Kurzantwort: Wer mit 63 aufhört, 3.000 Euro im Monat ausgeben will und ab 67 mit 1.400 Euro gesetzlicher Rente rechnet, braucht bis 95 rechnerisch rund 467.000 Euro (5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Kaufkraft konstant). Davon sind 144.000 Euro die Brücke auf dem Tagesgeld und rund 323.000 Euro das Depot für die Zeit ab 67. Mit realistischer Aktienschwankung und höchstens 10 Prozent Pleiterisiko liegt der vorsichtige Kapitalbedarf bei rund 834.000 Euro.
Zwei Töpfe: Brücke und Lebenstopf
Ein Ruhestand von 63 bis 95 dauert 32 Jahre. Er zerfällt in zwei Phasen mit völlig verschiedenen Anforderungen, deshalb rechnet dieser Artikel mit zwei getrennten Töpfen:
- Brückentopf (63 bis 67): Vier Jahre zahlt das eigene Geld den kompletten Lebensunterhalt. Dieses Geld wird bald gebraucht und liegt deshalb auf dem Tagesgeld. Bei 2 Prozent Zins, also gerade Inflationsausgleich, kostet die Brücke genau 48 Monatsbudgets.
- Lebenstopf (ab 67 bis 95): Das Depot bleibt vier Jahre unangetastet und ergänzt danach 28 Jahre lang die gesetzliche Rente bis zum gewünschten Budget.
Gerechnet wird über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1, mit derselben Formel wie im Entnahmeplan-Rechner. Alle Beträge sind in heutiger Kaufkraft angegeben, nominal steigen Budget und Rente jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation.
Kapitalbedarf nach Monatsbudget
Annahmen: gesetzliche Rente ab 67 in Höhe von 1.400 Euro netto (heutige Kaufkraft), Plan bis Alter 95, 2 Prozent Inflation, konstante Rendite im Depot. Das Budget ist der Gesamtbetrag pro Monat, also ab 67 Depot plus Rente.
| Budget pro Monat | davon Brücke (Tagesgeld) | Gesamt bei 3 % Rendite | Gesamt bei 5 % Rendite | Gesamt bei 6 % Rendite |
|---|---|---|---|---|
| 2.000 Euro | 96.000 Euro | 264.831 Euro | 217.180 Euro | 199.801 Euro |
| 2.500 Euro | 120.000 Euro | 429.524 Euro | 342.164 Euro | 310.302 Euro |
| 3.000 Euro | 144.000 Euro | 594.217 Euro | 467.148 Euro | 420.802 Euro |
| 3.500 Euro | 168.000 Euro | 758.909 Euro | 592.132 Euro | 531.303 Euro |
| 4.000 Euro | 192.000 Euro | 923.602 Euro | 717.115 Euro | 641.804 Euro |
Gesamtkapital mit 63 in heutiger Kaufkraft, vor Steuern, Entnahme jeweils zum Jahresende. Die Brücke ist unabhängig von der Depotrendite, das Depot ist mit 95 planmäßig aufgebraucht.
Auffällig: Bei kleinem Budget ist die Brücke ein großer Teil des Ganzen. Bei 2.000 Euro im Monat und 5 Prozent Rendite stecken 96.000 von rund 217.000 Euro in den vier Brückenjahren, also fast die Hälfte. Die Lücke ab 67 beträgt dann nur noch 600 Euro im Monat.
So stark entlastet die gesetzliche Rente
Die Rentenhöhe entscheidet über die Größe des Lebenstopfs. Kapitalbedarf mit 63 bei 3.000 Euro Budget und Plan bis 95:
| Gesetzliche Rente ab 67 | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 1.000 Euro | 706.771 Euro | 547.935 Euro | 490.003 Euro |
| 1.200 Euro | 650.494 Euro | 507.541 Euro | 455.403 Euro |
| 1.400 Euro | 594.217 Euro | 467.148 Euro | 420.802 Euro |
| 1.600 Euro | 537.940 Euro | 426.754 Euro | 386.202 Euro |
| 1.800 Euro | 481.663 Euro | 386.361 Euro | 351.602 Euro |
Jede 200 Euro Rente mehr sparen bei 5 Prozent Rendite rund 40.000 Euro Kapital. Wichtig: Die Renteninformation unterstellt, dass du bis 67 weiter Beiträge zahlst. Wer mit 63 aufhört, fehlen vier Beitragsjahre, die tatsächliche Rente fällt also niedriger aus. Setze im Zweifel einen kleineren Wert an.
Was jedes Jahr früher kostet
Derselbe Fall mit 3.000 Euro Budget, 1.400 Euro Rente ab 67, 5 Prozent Rendite und Plan bis 95, nur mit anderem Ausstiegsalter:
| Ausstieg mit | Brücke (Tagesgeld) | Gesamtkapital |
|---|---|---|
| 63 | 144.000 Euro | 467.148 Euro |
| 64 | 108.000 Euro | 440.652 Euro |
| 65 | 72.000 Euro | 414.436 Euro |
| 66 | 36.000 Euro | 388.508 Euro |
| 67 | 0 Euro | 362.876 Euro |
Jedes Jahr früher kostet rund 26.000 Euro zusätzliches Kapital. Das ist weniger als ein volles Jahresbudget von 36.000 Euro, weil das Depot in den Brückenjahren unangetastet weiterwächst. Die ausführliche Herleitung steht im Artikel Was kostet ein Jahr früher in Rente?.
Tagesgeld oder Depot für die Brücke?
Rechnerisch ist das Depot auch für die Brücke günstiger: Bei 5 Prozent Rendite reichen rund 134.000 Euro statt 144.000 Euro, um vier Jahre lang 3.000 Euro im Monat zu entnehmen. Die Ersparnis von rund 10.000 Euro ist aber der Preis für ein echtes Risiko. Fällt der Markt im ersten Ruhestandsjahr stark, musst du genau dann Anteile verkaufen, wenn sie billig sind, und dieser Verlust fehlt dem Lebenstopf dauerhaft. Der Tagesgeld-Topf macht die vier Jahre planbar, das Depot kann einen Einbruch aussitzen. Wie ein Crash kurz vor dem Ausstieg wirkt, zeigt der Artikel Börsencrash kurz vor der Rente.
Der Haken: Durchschnitt ist nicht gleich sicher
Alle Tabellen oben unterstellen eine Rendite, die jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners (6 Prozent Erwartungswert, 15 Prozent Schwankung, 3.000 Verläufe, Seed 42, 2 Prozent Inflation) zeigt, wie viel Depot mit 67 vorhanden sein muss, damit die Lücke zur Rente 28 Jahre lang hält:
| Budget pro Monat | Lücke ab 67 | Depot mit 67 bei 10 % Pleiterisiko | Gesamtkapital mit 63 (vorsichtig) | Durchschnittsrechnung 5 % |
|---|---|---|---|---|
| 2.000 Euro | 600 Euro | 260.000 Euro | 356.000 Euro | 217.180 Euro |
| 2.500 Euro | 1.100 Euro | 480.000 Euro | 600.000 Euro | 342.164 Euro |
| 3.000 Euro | 1.600 Euro | 690.000 Euro | 834.000 Euro | 467.148 Euro |
| 3.500 Euro | 2.100 Euro | 905.000 Euro | 1.073.000 Euro | 592.132 Euro |
| 4.000 Euro | 2.600 Euro | 1.115.000 Euro | 1.307.000 Euro | 717.115 Euro |
Depot in 5.000-Euro-Schritten so gewählt, dass das Pleiterisiko bis 95 höchstens 10 Prozent beträgt. Vorsichtiges Gesamtkapital = Brücke auf dem Tagesgeld plus dieses Depot, ohne Wachstum des Depots in den vier Brückenjahren. Gerechnet mit 1.400 Euro Rente ab 67.
Der Abstand ist groß: Für 3.000 Euro Budget braucht der vorsichtige Plan fast doppelt so viel Kapital wie die Durchschnittsrechnung. Zwei Gründe kommen zusammen. Erstens schreibt die vorsichtige Variante dem Depot in den vier Brückenjahren keinen Ertrag gut, obwohl es dort im Mittel wächst. Zweitens muss das Depot 28 Jahre lang auch schlechte Renditereihenfolgen überstehen. Wer genau das Depot aus der Durchschnittsrechnung hat (rund 363.000 Euro mit 67), scheitert in der Simulation in rund 53 von 100 Verläufen. Beim vorsichtigen Plan mit 690.000 Euro bleibt im mittleren Verlauf mit 95 dagegen noch rund 1,1 Millionen Euro übrig. Die Wahrheit für deinen Fall liegt dazwischen, und genau dafür ist die Pleitewahrscheinlichkeit im Rechner da. Hintergrund zum Renditereihenfolge-Risiko steht im Artikel zur 4-Prozent-Regel.
Steuern auf die Entnahme
Ab 67 entnimmst du bei 3.000 Euro Budget und 1.400 Euro Rente noch 1.600 Euro im Monat aus dem Depot, also 19.200 Euro im Jahr. Steuerpflichtig ist nur der Gewinnanteil, bei Aktien-ETF nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich 1.000 Euro Sparerpauschbetrag. Bei 30 Prozent Gewinnanteil fallen rund 800 Euro Steuer im Jahr an (4,2 Prozent der Entnahme), bei 50 Prozent Gewinnanteil rund 1.509 Euro (7,9 Prozent), netto bleiben dann rund 1.474 Euro im Monat. In den Brückenjahren sind die Tagesgeldzinsen steuerpflichtig, werden aber ebenfalls mit dem Sparerpauschbetrag verrechnet. Mehr dazu im Artikel Steuern im Entnahmeplan.
Was in dieser Rechnung noch fehlt
- Krankenversicherung: Zwischen 63 und 67 zahlst du als freiwillig Versicherter deinen Beitrag selbst, ohne Arbeitgeberanteil und ohne Zuschuss der Rentenversicherung. Plane ihn ins Budget der Brückenjahre ein.
- Vorgezogene Rente mit Abschlag: Wer genug Versicherungsjahre hat, kann die gesetzliche Rente vorzeitig beziehen und verkleinert damit die Brücke, bekommt die Rente aber dauerhaft gekürzt. In diesem Modell startet die Rente regulär mit 67.
- Einmalausgaben: Auto, Renovierung oder Pflege kommen obendrauf. Wie du sie einplanst, steht im Artikel zur Einmalausgabe im Entnahmeplan.
Rechne deinen eigenen Fall
Anderes Budget, andere Rente, anderer Horizont: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Wer noch früher aufhören will, findet die Zahlen im Artikel Mit 60 in Rente: Wie viel Geld brauche ich?, wer zwei Jahre später geht, im Artikel Mit 65 in Rente. Die Methode mit getrennten Töpfen erklärt der Ratgeber Rentenlücke überbrücken, alle Ratgeber stehen in der Übersicht.
Häufige Fragen
Wie viel Geld brauche ich, um mit 63 in Rente zu gehen?
Bei 3.000 Euro Monatsbudget, 1.400 Euro gesetzlicher Rente ab 67, 2 Prozent Inflation und Plan bis 95 braucht man rechnerisch rund 467.000 Euro bei 5 Prozent Rendite: 144.000 Euro Brücke auf dem Tagesgeld und rund 323.000 Euro im Depot. Wer mit realistischer Schwankung höchstens 10 Prozent Pleiterisiko will und dem Depot in den Brückenjahren kein Wachstum gutschreibt, landet bei rund 834.000 Euro.
Wie viel Geld brauche ich für die Brücke von 63 bis 67?
Vier Jahre Vollversorgung kosten 48 Monatsbudgets, wenn das Tagesgeld gerade die Inflation ausgleicht. Bei 3.000 Euro Budget sind das 144.000 Euro, bei 2.500 Euro 120.000 Euro. Im Depot mit 5 Prozent Rendite wären es rechnerisch nur rund 134.000 Euro, dafür trifft ein Crash in den ersten Jahren dann genau das Geld, das gerade verkauft werden muss.
Was kostet der Ausstieg mit 63 im Vergleich zu 65 oder 67?
Bei 3.000 Euro Budget, 1.400 Euro Rente ab 67 und 5 Prozent Rendite braucht der Ausstieg mit 63 rund 467.000 Euro, mit 65 rund 414.000 Euro und mit 67 rund 363.000 Euro, jeweils mit Plan bis 95. Jedes Jahr früher kostet also rund 26.000 Euro zusätzliches Kapital.