Ratgeber Entnahmeplan

Kirchensteuer im Entnahmeplan: Was kostet sie bei ETF-Entnahmen?

Wer Kirchenmitglied ist, zahlt auch auf die Gewinne aus dem Depot Kirchensteuer. Wie viel das im Ruhestand ausmacht, ist weniger, als viele befürchten. Hier sind die Zahlen, gerechnet für typische Entnahmen.

Keine Anlageberatung und keine Steuerberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Mit Kirchensteuer steigt der Steuersatz auf Kapitalerträge von 26,375 Prozent auf 27,82 Prozent (8 Prozent Kirchensteuer) oder 28,00 Prozent (9 Prozent). Bei einer ETF-Entnahme von 2.000 Euro im Monat mit 50 Prozent Gewinnanteil kostet das 107 bis 120 Euro im Jahr, also rund 9 bis 10 Euro im Monat. Die Kirchensteuer selbst ist höher, doch weil sie die Abgeltungsteuer mindert, steigt die Gesamtbelastung nur um etwa 1,4 bis 1,6 Prozentpunkte auf den steuerpflichtigen Ertrag.

Der effektive Steuersatz mit Kirchensteuer

Die Kirchensteuer beträgt 8 Prozent der Abgeltungsteuer in Bayern und Baden-Württemberg und 9 Prozent in den übrigen Bundesländern. Sie wird aber nicht einfach oben draufgerechnet: Als Sonderausgabe senkt sie die Bemessung der Abgeltungsteuer. Die Abgeltungsteuer beträgt dann 25 Prozent geteilt durch (1 + Kirchensteuersatz mal 0,25), darauf kommen Soli und Kirchensteuer.

KirchensteuerSatz auf den steuerpflichtigen ErtragEffektiv auf den Gewinnanteil eines Aktien-ETF
keine26,375 %18,46 %
8 % (Bayern, Baden-Württemberg)27,82 %19,47 %
9 % (übrige Bundesländer)28,00 %19,60 %

Effektiv auf den Gewinnanteil: nach 30 Prozent Teilfreistellung für Aktienfonds, vor Sparerpauschbetrag.

Was die Kirchensteuer pro Jahr kostet

Beim Entsparen ist nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile steuerpflichtig. Die folgende Tabelle rechnet mit 50 Prozent Gewinnanteil, 30 Prozent Teilfreistellung und 1.000 Euro Sparerpauschbetrag für eine Einzelperson.

Entnahme pro Jahr (pro Monat)Steuer ohne KiStmit 8 % KiStmit 9 % KiStMehrkosten pro Jahr (8 % / 9 %)
12.000 Euro (1.000 Euro)844 Euro (7,03 %)890 Euro (7,42 %)896 Euro (7,47 %)46 / 52 Euro
24.000 Euro (2.000 Euro)1.952 Euro (8,13 %)2.059 Euro (8,58 %)2.072 Euro (8,63 %)107 / 120 Euro
36.000 Euro (3.000 Euro)3.060 Euro (8,50 %)3.227 Euro (8,96 %)3.247 Euro (9,02 %)167 / 188 Euro
60.000 Euro (5.000 Euro)5.275 Euro (8,79 %)5.564 Euro (9,27 %)5.599 Euro (9,33 %)289 / 324 Euro

In Klammern: Steuer als Anteil der Brutto-Entnahme. Aktienfonds, Gewinnanteil 50 Prozent, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro, Einzelperson.

Die Kirchensteuer verschiebt die effektive Steuerquote auf die gesamte Entnahme also nur um 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte. Für die Frage, wie viel du monatlich entnehmen kannst, ist sie ein Detail, keine Stellschraube.

Warum die Kirchensteuer höher ist als die Mehrbelastung

Ein Blick in die Einzelposten zeigt den Sonderausgaben-Effekt. Beispiel: 24.000 Euro Entnahme, 50 Prozent Gewinnanteil, nach Teilfreistellung und Pauschbetrag bleiben 7.400 Euro steuerpflichtiger Ertrag.

Postenohne Kirchensteuermit 9 % Kirchensteuer
Abgeltungsteuer1.850,00 Euro1.809,29 Euro
Solidaritätszuschlag101,75 Euro99,51 Euro
Kirchensteuer0,00 Euro162,84 Euro
Summe1.951,75 Euro2.071,64 Euro

Die Kirchensteuer beträgt 162,84 Euro, die Gesamtsteuer steigt aber nur um 119,89 Euro, weil Abgeltungsteuer und Soli gleichzeitig um zusammen rund 43 Euro sinken.

Je höher der Gewinnanteil, desto mehr Kirchensteuer

Im Lauf eines langen Entnahmeplans steigt der Gewinnanteil der verkauften Anteile, weil zuerst die ältesten und am stärksten gestiegenen Anteile verkauft werden (FIFO-Prinzip). Damit wächst auch der Kirchensteuer-Effekt. Gerechnet für 24.000 Euro Jahresentnahme:

GewinnanteilSteuer ohne KiStmit 8 % KiStmit 9 % KiStMehrkosten (8 % / 9 %)
30 %1.066 Euro1.124 Euro1.131 Euro58 / 65 Euro
50 %1.952 Euro2.059 Euro2.072 Euro107 / 120 Euro
70 %2.838 Euro2.993 Euro3.012 Euro155 / 174 Euro
100 %4.167 Euro4.395 Euro4.423 Euro228 / 256 Euro

Aktienfonds, 30 Prozent Teilfreistellung, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro, Einzelperson.

Wie viel brutto brauche ich für mein Netto?

Wer ein festes Netto-Budget plant, muss mit Kirchensteuer etwas mehr aus dem Depot verkaufen. Bei 50 Prozent Gewinnanteil gilt:

Gewünschte Nettoentnahme pro MonatBrutto ohne KiStmit 8 % KiStmit 9 % KiSt
2.000 Euro2.179 Euro2.190 Euro2.191 Euro
3.000 Euro3.281 Euro3.298 Euro3.300 Euro

Der Aufschlag durch die Kirchensteuer liegt also bei 11 bis 19 Euro brutto im Monat. Für Paare verdoppelt sich der Sparerpauschbetrag auf 2.000 Euro: Bei 36.000 Euro gemeinsamer Jahresentnahme und 50 Prozent Gewinnanteil steigt die Steuer mit 9 Prozent Kirchensteuer von 2.796 Euro auf 2.967 Euro. Mehr dazu im Artikel zum Sparerpauschbetrag für Paare.

Kirchensteuer auf die Vorabpauschale

Thesaurierende ETF lösen jedes Jahr eine Vorabpauschale aus, auch ohne Verkauf. Sie ist ein normaler Kapitalertrag und damit ebenfalls kirchensteuerpflichtig. Mit dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich (Näherung, vor Sparerpauschbetrag, volle Wertsteigerung unterstellt):

FondswertVorabpauschaleSteuer ohne KiStmit 8 % KiStmit 9 % KiSt
300.000 Euro6.720 Euro1.241 Euro1.309 Euro1.317 Euro
500.000 Euro11.200 Euro2.068 Euro2.181 Euro2.195 Euro
1.000.000 Euro22.400 Euro4.136 Euro4.362 Euro4.390 Euro

Die Vorabpauschale ist keine zusätzliche Steuer, sondern eine vorgezogene: Sie wird beim späteren Verkauf angerechnet. Details erklärt der Artikel zur Vorabpauschale 2026.

Wie die Kirchensteuer abgeführt wird

Die Depotbank fragt die Religionszugehörigkeit einmal im Jahr beim Bundeszentralamt für Steuern ab und behält die Kirchensteuer automatisch mit ein. Wer der Datenweitergabe widersprochen hat (Sperrvermerk), muss die Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben, die Kirchensteuer wird dann dort festgesetzt. Unterhalb des Sparerpauschbetrags fällt keine Kirchensteuer an: Bei 50 Prozent Gewinnanteil bleibt eine Einzelperson mit bis zu rund 2.857 Euro Entnahme im Jahr komplett steuerfrei, mit und ohne Kirchenmitgliedschaft. Wann das genau gilt, zeigt der Artikel Wann ist meine Entnahme komplett steuerfrei?

Rechne deinen eigenen Fall

Im Steuermodul des Entnahmeplan-Rechners kannst du 8 oder 9 Prozent Kirchensteuer auswählen und siehst sofort Steuer, Nettoentnahme und effektive Steuerquote, dazu Reichweite und Pleitewahrscheinlichkeit. Den Gesamtüberblick über alle Steuern beim Entsparen gibt der Ratgeber Entnahmeplan und Steuern.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Steuersatz auf ETF-Gewinne mit Kirchensteuer?

Ohne Kirchensteuer 26,375 Prozent, mit 8 Prozent Kirchensteuer (Bayern, Baden-Württemberg) 27,82 Prozent, mit 9 Prozent (übrige Bundesländer) 28,00 Prozent. Weil die Kirchensteuer als Sonderausgabe die Abgeltungsteuer mindert, steigt der Satz nur um rund 1,4 bis 1,6 Prozentpunkte.

Wie viel kostet die Kirchensteuer bei einer Entnahme von 2.000 Euro im Monat?

Bei 24.000 Euro Jahresentnahme, 50 Prozent Gewinnanteil, Aktien-ETF und 1.000 Euro Sparerpauschbetrag steigt die Steuer von 1.952 Euro auf 2.059 Euro (8 Prozent) oder 2.072 Euro (9 Prozent) im Jahr. Das sind 107 bis 120 Euro Mehrbelastung, rund 9 bis 10 Euro im Monat.

Fällt Kirchensteuer auch auf die Vorabpauschale an?

Ja, die Vorabpauschale ist ein normaler Kapitalertrag. Bei 500.000 Euro in einem thesaurierenden Aktien-ETF und 3,20 Prozent Basiszins steigt die Steuer darauf vor Sparerpauschbetrag von rund 2.068 Euro auf 2.181 Euro (8 Prozent) oder 2.195 Euro (9 Prozent).