Kurzantwort: Bei 300.000 Euro Depot, 6 Prozent Bruttorendite, 2 Prozent Inflation und 30 Jahren Laufzeit sinkt die monatliche Entnahme in heutiger Kaufkraft von 1.432 Euro ohne Kosten auf 1.348 Euro bei 0,5 Prozent Gesamtkosten und auf 1.266 Euro bei 1,0 Prozent. Ein halber Prozentpunkt kostet damit rund 84 Euro im Monat, über 30 Jahre gerechnet gut 30.000 Euro Kaufkraft. Und jeder weitere halbe Prozentpunkt kostet ungefähr genauso viel.
Kosten sind nichts anderes als ein Renditeabzug
Für den Entnahmeplan ist es rechnerisch egal, ob dein Depot 5,5 Prozent Rendite erwirtschaftet oder 6,0 Prozent minus 0,5 Prozent Kosten. Beides führt zur selben Nettorendite, und die Nettorendite bestimmt, wie viel du entnehmen kannst. Genau deshalb lassen sich Kosten so einfach in Euro übersetzen: Du rechnest den Entnahmeplan einmal mit und einmal ohne den Kostensatz und vergleichst die Ergebnisse.
| Kosten pro Jahr | Nettorendite | Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft) | Verlust gegenüber 0 Prozent Kosten | Gebühren gesamt in 30 Jahren (nominal) |
|---|---|---|---|---|
| 0,0 % | 6,0 % | 1.432 Euro | Basis | 0 Euro |
| 0,2 % | 5,8 % | 1.398 Euro | 34 Euro/Monat | 13.592 Euro |
| 0,5 % | 5,5 % | 1.348 Euro | 84 Euro/Monat | 33.561 Euro |
| 1,0 % | 5,0 % | 1.266 Euro | 166 Euro/Monat | 65.708 Euro |
| 1,5 % | 4,5 % | 1.187 Euro | 245 Euro/Monat | 96.411 Euro |
Annahmen: 300.000 Euro Startkapital, 6 Prozent Bruttorendite, 2 Prozent Inflation, 30 Jahre geplante Dauer, Entnahme am Jahresende, vor Steuern. Die Gebührensumme ist die Summe aller Jahresgebühren auf den jeweils aktuellen Depotwert.
In Prozent der Entnahme ausgedrückt: 0,5 Prozent Kosten fressen 5,9 Prozent deines Ruhestandsbudgets, 1,0 Prozent kosten 11,6 Prozent und 1,5 Prozent kosten 17,1 Prozent. Eine Kostenquote von 1,5 Prozent, wie sie bei manchen Fondspolicen und Vermögensverwaltungen zusammenkommt, nimmt dir also gut ein Sechstel dessen, was du sonst monatlich ausgeben könntest.
Warum die Gebühr höher aussieht, als sie in der Entnahme wirkt
0,5 Prozent auf 300.000 Euro sind im ersten Jahr 1.500 Euro. Die tragbare Entnahme sinkt aber nur um 1.013 Euro pro Jahr. Das liegt daran, dass die Gebühr immer auf den aktuellen Depotwert erhoben wird, und der schrumpft im Entnahmeplan planmäßig. Im letzten Jahr ist von den ursprünglichen 1.500 Euro Gebühr fast nichts mehr übrig, weil kaum noch Kapital da ist.
Das ist allerdings kein Grund zur Entwarnung, sondern nur eine Erklärung: In Summe zahlst du bei 0,5 Prozent über 30 Jahre trotzdem rund 33.600 Euro Gebühren, und weil dieses Geld nicht mehr mitarbeitet, verlierst du zusätzlich Zinseszins. Beides zusammen steckt bereits in den 84 Euro pro Monat.
Was Kosten an Reichweite kosten
Andersherum gefragt: Du willst 1.200 Euro im Monat entnehmen, Kaufkraft konstant. Wie lange hält das Depot durch?
| Kosten pro Jahr | Nettorendite | Reichweite bei 1.200 Euro/Monat | Verlust an Reichweite |
|---|---|---|---|
| 0,2 % | 5,8 % | 40,9 Jahre | Basis |
| 0,5 % | 5,5 % | 37,2 Jahre | 3,7 Jahre |
| 1,0 % | 5,0 % | 32,7 Jahre | 8,2 Jahre |
| 1,5 % | 4,5 % | 29,5 Jahre | 11,4 Jahre |
300.000 Euro Startkapital, 1.200 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft, 6 Prozent Bruttorendite, 2 Prozent Inflation.
Ein Prozentpunkt Unterschied in der Kostenquote, also der Sprung von 0,5 auf 1,5 Prozent, kostet hier 7,7 Jahre Reichweite. Wer mit 65 in Rente geht, ist damit statt bis 102 nur bis 94 versorgt. Wie du den passenden Planungshorizont wählst, steht im Artikel zum Planungshorizont im Entnahmeplan.
Kosten erhöhen auch die Pleitewahrscheinlichkeit
Die Tabellen oben unterstellen eine Rendite, die jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot schwankt. In der Monte-Carlo-Simulation des Rechners (3.000 Verläufe, 15 Prozent Schwankung, Seed 42) zeigt sich, dass Kosten nicht nur die Höhe der Entnahme drücken, sondern auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass das Geld vorzeitig ausgeht:
| Kosten pro Jahr | Erwartete Rendite netto | Pleitewahrscheinlichkeit in 30 Jahren | Restkapital im Median |
|---|---|---|---|
| 0,2 % | 5,8 % | 37 % | 148.335 Euro |
| 0,5 % | 5,5 % | 40 % | 116.646 Euro |
| 1,0 % | 5,0 % | 46 % | 43.026 Euro |
| 1,5 % | 4,5 % | 52 % | 0 Euro |
300.000 Euro Kapital, 1.000 Euro monatliche Entnahme in heutiger Kaufkraft, 2 Prozent Inflation, 15 Prozent Volatilität, 30 Jahre Zieldauer, 3.000 simulierte Verläufe. Restkapital nominal am Ende der Zieldauer.
Der Sprung von 37 auf 52 Prozent Pleiterisiko ist der eigentlich teure Teil. Und das Restkapital im Median, also das, was im mittleren Verlauf für Pflege, Puffer oder Erben übrig bleibt, fällt von 148.335 Euro auf null. Mehr zur Aussagekraft solcher Simulationen steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation für den Ruhestand.
Wie viel Kapital ersetzt niedrige Kosten?
Eine gute Kontrollfrage: Wie viel mehr müsstest du angespart haben, um trotz höherer Kosten auf dieselben 1.432 Euro monatlich zu kommen?
| Kosten pro Jahr | Nötiges Kapital für 1.432 Euro/Monat | Mehrbedarf gegenüber kostenfrei |
|---|---|---|
| 0,2 % | 307.300 Euro | 7.300 Euro |
| 0,5 % | 318.800 Euro | 18.800 Euro |
| 1,0 % | 339.400 Euro | 39.400 Euro |
| 1,5 % | 362.000 Euro | 62.000 Euro |
Ein Prozentpunkt Kosten entspricht also rund 39.000 Euro zusätzlichem Kapital, das du erst einmal ansparen müsstest. Umgekehrt heißt das: Wer die Kostenquote von 1,0 auf 0,2 Prozent senkt, macht sich effektiv um gut 32.000 Euro reicher, ohne einen Euro mehr zu sparen.
Woraus die Gesamtkosten wirklich bestehen
Die TER des ETF ist nur ein Teil. Im Entnahmeplan zählt die Summe aus:
- Fondskosten (TER): bei breiten Welt-ETF üblicherweise 0,12 bis 0,25 Prozent pro Jahr, bei aktiven Fonds oft 1,5 Prozent und mehr.
- Depotgebühr: bei vielen Direktbanken und Neobrokern null, bei Filialbanken oft 0,2 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Achte auf Mindestgebühren, die bei kleineren Depots prozentual stark ins Gewicht fallen.
- Transaktionskosten: jeder Verkauf für die Entnahme kostet Ordergebühr und Spread. Wer monatlich statt jährlich verkauft, zahlt zwölfmal statt einmal. Was das unterm Strich bedeutet, rechnen wir im Artikel monatlich oder jährlich entnehmen durch.
- Mantelkosten: Fondspolicen, Vermögensverwaltungen und Bankauszahlpläne bringen eigene Verwaltungskosten mit, häufig 0,5 bis 1,2 Prozent zusätzlich. Der Vergleich steht im Artikel Auszahlplan bei der Bank oder selbst gemacht.
Rechne für deinen Plan die Summe aller Posten als eine einzige Kostenquote und ziehe sie von der erwarteten Bruttorendite ab. Genau so behandelt der Rechner das auch. Die Steuer kommt separat obendrauf, dazu passt der Artikel zu Entnahmeplan und Steuern.
Was das praktisch heißt
Kosten sind der einzige Faktor im Entnahmeplan, den du sicher kennst und direkt beeinflussen kannst. Rendite, Inflation und Lebensdauer sind Annahmen, die Kostenquote steht im Vertrag. Ein Depotwechsel oder der Tausch eines teuren Fonds gegen einen breiten Index-ETF ist einmal Arbeit und wirkt danach jedes Jahr. Achte dabei auf die steuerlichen Folgen: Ein Verkauf löst Abgeltungsteuer auf die aufgelaufenen Gewinne aus, was den Vorteil je nach Restlaufzeit zeitweise auffrisst.
Rechne deine eigene Kostenquote durch
Trage im Entnahmeplan-Rechner einfach deine Bruttorendite minus deiner Gesamtkosten als Rendite ein und vergleiche das Ergebnis mit der Variante ohne Kosten. Die Differenz in Euro pro Monat ist der Preis, den du für dein aktuelles Depot zahlst.
Häufige Fragen
Wie stark senken 0,5 Prozent Kosten die Entnahme?
Bei 300.000 Euro, 6 Prozent Bruttorendite, 2 Prozent Inflation und 30 Jahren sinkt die monatliche Entnahme in heutiger Kaufkraft von 1.432 auf 1.348 Euro, also um 84 Euro im Monat oder rund 30.400 Euro über die Laufzeit. Bei 1,0 Prozent Kosten bleiben 1.266 Euro, bei 1,5 Prozent noch 1.187 Euro.
Warum kostet 0,5 Prozent Gebühr weniger Entnahme als die Gebühr selbst?
Weil die Gebühr auf den jeweils aktuellen Depotwert erhoben wird und der im Entnahmeplan schrumpft. Im ersten Jahr sind 0,5 Prozent auf 300.000 Euro noch 1.500 Euro, am Ende fast nichts. In Summe sind es über 30 Jahre trotzdem rund 33.600 Euro, und die tragbare Entnahme sinkt dadurch um 1.013 Euro pro Jahr in heutiger Kaufkraft.
Erhöhen Depotkosten auch das Risiko, dass das Geld nicht reicht?
Ja. Bei 300.000 Euro Kapital, 1.000 Euro monatlicher Entnahme, 15 Prozent Schwankung und 30 Jahren Zieldauer steigt die Pleitewahrscheinlichkeit in 3.000 simulierten Verläufen von 37 Prozent bei 0,2 Prozent Kosten auf 40 Prozent bei 0,5 Prozent, 46 Prozent bei 1,0 Prozent und 52 Prozent bei 1,5 Prozent.