Ratgeber Entnahmeplan

Entnahmeplan mit 300.000 Euro: Wie viel Rente ist drin?

300.000 Euro sind für viele das Ergebnis eines ganzen Arbeitslebens. Was sie im Monat wirklich tragen, hängt an Dauer, Rendite und Inflation. Hier sind die Zahlen, ehrlich inflationsbereinigt.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Über 30 Jahre tragen 300.000 Euro bei 2 Prozent Inflation rund 966 Euro im Monat mit 3 Prozent Rendite, etwa 1.266 Euro mit 5 Prozent und rund 1.432 Euro mit 6 Prozent, jeweils in heutiger Kaufkraft und vor Steuern. Wer nur 20 Jahre überbrücken muss, kommt auf 1.383 bis 1.827 Euro. Wer das Kapital gar nicht antasten will, muss sich mit dem realen Ertrag begnügen: bei 5 Prozent Rendite rund 735 Euro im Monat.

Wie viel im Monat? Nach Dauer und Rendite

Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation, damit die Kaufkraft konstant bleibt. Am Ende der geplanten Dauer ist das Kapital planmäßig aufgebraucht.

Geplante Dauer3 % Rendite4 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
20 Jahre1.383 Euro1.523 Euro1.671 Euro1.827 Euro
25 Jahre1.132 Euro1.275 Euro1.426 Euro1.587 Euro
30 Jahre966 Euro1.110 Euro1.266 Euro1.432 Euro
35 Jahre847 Euro994 Euro1.154 Euro1.325 Euro

Alle Beträge pro Monat in heutiger Kaufkraft, 2 Prozent Inflation, Entnahme zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Auffällig ist, wie stark die Dauer wirkt und wie schwach die Rendite. Von 20 auf 35 Jahre halbiert sich die Entnahme bei 5 Prozent Rendite fast (1.671 auf 1.154 Euro). Zwei Prozentpunkte mehr Rendite bringen dagegen bei 30 Jahren nur rund 466 Euro Unterschied. Die Planungsdauer ist damit die Stellschraube, über die du am meisten entscheidest, und zugleich die, die du am wenigsten kennst. Mehr dazu im Artikel zum Planungshorizont im Entnahmeplan.

Umgekehrt gefragt: Wie lange reicht das Geld?

Wenn dein Budget feststeht, ist die Reichweite die interessantere Zahl. Auch hier steigt die Entnahme jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation:

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)0 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
800 Euro24,1 Jahre37,5 Jahre86,8 Jahrereicht dauerhaft
1.000 Euro20,1 Jahre28,8 Jahre45,9 Jahre102,2 Jahre
1.200 Euro17,3 Jahre23,4 Jahre32,7 Jahre44,1 Jahre
1.500 Euro14,3 Jahre18,3 Jahre23,2 Jahre27,6 Jahre

Die scheinbar riesigen Reichweiten in der rechten Spalte sind ein Warnsignal, kein Versprechen: Sobald die Entnahme in die Nähe des realen Ertrags rutscht, explodiert die rechnerische Dauer, und kleine Abweichungen bei der Rendite drehen das Ergebnis komplett. Wer bei 800 Euro und 5 Prozent Rendite auf 86,8 Jahre schaut, plant faktisch am Rand der ewigen Rente.

Kapitalerhalt: Was 300.000 Euro dauerhaft tragen

Soll das Depot nie schrumpfen, darfst du nur den realen Ertrag entnehmen. Die nominale Rendite hilft dabei nicht weiter, weil ein Teil davon nur die Inflation ausgleicht:

RenditeRealzins bei 2 % InflationDauerhaft entnehmbar
3 %0,98 %245 Euro/Monat
4 %1,96 %490 Euro/Monat
5 %2,94 %735 Euro/Monat
6 %3,92 %980 Euro/Monat

Der Unterschied zum planmäßigen Verzehr ist erheblich: Bei 5 Prozent Rendite kostet dich der Wunsch nach vollständigem Kapitalerhalt gegenüber einem 30-Jahres-Plan rund 531 Euro im Monat (735 statt 1.266 Euro). Ob sich das lohnt, hängt davon ab, ob du wirklich etwas vererben willst. Der Vergleich beider Strategien steht im Artikel Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.

Der ehrliche Teil: das Pleiterisiko

Alle Tabellen oben unterstellen eine Rendite, die jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein Aktiendepot schwankt aber, und die Reihenfolge der Jahre entscheidet mit. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht dafür 3.000 Verläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite und 15 Prozent Schwankung, wie bei einem weltweit gestreuten Aktiendepot, über 30 Jahre und mit 2 Prozent Inflation:

Entnahme pro MonatEntnahmequotePleitewahrscheinlichkeit über 30 JahreRestkapital im Median
600 Euro2,4 %7,5 %608.877 Euro
650 Euro2,6 %9,7 %544.177 Euro
800 Euro3,2 %19,2 %395.657 Euro
1.000 Euro4,0 %34,1 %189.777 Euro
1.200 Euro4,8 %50,1 %0 Euro
1.432 Euro5,7 %66,4 %0 Euro

3.000 Pfade, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen mit Erwartungswert 6 Prozent und Volatilität 15 Prozent, Entnahme steigt mit 2 Prozent Inflation. Restkapital nominal nach 30 Jahren.

Das ist der wichtigste Absatz dieses Artikels: Die 1.432 Euro aus der ersten Tabelle, die bei 6 Prozent Rendite über 30 Jahre rechnerisch drin sind, gehen in zwei von drei simulierten Verläufen schief. Der Durchschnitt ist eben kein Verlauf, sondern nur ein Mittelwert über viele. Wer eine hohe Sicherheit will, landet bei 300.000 Euro eher bei 650 Euro im Monat. Wie diese Zahlen zu lesen sind, erklärt der Artikel zur Monte-Carlo-Simulation im Ruhestand.

Was die 4-Prozent-Regel hier sagt

4 Prozent von 300.000 Euro sind exakt 1.000 Euro im Monat. Genau dieser Plan scheitert in der Simulation in 34,1 Prozent der Verläufe. Das passt zu dem, was für deutsche Anleger oft empfohlen wird: Die Regel stammt aus US-Daten der 90er Jahre, rechnet ohne deutsche Steuern und ohne Kosten. Wer sie eins zu eins übernimmt, plant optimistisch. Die Hintergründe stehen auf unserer Seite zur 4-Prozent-Regel und im Artikel zur 3-Prozent-Regel.

Und die Steuern?

Von einer ETF-Entnahme wird nur der Gewinnanteil besteuert, davon bei Aktienfonds 30 Prozent steuerfrei (Teilfreistellung), und der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person deckt den Rest zum Teil ab. Bei 50 Prozent Gewinnanteil im Depot sieht das so aus:

Brutto-EntnahmeSteuer pro JahrNetto pro MonatEffektive Belastung
966 Euro/Monat806,34 Euro898,81 Euro6,96 %
1.266 Euro/Monat1.138,66 Euro1.171,11 Euro7,50 %
1.432 Euro/Monat1.322,55 Euro1.321,79 Euro7,70 %

Annahmen: Gewinnanteil 50 Prozent, Teilfreistellung 30 Prozent, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro, Abgeltungsteuer mit Soli 26,375 Prozent, keine Kirchensteuer.

Die effektive Belastung liegt also unter 8 Prozent der Entnahme, weit weg von den 26,375 Prozent, die viele befürchten. Sie steigt allerdings mit den Jahren, weil der Gewinnanteil im Depot wächst: Bei 70 Prozent Gewinnanteil kostet die Entnahme von 1.266 Euro schon 1.699,63 Euro Steuer im Jahr, also 11,19 Prozent. Wer netto 1.266 Euro im Monat braucht, muss bei 50 Prozent Gewinnanteil rund 1.370,54 Euro brutto entnehmen. Details dazu in Entnahmeplan und Steuern und FIFO beim ETF-Verkauf.

Dazu kommt in guten Jahren die Vorabpauschale auf thesaurierende Fonds: Bei einem Depotwert von 300.000 Euro und dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent beträgt der Basisertrag 6.720 Euro, steuerpflichtig nach Teilfreistellung 4.704 Euro, das sind 1.240,68 Euro Steuer vor Anrechnung des Sparerpauschbetrags.

Warum nominale Rechner mehr versprechen

Viele Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein. Dort halten 1.266 Euro im Monat bei 5 Prozent Zins scheinbar 89,6 Jahre. Der Grund ist simpel: 1.266 Euro im Monat sind 15.192 Euro im Jahr, und 5 Prozent auf 300.000 Euro sind 15.000 Euro. Der Plan lebt fast nur von den Zinsen. Nur sind diese 1.266 Euro nach 30 Jahren mit 2 Prozent Inflation real nur noch rund 699 Euro wert. Deshalb rechnet unser Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten.

Rechne deinen eigenen Fall

Anderes Kapital, andere Dauer, andere Renditeannahme: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen.

Häufige Fragen

Wie viel Rente bringen 300.000 Euro im Monat?

Über 30 Jahre und bei 2 Prozent Inflation rund 966 Euro bei 3 Prozent Rendite, etwa 1.266 Euro bei 5 Prozent und rund 1.432 Euro bei 6 Prozent, jeweils in heutiger Kaufkraft und vor Steuern. Über 20 Jahre sind es 1.383 bis 1.827 Euro, über 35 Jahre nur noch 847 bis 1.325 Euro.

Wie viel kann ich dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?

Nur den realen Ertrag. Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 2,94 Prozent Realzins, also rund 735 Euro im Monat. Bei 6 Prozent Rendite sind es 3,92 Prozent und damit etwa 980 Euro, bei 3 Prozent Rendite nur 245 Euro.

Wie sicher sind 1.000 Euro Entnahme aus 300.000 Euro?

Nicht sicher. 1.000 Euro entsprechen genau der 4-Prozent-Regel und scheitern in 3.000 simulierten Verläufen mit 6 Prozent erwarteter Rendite und 15 Prozent Schwankung über 30 Jahre in 34,1 Prozent der Fälle. Für ein Pleiterisiko unter 10 Prozent liegt die Entnahme eher bei 650 Euro im Monat, also 2,6 Prozent des Kapitals.