Kurzantwort: Wer mit 65 aufhört, 500.000 Euro im Depot hat und ab 67 mit 1.400 Euro gesetzlicher Rente rechnet, kann bis 95 rechnerisch rund 3.374 Euro im Monat ausgeben (5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Kaufkraft konstant). Mit realistischer Aktienschwankung scheitert dieser Plan aber in rund 61 von 100 simulierten Verläufen. Ein Budget von rund 2.430 Euro im Monat drückt das Pleiterisiko auf 10 Prozent, rund 2.260 Euro auf 5 Prozent.
Die Rechnung: kurze Brücke, lange Lücke
Ein Ruhestand ab 65 bis zum Alter 95 dauert 30 Jahre und besteht aus zwei ungleichen Teilen:
- Die Brücke (65 bis 67): Zwei Jahre zahlt das Depot den kompletten Lebensunterhalt.
- Die Lücke (67 bis 95): 28 Jahre lang läuft die gesetzliche Rente, das Depot ergänzt nur die Differenz zum Budget.
Gerechnet wird über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1, also mit derselben Formel wie im Entnahmeplan-Rechner. Alle Beträge sind in heutiger Kaufkraft angegeben, nominal steigen Budget und Rente jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation.
Welches Budget trägt dein Kapital bis 95?
Annahmen: gesetzliche Rente ab 67 in Höhe von 1.400 Euro netto (heutige Kaufkraft), Plan bis Alter 95, 2 Prozent Inflation, konstante Rendite. Das Budget ist der Gesamtbetrag pro Monat, also Depot plus Rente ab 67.
| Kapital mit 65 | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 300.000 Euro | 2.259 Euro | 2.530 Euro | 2.681 Euro |
| 400.000 Euro | 2.581 Euro | 2.952 Euro | 3.158 Euro |
| 500.000 Euro | 2.903 Euro | 3.374 Euro | 3.635 Euro |
| 600.000 Euro | 3.225 Euro | 3.796 Euro | 4.113 Euro |
| 800.000 Euro | 3.869 Euro | 4.640 Euro | 5.067 Euro |
Monatsbudget in heutiger Kaufkraft, vor Steuern, Entnahme jeweils zum Jahresende. Das Kapital ist mit 95 planmäßig aufgebraucht.
Zum Vergleich: Ganz ohne gesetzliche Rente würden 500.000 Euro bei 5 Prozent Rendite über 30 Jahre nur rund 2.110 Euro im Monat tragen. Die Rente ab 67 hebt das Budget also um gut 1.260 Euro, obwohl sie selbst 1.400 Euro beträgt, denn die ersten zwei Jahre muss das Depot allein stemmen.
So stark zählt jeder Euro Rente
Die Höhe der gesetzlichen Rente ist die zweite große Stellschraube. Hier das tragbare Budget bis 95 bei 500.000 Euro Kapital:
| Gesetzliche Rente ab 67 | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 1.000 Euro | 2.534 Euro | 3.013 Euro | 3.279 Euro |
| 1.200 Euro | 2.719 Euro | 3.193 Euro | 3.457 Euro |
| 1.400 Euro | 2.903 Euro | 3.374 Euro | 3.635 Euro |
| 1.600 Euro | 3.088 Euro | 3.555 Euro | 3.814 Euro |
| 1.800 Euro | 3.273 Euro | 3.735 Euro | 3.992 Euro |
Jede 200 Euro Rente mehr bringen rund 180 Euro Budget mehr. Achtung: Wer mit 65 aufhört, zahlt zwei Jahre keine Beiträge mehr. Die Renteninformation geht aber von durchgehender Beitragszahlung bis 67 aus. Rechne deshalb eher mit einem etwas kleineren Wert.
Bis 90, bis 95 oder bis 100?
Wer mit 65 aufhört, sollte nicht zu knapp planen. Ein Teil der heute 65-Jährigen wird deutlich älter als 90. So viel kostet der längere Horizont bei 500.000 Euro Kapital und 1.400 Euro Rente:
| Kapital soll reichen bis | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| Alter 85 (20 Jahre) | 3.552 Euro | 4.006 Euro | 4.251 Euro |
| Alter 90 (25 Jahre) | 3.162 Euro | 3.624 Euro | 3.877 Euro |
| Alter 95 (30 Jahre) | 2.903 Euro | 3.374 Euro | 3.635 Euro |
| Alter 100 (35 Jahre) | 2.719 Euro | 3.199 Euro | 3.469 Euro |
Fünf zusätzliche Jahre bis 95 kosten bei 5 Prozent Rendite rund 250 Euro Budget im Monat, die nächsten fünf bis 100 nur noch rund 175 Euro. Die Absicherung gegen ein langes Leben ist also bezahlbar. Mehr zur Wahl des Horizonts steht im Artikel zum Planungshorizont im Entnahmeplan.
Der Haken: Durchschnitt ist nicht gleich sicher
Alle Tabellen oben unterstellen eine Rendite, die jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein Aktiendepot schwankt aber, und schlechte Jahre am Anfang wiegen schwerer als am Ende. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners (6 Prozent Erwartungswert, 15 Prozent Schwankung, 3.000 Verläufe, 2 Prozent Inflation) zeigt für 500.000 Euro Kapital und 1.400 Euro Rente:
| Budget pro Monat | Brücke auf Tagesgeld | Depot ab 67 | Pleiterisiko bis 95 |
|---|---|---|---|
| 2.260 Euro | 54.240 Euro | 445.760 Euro | 5,0 % |
| 2.430 Euro | 58.320 Euro | 441.680 Euro | 10,0 % |
| 2.660 Euro | 63.840 Euro | 436.160 Euro | 20,0 % |
| 3.000 Euro | 72.000 Euro | 428.000 Euro | 38,8 % |
| 3.374 Euro (Durchschnitt 5 %) | 80.976 Euro | 419.024 Euro | 60,7 % |
Modell: Die Brücke liegt auf dem Tagesgeld mit 2 Prozent Zins, also gerade Inflationsausgleich, und kostet damit 24 Monatsbudgets. Der Rest bildet das Depot, aus dem ab 67 die Lücke zum Budget über 28 Jahre entnommen wird. Vereinfachend startet die Simulation mit dem Depotwert ohne Wachstum in den zwei Brückenjahren, das ist eher vorsichtig gerechnet.
Die Durchschnittsrechnung ist damit eine Obergrenze, kein Planwert. Wer ein Restrisiko von höchstens 10 Prozent akzeptiert, kommt bei 500.000 Euro auf rund 2.430 Euro im Monat, also rund 940 Euro weniger als im Durchschnitt. Im mittleren Verlauf bleibt dabei mit 95 sogar noch viel Geld übrig, im ungünstigsten Zehntel ist das Depot fast genau leer. Wie das Renditereihenfolge-Risiko wirkt, erklärt der Artikel zur 4-Prozent-Regel.
Budget mit 10 Prozent Restrisiko nach Kapital
Dieselbe Simulation für andere Kapitalbeträge, jeweils mit 1.400 Euro Rente ab 67 und Plan bis 95:
| Kapital mit 65 | Budget bei höchstens 10 % Pleiterisiko | Durchschnittsrechnung 5 % |
|---|---|---|
| 300.000 Euro | 1.980 Euro | 2.530 Euro |
| 400.000 Euro | 2.200 Euro | 2.952 Euro |
| 500.000 Euro | 2.430 Euro | 3.374 Euro |
| 600.000 Euro | 2.630 Euro | 3.796 Euro |
| 800.000 Euro | 3.070 Euro | 4.640 Euro |
Budget in 10-Euro-Schritten so hoch gewählt, dass das Pleiterisiko höchstens 10 Prozent beträgt. Seed 42, 3.000 Verläufe.
Warum die Brücke aufs Tagesgeld gehört
Die zwei Jahre bis 67 sind kurz und deshalb gut planbar: 24 Monatsbudgets, bei 3.000 Euro also rund 72.000 Euro. Dieses Geld wird in wenigen Monaten gebraucht und hat keine Zeit, einen Kurseinbruch auszusitzen. Ein Crash im ersten Jahr würde sonst genau die Anteile treffen, die du gerade verkaufen musst. Mit 65 ist die Brücke viel kleiner als beim Ausstieg mit 60, wo sie sieben Jahre lang den vollen Bedarf tragen muss. Wie die Rechnung dort aussieht, zeigt der Artikel Mit 60 in Rente: Wie viel Geld brauche ich?. Wer das Aufteilen in Töpfe genauer verstehen will, findet die Methode im Ratgeber Rentenlücke überbrücken.
Steuern auf die Entnahme
Ab 67 entnimmst du im Beispiel mit 2.430 Euro Budget nur noch 1.030 Euro im Monat aus dem Depot, also 12.360 Euro im Jahr. Steuerpflichtig ist nur der Gewinnanteil, bei Aktien-ETF nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich 1.000 Euro Sparerpauschbetrag. Liegt der Gewinnanteil bei 30 Prozent, fallen rund 421 Euro Steuer im Jahr an (3,4 Prozent der Entnahme). Bei 50 Prozent Gewinnanteil sind es rund 877 Euro (7,1 Prozent), netto bleiben dann rund 957 Euro im Monat. Paare mit zwei Pauschbeträgen zahlen entsprechend weniger, Details im Artikel Steuern im Entnahmeplan.
Was in dieser Rechnung noch fehlt
- Krankenversicherung: Zwischen 65 und 67 zahlst du deinen Beitrag ohne Zuschuss der Rentenversicherung selbst. Rechne ihn ins Budget der Brückenjahre ein.
- Rente mit Abschlag: Wer die gesetzliche Rente schon mit 65 abruft, braucht keine Brücke, bekommt sie aber dauerhaft gekürzt. In diesem Modell startet die Rente regulär mit 67.
- Einmalausgaben: Auto, Dach oder Pflege kommen obendrauf. Wie du sie einplanst, steht im Artikel zur Einmalausgabe im Entnahmeplan.
Rechne deinen eigenen Fall
Anderes Kapital, andere Rente, anderer Horizont: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Wer später aufhören will, findet die Zahlen im Artikel Mit 70 in Rente, alle Ratgeber stehen in der Übersicht.
Häufige Fragen
Reichen 500.000 Euro, wenn ich mit 65 in Rente gehe?
Mit 1.400 Euro gesetzlicher Rente ab 67 und 2 Prozent Inflation trägt ein Depot von 500.000 Euro rechnerisch bis 95 ein Gesamtbudget von rund 3.374 Euro im Monat bei 5 Prozent Rendite. Mit realistischer Schwankung scheitert dieser Plan aber in rund 61 von 100 simulierten Verläufen. Für ein Pleiterisiko von höchstens 10 Prozent liegt das Budget eher bei 2.430 Euro im Monat.
Wie viel kostet die Brücke von 65 bis 67?
Zwei Jahre Vollversorgung kosten ungefähr 24 Monatsbudgets. Bei 3.000 Euro Budget sind das rund 72.000 Euro, die sicher angelegt auf dem Tagesgeld liegen sollten. Das ist deutlich weniger als die sieben Brückenjahre beim Ausstieg mit 60.
Wie viel Budget kostet es, bis 95 statt bis 90 zu planen?
Bei 500.000 Euro Kapital, 1.400 Euro Rente ab 67 und 5 Prozent Rendite sinkt das tragbare Budget von rund 3.624 Euro (bis 90) auf rund 3.374 Euro (bis 95), also um etwa 250 Euro im Monat. Bis 100 wären es noch rund 3.199 Euro.