Annahme dazu, sonst planst du mit einer Zahl, die dein Depot so nie liefert.