Ratgeber Entnahmeplan

Wie lange reichen 50.000 Euro im Ruhestand?

50.000 Euro sind eine typische Größe für ein zweites Standbein neben der Rente. Hier steht, wie weit das Geld wirklich trägt, inflationsbereinigt gerechnet und mit Blick auf das Risiko.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Bei 300 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft reichen 50.000 Euro ohne Rendite gut 12 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 15,0 Jahre, bei 5 Prozent 18,1 Jahre und bei 6 Prozent 20,5 Jahre. Wer sich mit 200 Euro im Monat begnügt, kommt bei 6 Prozent Rendite auf 44,1 Jahre. Bei 500 Euro monatlich ist dagegen selbst mit 6 Prozent nach 10,3 Jahren Schluss. Alle Werte gehen von 2 Prozent Inflation aus, die Entnahme steigt also jedes Jahr mit, damit die Kaufkraft konstant bleibt.

Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)

Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real dauerhaft gleich viel leisten kannst. Das ist die realistische Rechnung, nicht die geschönte.

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)0 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
200 Euro17,3 Jahre23,4 Jahre32,7 Jahre44,1 Jahre
300 Euro12,2 Jahre15,0 Jahre18,1 Jahre20,5 Jahre
400 Euro9,4 Jahre11,0 Jahre12,6 Jahre13,7 Jahre
500 Euro7,6 Jahre8,7 Jahre9,7 Jahre10,3 Jahre

Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern und Kosten. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Auffällig ist, wie stark die Rendite bei kleinen Entnahmen wirkt und wie wenig bei großen. Bei 200 Euro im Monat verlängern 6 statt 3 Prozent Rendite die Reichweite um fast 21 Jahre. Bei 500 Euro im Monat sind es nur noch rund 1,6 Jahre. Der Grund: Bei hoher Entnahmequote ist das Kapital schon weg, bevor der Zinseszins überhaupt arbeiten kann.

Warum viele Rechner mehr versprechen

Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein. 300 Euro bleiben dort 300 Euro, auch im Jahr 2046. Dann reichen 50.000 Euro bei 5 Prozent Rendite scheinbar 24,3 Jahre statt 18,1. Der Haken steckt in der Kaufkraft: Nach 20 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen 300 Euro nur noch so viel wie heute rund 202 Euro. Die längeren sechs Jahre bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Mehr dazu im Artikel dynamische gegen feste Entnahme.

Auch die Inflationsannahme selbst zählt. Steigen die Preise mit 3 statt 2 Prozent, schrumpft die Reichweite bei 300 Euro und 5 Prozent Rendite von 18,1 auf 16,3 Jahre. Ein Prozentpunkt Inflation kostet hier also fast zwei Jahre.

Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?

Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:

Geplante Dauer3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
10 Jahre439 Euro/Monat487 Euro/Monat512 Euro/Monat
15 Jahre300 Euro/Monat348 Euro/Monat373 Euro/Monat
20 Jahre230 Euro/Monat279 Euro/Monat304 Euro/Monat
25 Jahre189 Euro/Monat238 Euro/Monat265 Euro/Monat
30 Jahre161 Euro/Monat211 Euro/Monat239 Euro/Monat

Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation rund 163 Euro im Monat, bei 5 Prozent etwa 123 Euro und bei 3 Prozent nur noch rund 41 Euro. Für einen echten Kapitalerhalt sind 50.000 Euro also eine sehr kleine Basis.

50.000 Euro als Brücke bis zur Rente

Häufiger als der lebenslange Plan ist die Brücke: Das Geld soll nur eine begrenzte Zeit tragen, bis die gesetzliche Rente einsetzt. Dann sind deutlich höhere Monatsbeträge möglich, weil das Kapital planmäßig aufgebraucht wird.

Brückendauer2 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite
3 Jahre1.389 Euro/Monat1.416 Euro/Monat1.471 Euro/Monat
5 Jahre833 Euro/Monat858 Euro/Monat908 Euro/Monat
7 Jahre595 Euro/Monat619 Euro/Monat667 Euro/Monat
10 Jahre417 Euro/Monat439 Euro/Monat487 Euro/Monat

Entnahme in heutiger Kaufkraft, 2 Prozent Inflation, Kapital am Ende der Dauer aufgebraucht. Für kurze Brücken sind niedrige Renditeannahmen sinnvoll, weil Geld, das in drei Jahren gebraucht wird, nicht schwankungsstark angelegt gehört.

Wie sich so eine Brücke mit der gesetzlichen Rente verzahnt, steht ausführlich im Artikel zur Rentenlücke und Brückenkapital.

Die Tabellen sind Durchschnitte, dein Depot schwankt

Alle Werte oben unterstellen jedes Jahr exakt dieselbe Rendite. Ein Aktiendepot liefert das nie. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht deshalb 3.000 zufällige Verläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite und 15 Prozent Schwankung, wie bei einem weltweit gestreuten Aktiendepot:

Entnahme pro MonatZiel 15 JahreZiel 20 JahreZiel 25 Jahre
200 Euro8 % Pleiterisiko23 %37 %
250 Euro19 %43 %59 %
300 Euro36 %61 %76 %
400 Euro69 %87 %93 %

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen mit Erwartungswert 6 Prozent und Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, vor Steuern. Pleite bedeutet: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.

Der Vergleich mit der Durchschnittstabelle ist ernüchternd. Rechnerisch reichen 300 Euro monatlich bei 6 Prozent gut 20 Jahre, in der Simulation scheitern über dieselben 20 Jahre aber 61 von 100 Verläufen. Verantwortlich ist das Renditereihenfolge-Risiko: Kommen die schwachen Jahre am Anfang, ist zu viel Substanz weg, bevor sich der Markt erholt. Bei kleinen Depots wiegt das besonders schwer, weil kein Puffer da ist.

Der wirksamste Hebel ist die Entnahmehöhe selbst. 250 statt 300 Euro im Monat verlängern die rechnerische Reichweite bei 5 Prozent Rendite von 18,1 auf 23,2 Jahre und senken das Pleiterisiko über 20 Jahre von 61 auf 43 Prozent. 50 Euro weniger im Monat kaufen also gut fünf Jahre.

Steuern: bei dieser Größenordnung oft null

Eine gute Nachricht für kleine Depots: Besteuert wird nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Damit bleibt bei 50.000 Euro Kapital vieles steuerfrei.

Gewinnanteil der Entnahmesteuerfrei bis (pro Jahr)entspricht pro Monat
30 Prozent4.762 Euro397 Euro
40 Prozent3.571 Euro298 Euro
50 Prozent2.857 Euro238 Euro
60 Prozent2.381 Euro198 Euro
70 Prozent2.041 Euro170 Euro

Aktien-ETF mit 30 Prozent Teilfreistellung, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro, eine Person, ohne Kirchensteuer. Bei Paaren mit gemeinsamem Freistellungsauftrag verdoppeln sich die Grenzen.

Wird die Grenze überschritten, bleibt die Belastung klein: Bei 300 Euro im Monat und 50 Prozent Gewinnanteil sind es rund 69 Euro Steuer im Jahr, also 1,9 Prozent der Entnahme. Bei 500 Euro im Monat und 70 Prozent Gewinnanteil steigt der effektive Satz auf 8,5 Prozent. Der Gewinnanteil wächst im Zeitverlauf, weil nach FIFO zuerst die ältesten und damit am stärksten gestiegenen Anteile verkauft werden.

Bei thesaurierenden Fonds kommt die Vorabpauschale hinzu. Auf 50.000 Euro Fondswert und den Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 1.120 Euro, nach Teilfreistellung 784 Euro steuerpflichtig. Das bleibt für sich genommen unter dem Pauschbetrag, verbraucht ihn aber weitgehend, sodass der Verkaufsgewinn dann oft doch besteuert wird.

Was das praktisch bedeutet

50.000 Euro sind keine Altersvorsorge, sondern ein Zuschuss. Realistisch sind drei Einsatzarten: eine Rentenlücke von 200 bis 300 Euro über 15 bis 20 Jahre schließen, eine Brücke von wenigen Jahren bis zum Rentenbeginn bauen, oder als Reserve für größere Ausgaben liegen bleiben. Wer daraus 400 Euro und mehr im Monat ziehen will, plant faktisch einen kurzen Verzehr über gut zehn Jahre, nicht eine dauerhafte Zusatzrente.

Rechne deinen eigenen Fall

Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und auf Wunsch Steuern auf ETF-Entnahmen.

Häufige Fragen

Wie lange reichen 50.000 Euro bei 300 Euro Entnahme im Monat?

Inflationsangepasst (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent, die Kaufkraft bleibt konstant): ohne Rendite gut 12 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 15,0 Jahre, bei 5 Prozent 18,1 Jahre und bei 6 Prozent 20,5 Jahre. Wer die Entnahme nominal einfriert, kommt bei 5 Prozent Rendite rechnerisch auf 24,3 Jahre, verliert dabei aber jedes Jahr Kaufkraft.

Wie viel kann ich aus 50.000 Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?

Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das rund 3,92 Prozent Realzins, also etwa 163 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es rund 123 Euro, bei 3 Prozent nur noch etwa 41 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.

Muss ich auf die Entnahme aus 50.000 Euro Steuern zahlen?

Oft nicht. Besteuert wird nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person. Bei einem Gewinnanteil von 50 Prozent bleiben Entnahmen bis rund 2.857 Euro im Jahr, also etwa 238 Euro im Monat, komplett steuerfrei. Bei 300 Euro im Monat und 50 Prozent Gewinnanteil fallen rund 69 Euro Steuer im Jahr an, das sind 1,9 Prozent der Entnahme.