Ratgeber Entnahmeplan

Wie lange reichen 120.000 Euro im Ruhestand?

120.000 Euro sind zu viel für ein bloßes Notpolster und zu wenig für ein komplettes Renteneinkommen. Wie weit das Depot trägt, hängt an Entnahmehöhe, Rendite und Inflation. Hier sind die Zahlen, ehrlich inflationsbereinigt.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Bei 500 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent Inflation) reichen 120.000 Euro ohne Rendite 16,7 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 22,4 Jahre, bei 5 Prozent 30,6 Jahre und bei 6 Prozent 39,9 Jahre. Wer mit 400 Euro im Monat auskommt, kommt bei 6 Prozent Rendite rechnerisch über 100 Jahre weit, weil die Entnahme dann fast genau auf dem realen Ertrag des Depots liegt. Bei 800 Euro im Monat sind es selbst mit 6 Prozent Rendite nur noch 17,5 Jahre.

Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)

Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real immer gleich viel leisten kannst. Das ist die Rechnung, die zum Leben passt, nicht die geschönte.

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)0 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
400 Euro20,1 Jahre28,8 Jahre45,9 Jahre102,2 Jahre
500 Euro16,7 Jahre22,4 Jahre30,6 Jahre39,9 Jahre
600 Euro14,3 Jahre18,3 Jahre23,2 Jahre27,6 Jahre
700 Euro12,5 Jahre15,5 Jahre18,8 Jahre21,4 Jahre
800 Euro11,1 Jahre13,4 Jahre15,8 Jahre17,5 Jahre

Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Auffällig ist, wie stark die Rendite bei kleinen Entnahmen hebelt und wie wenig bei großen. Bei 800 Euro im Monat bringt der Sprung von 0 auf 6 Prozent Rendite nur gut sechs Jahre mehr Reichweite, weil das Kapital schneller verbraucht ist, als der Zinseszins wirken kann. Bei 500 Euro sind es mehr als 23 Jahre.

400 Euro sind genau die 4-Prozent-Regel

400 Euro im Monat sind 4.800 Euro im Jahr und damit exakt 4,0 Prozent von 120.000 Euro. In der Durchschnittsrechnung sieht die berühmte Faustregel großartig aus: bei 6 Prozent Rendite über 100 Jahre Reichweite. Der Grund ist simpel. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation beträgt der Realzins 3,92 Prozent, das Depot wirft real also 392 Euro im Monat ab. Die 400 Euro liegen nur 8 Euro darüber, der Kapitalverzehr kriecht entsprechend langsam.

Genau das macht die Zahl aber trügerisch. Ein Depot, das jedes Jahr exakt 6 Prozent liefert, gibt es nicht. Fällt die Rendite auf 5 Prozent, schrumpft die Reichweite von 102 auf 46 Jahre, bei 3 Prozent auf 28,8 Jahre. Was hinter der Regel steckt und warum für Deutschland oft 3 bis 3,5 Prozent genannt werden, steht im Artikel zur 4-Prozent-Regel. Bei 120.000 Euro entsprechen 3 bis 3,5 Prozent einer Entnahme von 300 bis 350 Euro im Monat.

Warum die üblichen Rechner mehr versprechen

Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein: 600 Euro bleiben dort 600 Euro, auch in 25 Jahren. Dann reichen 120.000 Euro bei 5 Prozent Zins scheinbar 36,7 Jahre statt 23,2. Der Haken: Nach 25 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen dir 600 Euro nur noch so viel wie heute 366 Euro. Die längere Reichweite bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Deshalb rechnet unser Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten, nominal und real.

Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?

Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:

Geplante Dauer3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
10 Jahre1.055 Euro/Monat1.169 Euro/Monat1.228 Euro/Monat
15 Jahre720 Euro/Monat834 Euro/Monat894 Euro/Monat
20 Jahre553 Euro/Monat669 Euro/Monat731 Euro/Monat
25 Jahre453 Euro/Monat571 Euro/Monat635 Euro/Monat
30 Jahre386 Euro/Monat506 Euro/Monat573 Euro/Monat
35 Jahre339 Euro/Monat461 Euro/Monat530 Euro/Monat

Annahme: 2 Prozent Inflation, Kapital am Ende der Dauer vollständig verbraucht, vor Steuern.

Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation 392 Euro im Monat, bei 5 Prozent 294 Euro und bei 4 Prozent nur noch 196 Euro. Gegenüber einem 30-Jahres-Plan mit 5 Prozent Rendite (506 Euro) kostet Kapitalerhalt also gut 40 Prozent des Budgets. Ob sich dieser Verzicht lohnt, hängt davon ab, ob etwas für die Erben bleiben soll: siehe Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.

Die Zahlen sind Durchschnittswerte, dein Depot schwankt

Alle Tabellen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot schwankt, und die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre entscheidet mit. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht dafür 3.000 Zufallsverläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation, also ungefähr die Kennzahlen eines weltweiten Aktiendepots:

Entnahme pro MonatEntnahmeratePleiterisiko über 20 JahrePleiterisiko über 25 JahrePleiterisiko über 30 Jahre
250 Euro2,5 %1,3 %4,3 %8,9 %
300 Euro3,0 %3,3 %9,3 %15,1 %
400 Euro4,0 %11,3 %23,1 %34,1 %
500 Euro5,0 %25,2 %41,0 %53,5 %
600 Euro6,0 %42,6 %58,5 %69,6 %
700 Euro7,0 %57,9 %73,9 %81,3 %
800 Euro8,0 %71,6 %84,3 %88,9 %

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, normalverteilte Jahresrenditen, Erwartungswert 6 Prozent, Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, fester Startwert der Simulation. Pleite heißt: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.

Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der freundlichen Tabelle. Die 500 Euro, die im Durchschnitt bei 6 Prozent fast 40 Jahre halten, scheitern in 53,5 von 100 simulierten 30-Jahres-Verläufen. Wer über 30 Jahre unter 10 Prozent Pleiterisiko bleiben will, landet bei rund 260 Euro im Monat, das sind 9,7 Prozent gescheiterte Verläufe. Über 20 Jahre, etwa ab einem Rentenbeginn mit 70, sind dagegen schon 300 Euro mit 3,3 Prozent Pleiterisiko gut abgesichert.

Gleichzeitig geht die Spanne nach oben weit auf. Bei 400 Euro über 25 Jahre liegt das mittlere Restkapital bei 105.253 Euro, im guten Zehntel der Verläufe bei 525.499 Euro, im schlechten Zehntel ist das Depot leer. Aus denselben Annahmen wird also einmal nichts und einmal ein beachtliches Erbe. Was diese Wahrscheinlichkeiten aussagen und was nicht, steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation für den Ruhestand.

120.000 Euro als Brücke bis zur Rente

Für 120.000 Euro ist das oft die passendere Rolle: nicht lebenslanges Einkommen, sondern Überbrückung der Jahre bis zur gesetzlichen Rente. Bei 4 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation tragen 120.000 Euro diese Beträge, jeweils in heutiger Kaufkraft:

Brückendauer bis zur RenteMonatlich verfügbar (heutige Kaufkraft)
3 Jahre3.465 Euro
5 Jahre2.119 Euro
7 Jahre1.543 Euro
10 Jahre1.111 Euro

Annahme: 4 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Kapital am Ende der Brücke vollständig verbraucht.

Wer mit 63 statt 67 aufhören will, kommt mit 120.000 Euro also auf eine Brücke von gut 2.100 Euro über fünf Jahre oder gut 1.500 Euro über sieben Jahre. Diese Rechnung ist deutlich robuster als ein 30-Jahres-Plan, weil das Renditereihenfolge-Risiko weniger Zeit hat zu wirken. Für kurze Brücken sollte die Rendite trotzdem vorsichtig angesetzt werden, weil ein Crash im ersten Jahr kaum noch aufgeholt werden kann. Wie sich Depot und gesetzliche Rente sauber verzahnen lassen, zeigt der Artikel zur Brücke bis zur gesetzlichen Rente.

Was das Finanzamt nimmt

Besteuert wird beim ETF-Verkauf nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Bei 500 Euro Entnahme im Monat, also 6.000 Euro im Jahr, und einem Gewinnanteil von 50 Prozent fallen 290 Euro Steuer im Jahr an. Das sind 4,8 Prozent der Entnahme, obwohl der nominale Satz aus Abgeltungsteuer und Soli 26,375 Prozent beträgt. Wer netto 500 Euro im Monat braucht, muss brutto 527 Euro entnehmen.

Bei kleinen Entnahmen bleibt ein guter Teil sogar komplett steuerfrei. Die Grenze hängt am Gewinnanteil:

Gewinnanteil der verkauften AnteileSteuerfrei bis (eine Person)Steuerfrei bis (Paar)
30 %397 Euro/Monat794 Euro/Monat
40 %298 Euro/Monat595 Euro/Monat
50 %238 Euro/Monat476 Euro/Monat
60 %198 Euro/Monat397 Euro/Monat

Sparerpauschbetrag 1.000 Euro pro Person und Jahr, Teilfreistellung Aktienfonds 30 Prozent. Ohne weitere Kapitalerträge im selben Jahr.

Ein Paar, das gemeinsam 400 Euro im Monat entnimmt, zahlt bei einem Gewinnanteil bis 50 Prozent also gar keine Steuer. Dazu kommt bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale. Bei 120.000 Euro Fondswert und dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 2.688 Euro, nach Teilfreistellung 1.882 Euro steuerpflichtig. Das sind 496 Euro Steuer vor Sparerpauschbetrag. Eine Einzelperson ohne weitere Kapitalerträge zahlt nach Abzug des Pauschbetrags noch rund 233 Euro, und der Pauschbetrag steht dann für die Entnahme nicht mehr zur Verfügung. Die Vorabpauschale ist auf die tatsächliche Wertsteigerung des Jahres gedeckelt, in schwachen Börsenjahren fällt sie geringer aus oder ganz weg. Mehr dazu im Artikel zur Vorabpauschale 2026.

Rechne deinen eigenen Fall

Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Passt die Größenordnung nicht, hilft der Artikel zu 100.000 Euro oder zu 150.000 Euro.

Häufige Fragen

Wie lange reichen 120.000 Euro bei 500 Euro Entnahme im Monat?

Inflationsangepasst gerechnet, also mit einer Entnahme, die jährlich um 2 Prozent steigt und die Kaufkraft konstant hält: ohne Rendite 16,7 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 22,4 Jahre, bei 5 Prozent 30,6 Jahre und bei 6 Prozent 39,9 Jahre. Wer die Entnahme nominal einfriert, kommt rechnerisch weiter, verliert aber jedes Jahr Kaufkraft.

Wie viel kann ich aus 120.000 Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?

Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 3,92 Prozent Realzins, also 392 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es 294 Euro, bei 4 Prozent nur noch 196 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.

Wie hoch ist das Risiko, dass 120.000 Euro vorzeitig aufgebraucht sind?

In der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre scheitern bei 500 Euro monatlicher Entnahme 53,5 Prozent der 3.000 simulierten Verläufe. Bei 400 Euro, also der klassischen 4-Prozent-Entnahme, sind es 34,1 Prozent, bei 300 Euro 15,1 Prozent und bei 250 Euro 8,9 Prozent.