Kurzantwort: Das Restkapital am Ende eines Entnahmeplans ist keine Zahl, sondern eine Bandbreite. Wer 500.000 Euro anlegt, 1.500 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft entnimmt und 30 Jahre plant (6 Prozent erwartete Rendite, 15 Prozent Schwankung, 2 Prozent Inflation), hat im Median rund 502.000 Euro nominal übrig, im schlechten Zehntel der Verläufe nichts und im guten Zehntel rund 2.975.000 Euro. In 26 von 100 simulierten Verläufen ist das Geld sogar vor dem Jahr 30 alle. Wer den Erben etwas Verlässliches hinterlassen will, muss das Nachlassziel deshalb von Anfang an einplanen, statt auf den Rest zu hoffen.
Die Bandbreite: Restkapital nach 30 Jahren
Die folgende Tabelle stammt aus der Monte-Carlo-Simulation des Rechners: 3.000 zufällige Renditeverläufe, erwartete Rendite 6 Prozent, Schwankung 15 Prozent (grob ein weltweites Aktiendepot), Inflation 2 Prozent, Startkapital 500.000 Euro, Planungsdauer 30 Jahre. Die Entnahme steigt jedes Jahr mit der Inflation, die Kaufkraft bleibt also konstant.
| Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft) | Pleite vor Jahr 30 | Restkapital p10 (schlechtes Zehntel) | Restkapital Median | Restkapital p90 (gutes Zehntel) |
|---|---|---|---|---|
| 1.000 Euro | 7,5 % | 63.000 Euro | 1.015.000 Euro | 3.954.000 Euro |
| 1.250 Euro | 15,1 % | 0 Euro | 765.000 Euro | 3.315.000 Euro |
| 1.500 Euro | 26,1 % | 0 Euro | 502.000 Euro | 2.975.000 Euro |
| 1.750 Euro | 38,5 % | 0 Euro | 236.000 Euro | 2.438.000 Euro |
| 2.000 Euro | 50,1 % | 0 Euro | 0 Euro | 2.132.000 Euro |
| 2.500 Euro | 69,6 % | 0 Euro | 0 Euro | 1.304.000 Euro |
Startkapital 500.000 Euro, 3.000 Pfade, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen, Restkapital nominal am Ende von Jahr 30, vor Steuern. Werte auf volle 1.000 Euro gerundet.
Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens: Der Abstand zwischen schlechtem und gutem Zehntel ist gewaltig. Selbst bei einer bescheidenen Entnahme von 1.000 Euro liegen zwischen p10 und p90 fast vier Millionen Euro. Zweitens: Ab etwa 2.000 Euro Entnahme ist der Median null. Die Hälfte aller Verläufe endet dann ohne einen Cent Nachlass, obwohl das gute Zehntel immer noch über zwei Millionen Euro zeigt.
Nominal beeindruckt, real bleibt weniger
Die Zahlen oben sind nominal, also in den Euro des Jahres 30. Bei 2 Prozent Inflation über 30 Jahre entspricht ein Euro dann nur noch rund 55 Cent von heute (Faktor 1,81). Für den Erben zählt die Kaufkraft:
| Entnahme pro Monat | Median nominal | Median in heutiger Kaufkraft | p90 in heutiger Kaufkraft |
|---|---|---|---|
| 1.000 Euro | 1.015.000 Euro | 560.000 Euro | 2.183.000 Euro |
| 1.250 Euro | 765.000 Euro | 422.000 Euro | 1.830.000 Euro |
| 1.500 Euro | 502.000 Euro | 277.000 Euro | 1.642.000 Euro |
| 1.750 Euro | 236.000 Euro | 130.000 Euro | 1.346.000 Euro |
Umrechnung mit 2 Prozent Inflation über 30 Jahre. Mehr dazu im Artikel Inflation im Entnahmeplan.
Warum der Median unter der Durchschnittsrechnung liegt
Rechnet man denselben Fall mit einer festen Rendite von 6 Prozent statt mit Schwankung, sieht es viel freundlicher aus. Bei 1.500 Euro monatlicher Entnahme reicht das Kapital rechnerisch ewig und im Jahr 30 stehen 1.066.898 Euro auf dem Papier. Die Simulation kommt im Median nur auf rund 502.000 Euro, also weniger als die Hälfte.
| Entnahme pro Monat | Feste 6 % Rendite: Kapital in Jahr 30 | Simulation: Median | Differenz |
|---|---|---|---|
| 1.000 Euro | 1.669.000 Euro | 1.015.000 Euro | −654.000 Euro |
| 1.250 Euro | 1.368.000 Euro | 765.000 Euro | −603.000 Euro |
| 1.500 Euro | 1.067.000 Euro | 502.000 Euro | −565.000 Euro |
| 1.750 Euro | 766.000 Euro | 236.000 Euro | −530.000 Euro |
| 2.000 Euro | 465.000 Euro | 0 Euro | −465.000 Euro |
Der Grund ist das Renditereihenfolge-Risiko: Wer in schlechten Jahren Anteile verkaufen muss, verkauft mehr Stücke für dasselbe Geld, und diese Stücke fehlen in der Erholung dauerhaft. Eine glatte Durchschnittsrendite gibt es an der Börse nicht. Wer sein Erbe an der Durchschnittsrechnung ausrichtet, plant systematisch zu optimistisch. Wie die Simulation genau funktioniert, steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation im Ruhestand.
Was ein geplanter Nachlass kostet
Sicherer wird es, wenn das Nachlassziel Teil der Rechnung ist. Man legt dafür den Barwert des gewünschten Restkapitals beiseite und verteilt nur den Rest auf die Entnahmejahre. Bei 500.000 Euro Startkapital, 6 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation und 30 Jahren:
| Nachlassziel (heutige Kaufkraft) | Reservierter Barwert | Mögliche Entnahme pro Monat | Verzicht gegenüber Vollverzehr | Simulierte Pleitewahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|---|
| 0 Euro (Vollverzehr) | 0 Euro | 2.387 Euro | 0 Euro | 66,4 % |
| 100.000 Euro | 31.538 Euro | 2.236 Euro | 151 Euro | 59,8 % |
| 250.000 Euro | 78.844 Euro | 2.010 Euro | 377 Euro | 50,7 % |
| 500.000 Euro | 157.688 Euro | 1.634 Euro | 753 Euro | 32,3 % |
Barwert des Nachlassziels abgezinst mit dem Realzins von 3,92 Prozent, Restkapital dann über die Annuität verteilt. Pleitewahrscheinlichkeit aus 3.000 simulierten Verläufen mit 15 Prozent Schwankung.
Die letzte Zeile ist der interessante Fall: Ein Nachlassziel von 500.000 Euro in heutiger Kaufkraft entspricht genau dem Kapitalerhalt. Entnommen wird dann nur der reale Ertrag von 1.634 Euro im Monat, das Kapital bleibt real erhalten und dauert theoretisch ewig. Mehr zu dieser Grundsatzentscheidung steht unter Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.
Das Erbe ist gleichzeitig dein Sicherheitspuffer
Der wichtigste Punkt wird oft übersehen: Ein eingeplanter Nachlass kostet nicht nur Budget, er kauft auch Sicherheit. In der Tabelle oben halbiert sich die Pleitewahrscheinlichkeit von 66,4 auf 32,3 Prozent, wenn 500.000 Euro als Ziel reserviert werden. Das reservierte Kapital liegt ja nicht in einem Tresor, sondern arbeitet weiter im Depot und steht im Notfall zur Verfügung, etwa für Pflegekosten oder eine überraschend lange Lebenszeit.
Anders gesagt: Wer bis zum letzten Euro plant, hat weder ein Erbe noch einen Puffer. Wer mit Puffer plant, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit beides, weil der Puffer im Normalfall eben nicht gebraucht wird. Ein Nachlass ist dann das statistisch wahrscheinliche Nebenprodukt einer vorsichtigen Planung, kein Verzicht ohne Gegenwert.
Steuerlatenz: Der Nachlass ist weniger wert, als der Depotauszug zeigt
Ein geerbtes ETF-Depot enthält aufgelaufene, noch nicht versteuerte Kursgewinne. Erben treten in die Anschaffungsdaten ein, die Steuer wird also nicht durch den Erbfall ausgelöst, sondern erst beim Verkauf. Was das ausmacht, zeigt ein Nachlass von rund 502.000 Euro in einem Aktienfonds mit 30 Prozent Teilfreistellung:
| Gewinnanteil im Depot | Kapitalertragsteuer bei Komplettverkauf | Netto für die Erben | Effektiv auf den Depotwert |
|---|---|---|---|
| 50 % | 46.106 Euro | 456.206 Euro | 9,2 % |
| 60 % | 55.380 Euro | 446.932 Euro | 11,0 % |
| 70 % | 64.654 Euro | 437.658 Euro | 12,9 % |
Kapitalertragsteuer 25 Prozent plus Soli, zusammen 26,375 Prozent, Teilfreistellung Aktienfonds 30 Prozent, ein Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro berücksichtigt, keine Kirchensteuer. Vereinfachte Modellrechnung, mehr dazu unter Entnahmeplan und Steuern.
Rund 9 bis 13 Prozent des Depotwerts sind also latent bereits verplant. Dazu kann die Erbschaftsteuer kommen, die eigene Freibeträge und Steuerklassen kennt und vom Verwandtschaftsverhältnis abhängt. Das ist ein Fall für die Steuerberatung und lässt sich nicht mit einem Entnahmeplan-Rechner erledigen.
Drei praktische Schlüsse
- Nachlassziel benennen, nicht hoffen. Ein konkreter Zielbetrag in heutiger Kaufkraft macht aus dem Zufallsrest eine Planungsgröße.
- Auf den Median schauen, nicht auf den Durchschnitt. Die Durchschnittsrechnung überschätzt das Restkapital in diesem Beispiel um mehr als eine halbe Million Euro.
- Netto denken. Vom Depotwert gehen für die Erben grob ein Zehntel latente Kapitalertragsteuer ab, bevor die Erbschaftsteuer überhaupt geprüft wird.
Rechne deinen eigenen Fall
Anderes Kapital, andere Entnahme, anderer Zeithorizont: Der Entnahmeplan-Rechner zeigt dir Reichweite, Pleitewahrscheinlichkeit und die Restkapital-Perzentile p10, Median und p90 direkt für deine Zahlen, inklusive Steuermodul für ETF-Entnahmen.
Häufige Fragen
Wie viel Restkapital bleibt am Ende eines Entnahmeplans?
Das ist keine Zahl, sondern eine Bandbreite. Beispiel: 500.000 Euro Startkapital, 1.500 Euro monatliche Entnahme in heutiger Kaufkraft, 6 Prozent erwartete Rendite, 15 Prozent Schwankung, 2 Prozent Inflation, 30 Jahre. In 3.000 simulierten Verläufen bleiben im Median rund 502.000 Euro nominal übrig, im schlechten Zehntel gar nichts und im guten Zehntel rund 2.975.000 Euro. In 26 von 100 Verläufen ist das Kapital vor dem Jahr 30 aufgebraucht.
Was kostet es, den Erben etwas zu hinterlassen?
Bei 500.000 Euro, 6 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation und 30 Jahren Planungsdauer sind ohne Nachlassziel rechnerisch 2.387 Euro im Monat möglich. Für einen geplanten Nachlass von 250.000 Euro in heutiger Kaufkraft sinkt die Entnahme auf 2.010 Euro, für 500.000 Euro auf 1.634 Euro. Der Verzicht kauft gleichzeitig Sicherheit: Die simulierte Pleitewahrscheinlichkeit fällt dabei von 66,4 auf 32,3 Prozent.
Müssen Erben auf ein geerbtes Depot Steuern zahlen?
Erben übernehmen die Anschaffungsdaten des Depots, die aufgelaufenen Kursgewinne bleiben also steuerlich hängen und werden erst beim Verkauf fällig. Bei einem Nachlass von rund 502.000 Euro mit 60 Prozent Gewinnanteil im Aktienfonds fallen bei sofortigem Komplettverkauf rund 55.000 Euro Kapitalertragsteuer an, also etwa 11 Prozent des Depotwerts. Die Erbschaftsteuer mit ihren Freibeträgen kommt gegebenenfalls zusätzlich dazu und gehört in die Hand eines Steuerberaters.