Ratgeber Entnahmeplan

Entnahmeplan mit 1 Million Euro: Wie viel Rente ist drin?

Eine Million klingt nach Sorglosigkeit. Inflationsbereinigt, über 30 Jahre und nach Steuern bleibt daraus ein gutes, aber endliches Monatsbudget. Hier sind die Zahlen.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Aus 1 Million Euro lassen sich über 30 Jahre rund 4.219 Euro im Monat entnehmen, wenn 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation unterstellt werden und die Kaufkraft konstant bleiben soll. Bei 6 Prozent Rendite sind es 4.773 Euro, bei 3 Prozent nur 3.220 Euro. Am Ende ist das Kapital dann planmäßig auf null. Wer das Depot nie angreifen will, kommt bei 5 Prozent Rendite auf rund 2.451 Euro im Monat, dauerhaft und in heutiger Kaufkraft.

Was 1 Million Euro monatlich trägt

Die Tabelle rechnet dynamisch: Die Entnahme steigt jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation, damit das Budget real gleich bleibt. Alle Werte sind Monatsbeträge in heutiger Kaufkraft, vor Steuern, und das Kapital ist am Ende der Laufzeit vollständig verbraucht.

Geplante Dauer3 % Rendite4 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite7 % Rendite
20 Jahre4.609 Euro5.077 Euro5.571 Euro6.089 Euro6.631 Euro
25 Jahre3.775 Euro4.249 Euro4.754 Euro5.290 Euro5.855 Euro
30 Jahre3.220 Euro3.701 Euro4.219 Euro4.773 Euro5.361 Euro
35 Jahre2.824 Euro3.313 Euro3.845 Euro4.417 Euro5.027 Euro
40 Jahre2.529 Euro3.025 Euro3.571 Euro4.161 Euro4.791 Euro

Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme zum Jahresende, vor Steuern und Kosten. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Bemerkenswert ist, wie flach die Kurve nach unten läuft: Zwischen 30 und 40 Jahren Planungsdauer liegen bei 6 Prozent Rendite nur rund 612 Euro im Monat. Zwischen 3 und 6 Prozent Rendite liegen bei 30 Jahren dagegen mehr als 1.550 Euro. Die Rendite entscheidet stärker über dein Budget als die Frage, ob du 30 oder 40 Jahre planst. Mehr dazu im Artikel zum Planungshorizont im Entnahmeplan.

Wenn das Kapital erhalten bleiben soll

Viele wollen die Million nicht verbrauchen, sondern vererben. Dann trägt nur der reale Ertrag, also die Rendite nach Abzug der Inflation:

Rendite (nominal)Realzins bei 2 % InflationDauerhafte Entnahme pro Monat
3 %0,98 %817 Euro
4 %1,96 %1.634 Euro
5 %2,94 %2.451 Euro
6 %3,92 %3.268 Euro
7 %4,90 %4.085 Euro

Der Preis des Kapitalerhalts ist also rund ein Drittel weniger Budget: 2.451 statt 4.219 Euro bei 5 Prozent Rendite. Welche Variante wann passt, vergleichen wir im Artikel Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.

Die ehrliche Zahl: Wahrscheinlichkeit statt Durchschnitt

Alle Werte oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot tut das nie. Die Monte-Carlo-Simulation zieht stattdessen 3.000 zufällige Renditeverläufe (6 Prozent erwartete Rendite, 15 Prozent Schwankung, 2 Prozent Inflation) und zählt, wie oft das Geld vor Ablauf der 30 Jahre alle ist.

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)Pleitewahrscheinlichkeit über 30 JahreRestkapital im Median (nominal)
2.000 Euro7,5 %2.029.589 Euro
2.200 Euro9,6 %1.741.528 Euro
2.500 Euro15,1 %1.530.379 Euro
3.000 Euro26,1 %1.004.625 Euro
3.500 Euro38,5 %472.597 Euro
4.000 Euro50,1 %0 Euro
4.219 Euro54,3 %0 Euro
5.000 Euro69,6 %0 Euro

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen. Das Restkapital ist der nominale Median nach 30 Jahren, nicht inflationsbereinigt.

Der Kontrast ist der Kern dieses Artikels: Die 4.219 Euro aus der Durchschnittsrechnung gehen in mehr als der Hälfte der simulierten Verläufe vorzeitig schief. Umgekehrt reicht das Geld bei 2.200 Euro im Monat in gut 9 von 10 Verläufen, und im Median liegen nach 30 Jahren noch über 1,7 Millionen Euro nominal im Depot. Diese Spreizung ist kein Rechenfehler, sondern das Renditereihenfolge-Risiko: Ein paar schlechte Jahre direkt zu Beginn wiegen schwerer als dieselben Jahre am Ende.

Und was sagt die 4-Prozent-Regel?

Nach der bekannten Faustregel dürftest du 40.000 Euro im Jahr entnehmen, also 3.333 Euro im Monat, jährlich um die Inflation erhöht. In der Simulation oben liegt die Pleitewahrscheinlichkeit dafür bei 34,1 Prozent über 30 Jahre. Das passt zur Kritik an der Regel: Sie stammt aus US-Daten, rechnet ohne deutsche Steuern und Kosten und beschreibt einen historischen Verlauf, keine Garantie. Details dazu auf der Seite zur 4-Prozent-Regel, die vorsichtigere Variante im Artikel zur 3-Prozent-Regel.

Steuern: Was von der Million netto ankommt

Bei einem Anteilsverkauf aus einem Aktien-ETF wird nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile besteuert, nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich des Sparerpauschbetrags von 1.000 Euro. Der Grenzsteuersatz liegt bei 26,4 Prozent, der effektive Satz auf die Entnahme ist deutlich niedriger. Beispiel: 4.219 Euro brutto im Monat, also 50.628 Euro im Jahr.

Gewinnanteil der EntnahmeSteuer pro JahrNetto pro MonatEffektiver Satz
30 %2.540 Euro4.007 Euro5,0 %
50 %4.410 Euro3.852 Euro8,7 %
70 %6.279 Euro3.696 Euro12,4 %

Aktienfonds mit 30 Prozent Teilfreistellung, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro, ohne Kirchensteuer. Bei Paaren mit 2.000 Euro Pauschbetrag sinkt der effektive Satz um rund 0,5 Prozentpunkte.

Umgekehrt gerechnet: Wer netto 4.000 Euro im Monat braucht, muss bei 50 Prozent Gewinnanteil 4.383 Euro brutto entnehmen, bei 70 Prozent Gewinnanteil 4.568 Euro. Ein Depot dieser Größe erzeugt außerdem Vorabpauschale: Bei 1 Million Euro Fondswert und dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent liegt der Basisertrag bei 22.400 Euro, nach Teilfreistellung sind 15.680 Euro steuerpflichtig, was vor Anrechnung des Sparerpauschbetrags rund 4.136 Euro Steuer bedeutet. Gedeckelt ist das auf die tatsächliche Wertsteigerung des Jahres. Mehr dazu unter Vorabpauschale 2026 und Entnahmeplan und Steuern.

Praktische Einordnung

Drei Schlüsse aus den Zahlen:

Rechne deinen eigenen Fall

Andere Rendite, andere Dauer, anderes Startkapital: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Wer mit einer kleineren Summe plant, findet die gleiche Rechnung für 500.000 Euro.

Häufige Fragen

Wie viel Rente bringt 1 Million Euro im Monat?

Bei 2 Prozent Inflation und konstanter Kaufkraft über 30 Jahre: rund 3.220 Euro im Monat bei 3 Prozent Rendite, 4.219 Euro bei 5 Prozent und 4.773 Euro bei 6 Prozent. Am Ende der 30 Jahre ist das Kapital dann planmäßig aufgebraucht. Über 40 Jahre sinken die Beträge auf 2.529, 3.571 und 4.161 Euro.

Kann ich von 1 Million Euro leben, ohne das Kapital anzugreifen?

Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 2,94 Prozent Realzins, also rund 2.451 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 6 Prozent Rendite sind es 3,92 Prozent Realzins und rund 3.268 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.

Wie sicher sind 4.000 Euro im Monat aus 1 Million Euro?

In der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation scheitern 4.000 Euro monatlich über 30 Jahre in rund 50 von 100 Verläufen vorzeitig. Wer das Risiko unter 10 Prozent drücken will, landet bei etwa 2.200 Euro im Monat. Die Durchschnittsrechnung verschweigt das Renditereihenfolge-Risiko.