Kurzantwort: Jedes vorgezogene Jahr kostet rund 7,8 Prozent des monatlichen Budgets. Im Beispiel (400.000 Euro Depot mit 62, 1.000 Euro Sparrate im Monat, 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Plan bis 90) sind mit Rentenstart 67 dauerhaft 2.650 Euro im Monat drin, mit 66 noch 2.441 Euro und mit 62 nur noch 1.764 Euro. Fünf Jahre früher kosten also 886 Euro im Monat, ein Drittel des Budgets. Der Grund ist die doppelte Wirkung: Du sparst ein Jahr weniger an und musst das kleinere Depot ein Jahr länger strecken.
Der Ausgangsfall
Gerechnet wird eine Person, die heute 62 Jahre alt ist, 400.000 Euro im Depot hat und bis zum Ruhestand 1.000 Euro im Monat weiterspart. Renditeannahme 5 Prozent, Inflation 2 Prozent, das Geld soll bis zum 90. Lebensjahr reichen. Alle Beträge stehen in heutiger Kaufkraft, die Entnahme steigt im Plan jährlich mit der Inflation. Gerechnet wird über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1, hier 2,94 Prozent. Die Ansparphase nutzt dieselbe Annuitätenformel rückwärts.
| Rentenstart | Sparjahre | Depot bei Start | Entnahmedauer | Entnahme pro Monat | Verlust je Vorziehjahr |
|---|---|---|---|---|---|
| mit 67 | 5 | 526.022 Euro | 23 Jahre | 2.650 Euro | Referenz |
| mit 66 | 4 | 499.335 Euro | 24 Jahre | 2.441 Euro | 209 Euro (7,9 %) |
| mit 65 | 3 | 473.412 Euro | 25 Jahre | 2.251 Euro | 190 Euro (7,8 %) |
| mit 64 | 2 | 448.228 Euro | 26 Jahre | 2.075 Euro | 176 Euro (7,8 %) |
| mit 63 | 1 | 423.765 Euro | 27 Jahre | 1.913 Euro | 162 Euro (7,8 %) |
| mit 62 | 0 | 400.000 Euro | 28 Jahre | 1.764 Euro | 149 Euro (7,8 %) |
Beträge in heutiger Kaufkraft, Entnahme zum Jahresende, vor Steuern und Kosten. Die Spalte "Verlust je Vorziehjahr" vergleicht jede Zeile mit der Zeile darüber, also mit einem Jahr später in Rente.
Der Prozentsatz ist bemerkenswert stabil: Jedes Jahr früher kostet etwa 7,8 Prozent des Budgets, egal an welcher Stelle man es herausnimmt. In Euro wächst der Preis nach hinten, weil derselbe Prozentsatz von einem größeren Budget mehr ausmacht. Als Faustformel für die eigene Planung reicht deshalb: Ein Vorziehjahr kostet knapp ein Dreizehntel des Monatsbudgets.
Woraus die 209 Euro bestehen
Der Schritt von 67 auf 66 lässt sich in seine zwei Ursachen zerlegen. Beide werden einzeln gerechnet, indem jeweils nur eine Größe verändert wird:
| Variante | Depot | Dauer | Entnahme pro Monat | Wirkung |
|---|---|---|---|---|
| Rentenstart 67 (Referenz) | 526.022 Euro | 23 Jahre | 2.650 Euro | Referenz |
| nur ein Sparjahr weniger | 499.335 Euro | 23 Jahre | 2.515 Euro | minus 135 Euro |
| nur ein Planjahr mehr | 526.022 Euro | 24 Jahre | 2.572 Euro | minus 78 Euro |
| beides, also Rentenstart 66 | 499.335 Euro | 24 Jahre | 2.441 Euro | minus 209 Euro |
Rund zwei Drittel des Verlusts stammen aus dem fehlenden Sparjahr, ein Drittel aus dem längeren Plan. Das ist wichtig für die eigene Einschätzung: Wer ohnehin nicht mehr spart, zahlt für ein Vorziehjahr deutlich weniger. Das fehlende Sparjahr ist außerdem nicht nur die Sparrate von 12.000 Euro, sondern auch die Rendite, die das gesamte Depot in diesem Jahr noch erwirtschaftet hätte.
Wenn du nicht mehr sparst: der reine Dauer-Effekt
Für alle, die bereits vom Depot leben oder nichts mehr zurücklegen, bleibt nur der zweite Effekt übrig. Ein festes Depot von 500.000 Euro bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation, unterschiedlich lang gestreckt:
| Plandauer | Entnahme pro Monat | Kosten des zusätzlichen Jahres |
|---|---|---|
| 23 Jahre | 2.518 Euro | Referenz |
| 24 Jahre | 2.445 Euro | 74 Euro (2,9 %) |
| 25 Jahre | 2.377 Euro | 68 Euro (2,8 %) |
| 26 Jahre | 2.315 Euro | 62 Euro (2,6 %) |
| 27 Jahre | 2.258 Euro | 57 Euro (2,5 %) |
| 28 Jahre | 2.205 Euro | 53 Euro (2,3 %) |
| 29 Jahre | 2.155 Euro | 49 Euro (2,2 %) |
| 30 Jahre | 2.110 Euro | 46 Euro (2,1 %) |
500.000 Euro, 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation, Beträge in heutiger Kaufkraft, vor Steuern.
Jedes zusätzliche Planjahr wird billiger, weil weit entfernte Jahre stark abgezinst sind. Genau deshalb ist ein großzügiger Planungshorizont günstiger, als die meisten befürchten, und deshalb ist es keine gute Idee, die Reichweite knapp auf die statistische Lebenserwartung zu rechnen. Mehr dazu im Artikel zum Planungshorizont im Entnahmeplan.
Was das Vorziehjahr in Kapital kostet
Die zweite Sicht auf dieselbe Frage: Wie viel Depot bräuchtest du, um trotz früherem Start beim Budget von 2.650 Euro zu bleiben? Das ist der Preis des Vorziehjahres in einer Summe.
| Rentenstart | nötiges Depot für 2.650 Euro | vorhandenes Depot | Lücke |
|---|---|---|---|
| mit 67 | 526.022 Euro | 526.022 Euro | 0 Euro |
| mit 66 | 541.878 Euro | 499.335 Euro | 42.543 Euro |
| mit 65 | 557.282 Euro | 473.412 Euro | 83.870 Euro |
| mit 64 | 572.245 Euro | 448.228 Euro | 124.017 Euro |
| mit 63 | 586.781 Euro | 423.765 Euro | 163.016 Euro |
| mit 62 | 600.901 Euro | 400.000 Euro | 200.901 Euro |
Nötiges Depot für eine dauerhaft inflationsangepasste Entnahme von 2.650 Euro im Monat bis zum 90. Lebensjahr, 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation.
Das erste Vorziehjahr kostet 42.543 Euro Kapital, fünf Jahre kosten 200.901 Euro. Wer also überlegt, den Ruhestand um ein Jahr vorzuziehen, kann die Frage auch so stellen: Wäre ich bereit, dafür rund 43.000 Euro zu zahlen? Wie man umgekehrt vom Wunschbudget auf das nötige Kapital kommt, zeigt der Artikel Wie viel Geld brauche ich, um mit 60 in Rente zu gehen?.
Je höher die Rendite, desto teurer das Vorziehjahr
Der Preis hängt an der Renditeannahme, und zwar in die Richtung, die viele nicht erwarten: Bei hoher Rendite ist das vorgezogene Jahr teurer, weil man auf mehr Zinseszins verzichtet. Schritt von 67 auf 66, sonst gleicher Fall:
| Rendite | Depot mit 67 | Entnahme mit 67 | Entnahme mit 66 | Kosten des Vorziehjahres |
|---|---|---|---|---|
| 3 % | 481.184 Euro | 1.956 Euro | 1.818 Euro | 137 Euro (7,0 %) |
| 4 % | 503.184 Euro | 2.283 Euro | 2.113 Euro | 169 Euro (7,4 %) |
| 5 % | 526.022 Euro | 2.650 Euro | 2.441 Euro | 209 Euro (7,9 %) |
| 6 % | 549.723 Euro | 3.060 Euro | 2.805 Euro | 254 Euro (8,3 %) |
Jeweils 400.000 Euro Startkapital mit 62, 1.000 Euro Sparrate im Monat, 2 Prozent Inflation, Plan bis 90.
In Prozent des Budgets bewegt sich die Spanne nur zwischen 7,0 und 8,3 Prozent. Die Faustformel hält also auch dann, wenn man mit einer anderen Rendite plant. Welche Annahme realistisch ist, klärt der Artikel zur Renditeannahme im Entnahmeplan.
Und wenn ich das Budget einfach nicht kürze?
Genau hier entscheidet sich, ob das Vorziehjahr bezahlt oder nur verschoben wird. Die Tabellen oben unterstellen eine feste Rendite. Ein echtes Depot schwankt, deshalb hier dieselben Fälle in der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung, 2 Prozent Inflation und 3.000 Verläufen:
| Szenario | Depot | Entnahme pro Monat | Dauer | Pleitewahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|---|
| Rentenstart 67 | 526.022 Euro | 2.650 Euro | 23 Jahre | 54 % |
| Rentenstart 66, Budget gekürzt | 499.335 Euro | 2.441 Euro | 24 Jahre | 54 % |
| Rentenstart 66, Budget unverändert | 499.335 Euro | 2.650 Euro | 24 Jahre | 62 % |
| Rentenstart 62, Budget gekürzt | 400.000 Euro | 1.764 Euro | 28 Jahre | 53 % |
| Rentenstart 62, Budget unverändert | 400.000 Euro | 2.650 Euro | 28 Jahre | 87 % |
Monte-Carlo mit 3.000 simulierten Verläufen, normalverteilte Jahresrenditen, Entnahme inflationsangepasst. Die Werte sind hoch, weil der Plan bewusst auf vollen Kapitalverzehr bis 90 gerechnet ist.
Die Botschaft ist eindeutig: Wer das Budget so kürzt, wie es die erste Tabelle vorgibt, geht kein zusätzliches Risiko ein, es bleibt bei rund 54 Prozent. Wer den Rentenstart vorzieht und trotzdem weiter 2.650 Euro entnimmt, bezahlt das Jahr nicht mit Verzicht, sondern mit Risiko: 62 Prozent bei einem Jahr, 87 Prozent bei fünf Jahren. Warum die Reihenfolge der Renditen dabei so viel ausmacht, steht im Artikel zum Renditereihenfolge-Risiko. Wie stark eine spätere Kürzung noch hilft, zeigt Entnahme um 10 Prozent senken.
Netto bleibt der Unterschied kleiner
Der Verzicht fühlt sich nach Steuern etwas kleiner an, weil auch die Steuer auf den Gewinnanteil sinkt. Bei einem Gewinnanteil von 50 Prozent, Aktienfonds mit 30 Prozent Teilfreistellung und 1.000 Euro Sparerpauschbetrag:
| Szenario | Brutto pro Monat | Steuer pro Jahr | Netto pro Monat | effektiver Satz |
|---|---|---|---|---|
| Rentenstart 67 | 2.650 Euro | 2.672 Euro | 2.427 Euro | 8,4 % |
| Rentenstart 66 | 2.441 Euro | 2.440 Euro | 2.238 Euro | 8,3 % |
Kapitalertragsteuer 25 Prozent plus Soli, ohne Kirchensteuer, Teilfreistellung 30 Prozent, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro pro Person.
Aus 209 Euro Bruttoverzicht werden 190 Euro netto. Das ändert die Entscheidung nicht, macht sie aber ein Stück leichter. Details zur Berechnung stehen im Artikel Entnahmeplan und Steuern.
Was diese Rechnung nicht enthält
- Die gesetzliche Rente. Wer vorzeitig in Rente geht, hat neben dem kleineren Depot auch dauerhafte Abschläge auf die gesetzliche Rente und ein Beitragsjahr weniger. Beides kommt zu den hier gerechneten Kosten hinzu. Wie sich Depot und gesetzliche Rente zusammen planen lassen, steht im Artikel zur Brücke bis zum Rentenbeginn.
- Krankenversicherung und laufende Kosten. Zwischen Ausstieg und Rentenbeginn ändert sich oft der Versicherungsstatus. Diese Kosten gehören ins Budget, nicht in die Renditeannahme.
- Depotkosten. Sie wirken wie ein Renditeabzug und verschieben alle Zahlen nach unten, siehe Depotkosten und TER im Entnahmeplan.
- Das, was das Jahr wert ist. Ein zusätzliches gesundes Jahr im Ruhestand lässt sich nicht gegen 209 Euro im Monat verrechnen. Die Rechnung liefert den Preis, nicht die Entscheidung.
Rechne deinen eigenen Fall
Anderes Depot, andere Sparrate, anderes Wunschalter: Der Entnahmeplan-Rechner zeigt dir für jede Kombination aus Kapital, Dauer und Rendite die mögliche Entnahme, die Pleitewahrscheinlichkeit und das Restkapital. Rechne einfach beide Startalter durch und vergleiche die Monatsbeträge.
Häufige Fragen
Was kostet es, ein Jahr früher aus dem Depot in Rente zu gehen?
Im Beispiel mit 400.000 Euro Depot im Alter von 62, 1.000 Euro Sparrate im Monat, 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation und Planende mit 90 kostet jedes vorgezogene Jahr rund 7,8 Prozent des Monatsbudgets. Wer mit 67 startet, kann dauerhaft 2.650 Euro im Monat entnehmen, mit 66 noch 2.441 Euro, mit 62 nur noch 1.764 Euro. Fünf Jahre früher kosten also 886 Euro im Monat oder 33,4 Prozent des Budgets.
Warum kostet das Vorziehjahr mehr als ein zusätzliches Planjahr?
Weil zwei Effekte zusammenkommen. Von den 209 Euro Budgetverlust beim Schritt von 67 auf 66 entfallen rund 135 Euro auf das fehlende Sparjahr, also Sparrate plus Rendite auf das gesamte Depot, und rund 78 Euro auf das zusätzliche Planjahr. Ein reines Planjahr allein kostet bei 500.000 Euro und 5 Prozent Rendite nur 2,9 Prozent des Budgets, der Sparjahr-Effekt ist also der teurere Teil.
Steigt das Pleiterisiko, wenn ich früher in Rente gehe?
Nur, wenn du das Budget nicht mitkürzt. In der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation liegt die Pleitewahrscheinlichkeit sowohl beim Start mit 67 (526.022 Euro, 2.650 Euro, 23 Jahre) als auch beim gekürzten Start mit 66 (499.335 Euro, 2.441 Euro, 24 Jahre) bei 54 Prozent. Wer mit 66 aufhört und trotzdem 2.650 Euro entnimmt, kommt auf 62 Prozent, wer mit 62 aufhört und 2.650 Euro entnimmt, auf 87 Prozent.