Kurzantwort: Ein Zuverdienst von 500 Euro im Monat ersetzt bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation rund 51.335 Euro Depotkapital, wenn du ihn 10 Jahre lang erzielst. Über 5 Jahre sind es rund 27.524 Euro, über 20 Jahre rund 89.752 Euro und über 30 Jahre rund 118.502 Euro. Der Wert steigt dabei nicht gleichmäßig mit der Dauer: Die zweiten zehn Jahre bringen nur noch rund 38.417 Euro, die dritten rund 28.750 Euro. Wer den Nebenjob früh macht, holt am meisten heraus.
Warum ein Zuverdienst wie Kapital wirkt
Im Entnahmeplan zählt nicht, woher das Geld kommt, sondern nur, dass es jeden Monat da ist. 500 Euro Zuverdienst decken exakt denselben Teil deiner Ausgaben wie 500 Euro Entnahme aus dem Depot. Also lässt sich fragen: Wie viel Kapital müsste im Depot liegen, um dieselben Zahlungen zu leisten? Das ist der Barwert des Zuverdienstes, gerechnet mit derselben Formel wie jede Entnahme, nur andersherum.
Wichtig dabei: Wir rechnen den Zuverdienst inflationsangepasst, er steigt also jedes Jahr um 2 Prozent mit. Das entspricht der Annahme, dass ein Nebenjob mit den Preisen mitwächst. Bleibt dein Stundenlohn über Jahre eingefroren, ist der reale Wert entsprechend kleiner.
Tabelle 1: Wie viel Kapital ein Zuverdienst ersetzt
| Zuverdienst pro Monat | 5 Jahre | 10 Jahre | 15 Jahre | 20 Jahre | 30 Jahre |
|---|---|---|---|---|---|
| 200 Euro | 11.010 Euro | 20.534 Euro | 28.773 Euro | 35.901 Euro | 47.401 Euro |
| 300 Euro | 16.515 Euro | 30.801 Euro | 43.160 Euro | 53.851 Euro | 71.101 Euro |
| 500 Euro | 27.524 Euro | 51.335 Euro | 71.933 Euro | 89.752 Euro | 118.502 Euro |
| 800 Euro | 44.039 Euro | 82.136 Euro | 115.093 Euro | 143.604 Euro | 189.603 Euro |
| 1.000 Euro | 55.049 Euro | 102.670 Euro | 143.867 Euro | 179.505 Euro | 237.004 Euro |
Annahme: 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Zuverdienst steigt jährlich mit der Inflation, Zahlungen jeweils zum Jahresende. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1 = 2,941 Prozent.
Die ersten Jahre sind die wertvollsten
Der Barwert lässt sich in Abschnitte zerlegen, und das Ergebnis ist deutlich. Bei 500 Euro monatlich sind wert:
- die Jahre 1 bis 10: rund 51.335 Euro
- die Jahre 11 bis 20: rund 38.417 Euro
- die Jahre 21 bis 30: rund 28.750 Euro
Das erste Jahrzehnt ist damit rund 33,6 Prozent mehr wert als das zweite. Der Grund ist der Zinseszins: Geld, das du in Jahr 1 nicht aus dem Depot nimmst, arbeitet noch fast drei Jahrzehnte weiter. Wer überlegt, ob er den Nebenjob lieber jetzt oder erst deutlich später macht, hat die Antwort in dieser Rechnung. Dazu kommt ein Effekt, den der Barwert gar nicht abbildet: Genau in den ersten Jahren ist ein Entnahmeplan am verletzlichsten, weil ein früher Kurseinbruch dauerhaft Substanz kostet. Mehr dazu im Artikel zum Renditereihenfolge-Risiko.
Tabelle 2: Der Barwert hängt an der Renditeannahme
Je höher die angenommene Rendite, desto weniger Kapital braucht es für dieselben Zahlungen, und desto kleiner fällt der rechnerische Wert des Zuverdienstes aus. Für 500 Euro im Monat:
| Renditeannahme | 5 Jahre | 10 Jahre | 15 Jahre | 20 Jahre |
|---|---|---|---|---|
| 3 Prozent | 29.137 Euro | 56.888 Euro | 83.317 Euro | 108.487 Euro |
| 4 Prozent | 28.313 Euro | 54.006 Euro | 77.322 Euro | 98.481 Euro |
| 5 Prozent | 27.524 Euro | 51.335 Euro | 71.933 Euro | 89.752 Euro |
| 6 Prozent | 26.770 Euro | 48.856 Euro | 67.078 Euro | 82.111 Euro |
Jeweils 2 Prozent Inflation. Der Unterschied zwischen 3 und 6 Prozent Renditeannahme macht über 20 Jahre rund 26.376 Euro aus.
Was der Zuverdienst im laufenden Plan bringt
Beispiel: 300.000 Euro Depot, 30 Jahre Planungshorizont, 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation. Ohne Zuverdienst trägt dieses Depot 1.265,80 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Rechnest du den Barwert des Zuverdienstes als zusätzliches Kapital in den Plan, steigt das Monatsbudget so:
| Zuverdienst 500 Euro über | Barwert | Budget pro Monat | davon aus dem Depot | Reichweite statt 30 Jahre |
|---|---|---|---|---|
| ohne Zuverdienst | 0 Euro | 1.265,80 Euro | 1.265,80 Euro | 30,0 Jahre |
| 5 Jahre | 27.524 Euro | 1.381,94 Euro | 881,94 Euro | 34,7 Jahre |
| 10 Jahre | 51.335 Euro | 1.482,40 Euro | 982,40 Euro | 39,3 Jahre |
| 15 Jahre | 71.933 Euro | 1.569,31 Euro | 1.069,31 Euro | 43,9 Jahre |
| 20 Jahre | 89.752 Euro | 1.644,50 Euro | 1.144,50 Euro | 48,5 Jahre |
Die Spalte "Budget" verteilt den Zuverdienst rechnerisch gleichmäßig auf alle 30 Jahre. "davon aus dem Depot" ist die Entnahme in den Jahren mit Zuverdienst, danach kommt das volle Budget aus dem Depot. Die letzte Spalte zeigt die Alternative: Das Budget bleibt bei 1.265,80 Euro, dafür reicht das Geld länger.
Anders gesagt: Zehn Jahre Nebenjob mit 500 Euro heben das dauerhafte Monatsbudget um 216,60 Euro an, oder sie verlängern die Reichweite um gut neun Jahre. Nicht beides.
Und was macht das Pleiterisiko?
Die Tabellen oben unterstellen jedes Jahr exakt 5 Prozent Rendite. Ein echtes Depot schwankt. In der Monte-Carlo-Simulation des Rechners (3.000 Verläufe, 5 Prozent erwartete Rendite, 15 Prozent Schwankung, 2 Prozent Inflation, 30 Jahre) sieht es so aus:
| Zuverdienst 500 Euro über | Entnahme bleibt 1.265,80 Euro | Entnahme wird erhöht |
|---|---|---|
| ohne Zuverdienst | 66,0 Prozent Pleiterisiko | 66,0 Prozent |
| 5 Jahre | 59,3 Prozent | 66,0 Prozent (bei 1.381,94 Euro) |
| 10 Jahre | 52,0 Prozent | 66,0 Prozent (bei 1.482,40 Euro) |
| 15 Jahre | 48,3 Prozent | 66,0 Prozent (bei 1.569,31 Euro) |
| 20 Jahre | 44,4 Prozent | 66,0 Prozent (bei 1.644,50 Euro) |
Der Zuverdienst wird als Barwert zum Startkapital addiert. Das ist eine Näherung, die den Nutzen eher unterschätzt, weil ein sicherer Zahlungsstrom in den frühen Jahren zusätzlich vor dem Renditereihenfolge-Risiko schützt.
Die rechte Spalte ist die ehrliche Pointe: Wenn du das gewonnene Budget vollständig ausgibst, landest du beim exakt gleichen Risiko wie vorher, jedes Mal bei 66,0 Prozent. Der Zuverdienst kauft dir also entweder mehr Geld im Monat oder mehr Sicherheit, aber nie beides gleichzeitig. Dass die Ausgangslage mit 66 Prozent ohnehin sehr riskant ist, sagt die Simulation gleich mit: 1.265,80 Euro aus 300.000 Euro sind über 30 Jahre eine sportliche Entnahme. Mehr dazu im Artikel zum Entnahmeplan mit 300.000 Euro.
Der stille Bonus: weniger Steuer auf die Entnahme
Weil du mit Zuverdienst weniger Anteile verkaufst, fällt auch weniger Kapitalertragsteuer an. Bei 15.189,63 Euro Jahresentnahme und einem Gewinnanteil von 50 Prozent zahlst du nach 30 Prozent Teilfreistellung und 1.000 Euro Sparerpauschbetrag rund 1.138,44 Euro Steuer, also 7,49 Prozent der Entnahme. Ersetzen 6.000 Euro Zuverdienst einen Teil der Entnahme, sinkt die Steuer auf rund 584,57 Euro und der effektive Satz auf 6,36 Prozent. Ersparnis: 553,88 Euro pro Jahr, über zehn Jahre rund 5.538,75 Euro.
Der Grund für den überproportionalen Effekt ist der Sparerpauschbetrag: Er ist ein fester Freibetrag und deckt bei kleinerer Entnahme einen größeren Anteil ab. Wo genau die Grenze zur komplett steuerfreien Entnahme liegt, steht im Artikel Wann ist meine Entnahme komplett steuerfrei?. Zur Einordnung: Bei 50 Prozent Gewinnanteil bleiben 238,10 Euro Entnahme im Monat steuerfrei.
Was der Zuverdienst selbst an Steuern und Abgaben kostet, hängt von deiner Beschäftigungsform und deinem übrigen Einkommen ab. Das ist eine Frage für deinen Steuerberater oder die Deutsche Rentenversicherung, nicht für einen Entnahmerechner. Die Zahlen hier beziehen sich ausschließlich auf die Wirkung im Depot.
Wann sich der Nebenjob besonders lohnt
- Vorgezogener Ruhestand. Wer vor der gesetzlichen Rente aussteigt, muss die teuerste Phase des Plans überbrücken. Ein Zuverdienst wirkt hier doppelt, weil er genau die frühen Entnahmen ersetzt. Siehe dazu Entnahmeplan und gesetzliche Rente kombinieren.
- Nach einem Kurseinbruch. Statt im Tief Anteile zu verkaufen, deckst du einen Teil der Ausgaben aus laufendem Einkommen. Das ist derselbe Mechanismus wie ein Cash-Puffer, nur ohne den Renditeverzicht der Reserve.
- Knappes Depot. Bei 200.000 bis 300.000 Euro Kapital entscheiden 200 bis 300 Euro im Monat darüber, ob der Plan 30 oder 40 Jahre trägt. Bei einer Million Euro fällt derselbe Betrag kaum ins Gewicht.
Rechne deinen eigenen Fall
Andere Höhe, andere Dauer, anderes Depot: Trage den Barwert deines Zuverdienstes einfach als zusätzliches Kapital ein, und der Entnahmeplan-Rechner zeigt dir Entnahme, Reichweite, Pleitewahrscheinlichkeit und Steuern für deinen Fall.
Häufige Fragen
Wie viel Kapital ersetzt ein Zuverdienst von 500 Euro im Monat?
Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation rund 27.524 Euro über 5 Jahre, rund 51.335 Euro über 10 Jahre, rund 89.752 Euro über 20 Jahre und rund 118.502 Euro über 30 Jahre. Der Betrag ist der Barwert des Zahlungsstroms, also das Kapital, aus dem du dieselben inflationsangepassten Zahlungen entnehmen könntest.
Bringt ein Zuverdienst mehr Budget oder weniger Risiko?
Beides zusammen geht nicht. Bei 300.000 Euro, 1.265,80 Euro Monatsentnahme, 5 Prozent Renditeerwartung und 15 Prozent Schwankung über 30 Jahre sinkt die Pleitewahrscheinlichkeit durch 500 Euro Zuverdienst über 10 Jahre von 66,0 auf 52,0 Prozent, wenn die Entnahme unverändert bleibt. Hebst du die Entnahme stattdessen auf 1.482,40 Euro an, liegt das Risiko wieder exakt bei 66,0 Prozent.
Spart ein Zuverdienst im Ruhestand auch Steuern auf die Entnahme?
Ja, weil du weniger Anteile verkaufen musst. Bei 15.189,63 Euro Jahresentnahme und 50 Prozent Gewinnanteil fallen rund 1.138,44 Euro Kapitalertragsteuer an. Ersetzen 6.000 Euro Zuverdienst einen Teil davon, sinkt die Steuer auf rund 584,57 Euro, also um 553,88 Euro pro Jahr. Der effektive Satz auf die Entnahme fällt von 7,49 auf 6,36 Prozent, weil der Sparerpauschbetrag einen größeren Anteil abdeckt.