Ratgeber Entnahmeplan

Welche Rendite brauche ich, damit mein Geld reicht?

Statt zu fragen, wie lange das Geld bei einer bestimmten Rendite reicht, rechnen wir hier rückwärts: Welche Rendite muss das Depot mindestens bringen, damit deine Entnahme über die geplante Dauer trägt?

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Wer jedes Jahr 4 Prozent des Startkapitals in heutiger Kaufkraft entnimmt und 30 Jahre auskommen muss, braucht bei 2 Prozent Inflation rechnerisch 3,24 Prozent Rendite pro Jahr, bei 5 Prozent Entnahme sind es 4,90 Prozent. Das ist die Untergrenze für eine perfekt gleichmäßige Rendite. Ein schwankendes Aktiendepot muss im Mittel deutlich mehr bringen: Im Beispiel mit 4,5 Prozent Entnahmerate genügen rechnerisch 4,10 Prozent, für höchstens 10 Prozent Pleiterisiko sind es je nach Schwankung 7,66 bis 9,71 Prozent.

Die Entnahmerate entscheidet, nicht der Betrag

Die nötige Rendite hängt nur vom Verhältnis zwischen Entnahme und Kapital ab, nicht von der absoluten Höhe. 4 Prozent Entnahmerate heißt: 4.000 Euro pro Jahr je 100.000 Euro Depot, bei 400.000 Euro also 16.000 Euro im Jahr oder rund 1.333 Euro im Monat. Die Entnahme steigt in allen Rechnungen jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation, die Kaufkraft bleibt also konstant.

Entnahmerate (heutige Kaufkraft)20 Jahre25 Jahre30 Jahre35 Jahre40 JahreKapital bleibt erhalten
3,0 %−2,53 %−0,14 %1,32 %2,28 %2,94 %5,06 %
3,5 %−1,24 %0,98 %2,32 %3,20 %3,79 %5,57 %
4,0 %−0,08 %2,00 %3,24 %4,04 %4,57 %6,08 %
4,5 %1,00 %2,95 %4,10 %4,83 %5,31 %6,59 %
5,0 %2,00 %3,83 %4,90 %5,57 %6,01 %7,10 %
6,0 %3,84 %5,47 %6,39 %6,96 %7,32 %8,12 %

Nötige nominale Rendite pro Jahr, 2 Prozent Inflation, Entnahme zum Jahresende, gleichmäßige Rendite, vor Kosten und Steuern. Rückwärts gelöst aus der Annuität auf den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1. Die letzte Spalte ist die ewige Entnahme: Der Realzins entspricht genau der Entnahmerate.

Drei Dinge fallen auf. Erstens: Bei kurzen Laufzeiten und niedriger Entnahme darf die Rendite sogar negativ sein, 3 Prozent über 20 Jahre tragen sich praktisch aus dem Kapital selbst. Zweitens: Jede zusätzliche Planungsdekade kostet Rendite, aber immer weniger, weil sich die Werte der Grenze für den Kapitalerhalt nähern. Drittens: Der Sprung zum dauerhaften Kapitalerhalt ist groß. Wer bei 4 Prozent Entnahme nie ans Kapital will, braucht 6,08 statt 3,24 Prozent. Warum das so ist, erklärt der Artikel Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.

Ein konkretes Beispiel: 400.000 Euro und 1.500 Euro im Monat

1.500 Euro monatlich sind 18.000 Euro im Jahr, bei 400.000 Euro also eine Entnahmerate von 4,5 Prozent. Wie viel Rendite das Depot dafür bringen muss, hängt an der Laufzeit und an der gewünschten Entnahme:

Variante (400.000 Euro Startkapital)Nötige Rendite
1.500 Euro monatlich über 20 Jahre1,00 %
1.500 Euro monatlich über 25 Jahre2,95 %
1.500 Euro monatlich über 30 Jahre4,10 %
1.500 Euro monatlich über 35 Jahre4,83 %
1.200 Euro monatlich über 30 Jahre2,51 %
1.800 Euro monatlich über 30 Jahre5,51 %
2.000 Euro monatlich über 30 Jahre6,39 %

Entnahme in heutiger Kaufkraft, jährlich um 2 Prozent Inflation steigend, gleichmäßige Rendite, vor Kosten und Steuern.

Bei 30 Jahren reichen 4,10 Prozent nominal, das sind real 2,06 Prozent. Ein Tagesgeld schafft das über drei Jahrzehnte kaum, eine Mischung mit nennenswertem Aktienanteil auf dem Papier schon. Wie die Rechnung ohne Aktien aussieht, steht im Artikel zum Entnahmeplan mit Tagesgeld.

Die Gegenprobe: Was echte Schwankung verlangt

Die Tabellen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Genau das tut ein Depot mit Aktien nicht. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht deshalb für jedes Jahr eine zufällige Rendite um den erwarteten Mittelwert und prüft, wie oft das Geld vor Ablauf der 30 Jahre aufgebraucht ist. Gleiche Annahmen wie im Beispiel: 400.000 Euro, 1.500 Euro monatlich, 30 Jahre.

Erwartete Rendite im MittelPleiterisiko bei 10 % SchwankungPleiterisiko bei 15 % Schwankung
4 %62,3 %67,5 %
5 %46,2 %55,8 %
6 %28,5 %44,6 %
7 %15,3 %33,0 %
8 %6,6 %22,8 %

Monte-Carlo mit 3.000 Verläufen, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen, 2 Prozent Inflation, starre Entnahme ohne Anpassung. 10 Prozent Schwankung entspricht etwa einem ausgewogenen Mischdepot, 15 Prozent einem weltweiten Aktiendepot.

Erzielt das Depot im Mittel genau die rechnerisch nötigen 4,10 Prozent, scheitert der Plan in 61,6 Prozent (10 Prozent Schwankung) bis 66,5 Prozent (15 Prozent Schwankung) der Verläufe. Die nötige Rendite aus der Annuität ist also keine Sicherheitsmarke, sondern eher eine Wette mit schlechten Chancen. Rückwärts gesucht ergibt die Simulation:

Zielbei 10 % Schwankungbei 15 % Schwankung
Rechnerische Mindestrendite (ohne Schwankung)4,10 %4,10 %
Höchstens 10 % Pleiterisiko7,66 %9,71 %
Höchstens 5 % Pleiterisiko8,34 %11,16 %

400.000 Euro, 1.500 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft, 30 Jahre, 3.000 Verläufe, Seed 42.

Renditen von 9 bis 11 Prozent im langjährigen Mittel sind für ein breit gestreutes Depot keine realistische Planungsgröße. Die ehrliche Folgerung lautet deshalb nicht „such dir eine höhere Rendite“, sondern: Eine Entnahmerate von 4,5 Prozent über 30 Jahre ist mit starrer Entnahme schwer abzusichern. Hebel mit mehr Wirkung sind eine niedrigere Startentnahme, eine kürzere Laufzeit durch die gesetzliche Rente als zweiten Topf oder die Bereitschaft, in schwachen Jahren zu kürzen. Welche Entnahmerate zu welchem Risiko passt, zeigt der Artikel Welche Entnahmerate ist wirklich sicher?

Steuern und Kosten erhöhen die nötige Rendite

Alle Werte oben sind vor Steuern und vor Kosten. Brauchst du 1.500 Euro netto, musst du mehr verkaufen. Bei hälftigem Gewinnanteil, 30 Prozent Teilfreistellung und ausgeschöpftem Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro sind dafür rund 1.628 Euro brutto im Monat nötig, und die nötige Rendite über 30 Jahre steigt von 4,10 auf 4,72 Prozent. Steckt schon 70 Prozent Gewinn in den Anteilen, sind es rund 1.697 Euro brutto und 5,04 Prozent Rendite. Details stehen im Artikel Entnahmeplan und Steuern.

Kosten wirken direkt: Jeder Zehntelprozentpunkt an Depot- und Fondskosten muss zusätzlich erwirtschaftet werden. Wer 4,10 Prozent nach Kosten braucht und 0,5 Prozent Kosten trägt, braucht 4,60 Prozent vor Kosten.

Nötige Rendite und Renditeannahme sind zwei Fragen

Die nötige Rendite beantwortet, was dein Plan verlangt. Die Renditeannahme beantwortet, was du realistisch erwarten darfst. Ein Plan ist nur dann belastbar, wenn die nötige Rendite spürbar unter der realistischen Erwartung liegt und die Monte-Carlo-Gegenprobe ein Risiko zeigt, mit dem du leben kannst. Wie man eine vorsichtige Annahme wählt, beschreibt der Artikel Welche Rendite darf ich im Entnahmeplan annehmen?

Rechne deinen eigenen Fall

Trage im Entnahmeplan-Rechner dein Kapital, deine Wunschentnahme und die geplante Dauer ein und verändere die Rendite, bis die Reichweite passt. Danach zeigt die Monte-Carlo-Simulation, wie wahrscheinlich der Plan mit echter Schwankung aufgeht, und das Steuermodul, was netto übrig bleibt. Weitere Rechenbeispiele findest du im Ratgeber.

Häufige Fragen

Welche Rendite brauche ich bei 4 Prozent Entnahme über 30 Jahre?

Rechnerisch 3,24 Prozent pro Jahr, wenn die Entnahme jährlich mit 2 Prozent Inflation steigt. Das entspricht einem Realzins von 1,22 Prozent. Diese Zahl gilt aber nur für eine Rendite, die jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Mit echter Schwankung braucht ein Depot im Durchschnitt deutlich mehr, um das Pleiterisiko klein zu halten.

Welche Rendite brauche ich, wenn mein Kapital nie kleiner werden soll?

Dann muss der Realzins mindestens so hoch sein wie die Entnahmerate. Bei 2 Prozent Inflation sind für 3 Prozent Entnahme 5,06 Prozent nominale Rendite nötig, für 4 Prozent Entnahme 6,08 Prozent und für 5 Prozent Entnahme 7,10 Prozent, jeweils vor Kosten und Steuern.

Warum reicht die rechnerisch nötige Rendite nicht aus?

Weil sie eine gleichmäßige Rendite unterstellt. Bei 400.000 Euro, 1.500 Euro Monatsentnahme und 30 Jahren genügen rechnerisch 4,10 Prozent. Erzielt ein schwankendes Depot im Mittel genau diese Rendite, scheitert der Plan in der Monte-Carlo-Simulation in rund 62 Prozent (10 Prozent Schwankung) bis 67 Prozent (15 Prozent Schwankung) der Verläufe. Für höchstens 10 Prozent Pleiterisiko braucht es im Mittel 7,66 beziehungsweise 9,71 Prozent.