Kurzantwort: In den ersten Jahrzehnten zahlt der Entnahmeplan deutlich mehr. Zahlt dein Sofortrenten-Angebot 350 Euro im Monat je 100.000 Euro Einmalbeitrag, liefert ein Entnahmeplan mit 4 Prozent Rendite über 25 Jahre rund 533 Euro und über 30 Jahre rund 482 Euro im Monat. Umgekehrt gerechnet: Bei einer Auszahlung von 350 Euro monatlich reicht das Kapital ohne Rendite 23,8 Jahre, bei 2 Prozent 32,7 Jahre und bei 3 Prozent 42,4 Jahre. Wer mit 67 in Rente geht, müsste also rund 91, 100 oder 109 Jahre alt werden, damit die garantierte Rente in Euro vorne liegt. Dafür nimmt sie dir zwei echte Risiken ab: sehr lange zu leben und ausgerechnet zu Beginn schlechte Börsenjahre zu erwischen.
Wichtig vorweg: Die Monatsrate der Sofortrente kommt aus deinem Angebot
Wie viel eine Sofortrente zahlt, hängt vom Rentenfaktor des Anbieters, deinem Alter, deinem Geschlecht und den gewählten Garantien ab. Diese Zahlen können wir nicht für dich ausrechnen, sie stehen in deinem persönlichen Angebot. Deshalb drehen wir den Vergleich um: Wir rechnen mit angenommenen Monatsraten von 300 bis 450 Euro je 100.000 Euro Einmalbeitrag und zeigen, was ein Entnahmeplan bei denselben Beträgen leistet. Setze einfach die Rate aus deinem Angebot in die Tabellen ein.
Was der Entnahmeplan pro 100.000 Euro zahlt
Damit der Vergleich fair ist, rechnen wir hier mit einer festen nominalen Monatsrate, genau wie eine klassische Sofortrente sie zahlt. Die Werte gelten je 100.000 Euro Kapital und vor Steuern.
| Geplante Dauer | 0 % Rendite | 3 % Rendite | 4 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|---|---|
| 20 Jahre | 417 Euro | 560 Euro | 613 Euro | 669 Euro | 727 Euro |
| 25 Jahre | 333 Euro | 479 Euro | 533 Euro | 591 Euro | 652 Euro |
| 30 Jahre | 278 Euro | 425 Euro | 482 Euro | 542 Euro | 605 Euro |
| 35 Jahre | 238 Euro | 388 Euro | 446 Euro | 509 Euro | 575 Euro |
| 40 Jahre | 208 Euro | 361 Euro | 421 Euro | 486 Euro | 554 Euro |
Annuität, Entnahme zum Jahresende, feste nominale Rate, vor Steuern und Kosten. Je 100.000 Euro Kapital.
Das ist der Kern des Vergleichs: Selbst bei vorsichtigen 3 Prozent Rendite und einer Planung über 35 Jahre liegt der Entnahmeplan mit 388 Euro über einer angenommenen Rente von 350 Euro. Und noch deutlicher wird es beim Kapitalerhalt: Bei 4 Prozent nominaler Rendite trägt allein der Ertrag 333 Euro im Monat, bei 5 Prozent 417 Euro, ohne dass du das Kapital überhaupt anfasst. Was danach von der Substanz übrig ist, gehört immer noch dir.
Das Break-even-Alter: Wann die Garantie sich rechnet
Die entscheidende Frage lautet nicht, wer mehr zahlt, sondern wie lange dein Kapital bei genau derselben Rate durchhält. Erst danach beginnt die Sofortrente, sich in Euro zu lohnen. Diese Tabelle zeigt die Reichweite je 100.000 Euro und das erreichte Alter bei Rentenbeginn mit 67.
| Monatsrate | 0 % Rendite | 2 % Rendite | 3 % Rendite | 4 % Rendite |
|---|---|---|---|---|
| 300 Euro | 27,8 Jahre (Alter 95) | 41,0 Jahre (Alter 108) | 60,6 Jahre (Alter 128) | reicht ewig |
| 350 Euro | 23,8 Jahre (Alter 91) | 32,7 Jahre (Alter 100) | 42,4 Jahre (Alter 109) | 77,6 Jahre (Alter 145) |
| 400 Euro | 20,8 Jahre (Alter 88) | 27,2 Jahre (Alter 94) | 33,2 Jahre (Alter 100) | 45,7 Jahre (Alter 113) |
| 450 Euro | 18,5 Jahre (Alter 86) | 23,4 Jahre (Alter 90) | 27,4 Jahre (Alter 94) | 34,4 Jahre (Alter 101) |
Reichweite je 100.000 Euro bei fester nominaler Entnahme, gerundetes Alter bei Start mit 67, vor Steuern.
Selbst im pessimistischen Fall ohne jede Rendite, also mit dem Geld schlicht auf dem Konto, hält das Kapital bei 350 Euro monatlich fast 24 Jahre. Sobald eine realistische Rendite dazukommt, verschiebt sich das Break-even in ein Alter, das die meisten Menschen nicht erreichen. Genau daraus finanziert die Versicherung ihre Garantie: Sie zahlt den sehr alten Kunden aus dem Kapital derjenigen, die früher sterben.
Wofür du bei der Sofortrente wirklich bezahlst
Der Aufpreis ist keine Abzocke, sondern der Preis einer Versicherung. Drei Dinge kaufst du damit ein:
- Langlebigkeitsschutz. Die Rate kommt auch mit 100, wenn ein Entnahmeplan längst leer wäre. Das ist der eigentliche Wert des Produkts.
- Kein Renditereihenfolge-Risiko. Ein Crash in den ersten Ruhestandsjahren trifft dich nicht. Wie stark dieser Effekt bei eigenem Depot wirkt, zeigt unser Artikel zum Renditereihenfolge-Risiko.
- Keine Entscheidungen mehr. Kein Rebalancing, keine Verkäufe, keine Nerven bei minus 30 Prozent. Für viele ist das der praktische Hauptgrund.
Bezahlt wird das mit drei Nachteilen: einer niedrigeren Monatsrate, wenig oder keinem Zugriff auf das Kapital und in der Regel nichts oder nur einer begrenzten Restleistung für die Erben, sobald die vereinbarte Garantiezeit abgelaufen ist.
Der blinde Fleck der Garantie: die Inflation
Eine klassische Sofortrente garantiert einen nominalen Betrag. Was du dir davon kaufen kannst, sinkt jedes Jahr. Bei 2 Prozent Inflation sieht das so aus:
| Nach | 350 Euro nominal entsprechen | verbleibende Kaufkraft |
|---|---|---|
| 10 Jahren | 287 Euro | 82,0 Prozent |
| 20 Jahren | 236 Euro | 67,3 Prozent |
| 25 Jahren | 213 Euro | 61,0 Prozent |
| 30 Jahren | 193 Euro | 55,2 Prozent |
| 35 Jahren | 175 Euro | 50,0 Prozent |
2 Prozent Inflation pro Jahr, konstante nominale Rate.
Nach 35 Jahren ist die garantierte Rente real halbiert. Die Garantie schützt also gegen Langlebigkeit und gegen Kursschwankungen, aber nicht gegen den Kaufkraftverlust, und Langlebigkeit ist genau der Fall, in dem der Kaufkraftverlust am stärksten zuschlägt. Dynamische Rentenoptionen mit jährlicher Steigerung gibt es bei vielen Anbietern, sie starten dann allerdings mit einer niedrigeren Rate.
Ein Entnahmeplan kann die Inflation direkt einbauen. Diese Werte halten die Kaufkraft konstant, die nominale Rate steigt jedes Jahr um 2 Prozent:
| Geplante Dauer | 3 % Rendite | 4 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|---|
| 20 Jahre | 461 Euro | 508 Euro | 557 Euro | 609 Euro |
| 25 Jahre | 377 Euro | 425 Euro | 475 Euro | 529 Euro |
| 30 Jahre | 322 Euro | 370 Euro | 422 Euro | 477 Euro |
| 35 Jahre | 282 Euro | 331 Euro | 385 Euro | 442 Euro |
Entnahme in heutiger Kaufkraft je 100.000 Euro, 2 Prozent Inflation, gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.
Auch inflationsangepasst liegt der Entnahmeplan bei 4 Prozent Rendite über 30 Jahre mit 370 Euro noch über der angenommenen festen Rente von 350 Euro, und zwar dauerhaft in heutiger Kaufkraft. Mehr dazu im Artikel Inflation im Entnahmeplan.
Die ehrliche Kehrseite: Der Entnahmeplan kann scheitern
Alle Tabellen oben unterstellen eine jedes Jahr gleiche Rendite. Ein echtes Depot schwankt. In der Monte-Carlo-Simulation des Rechners (erwartete Rendite 5 Prozent, Schwankung 15 Prozent, 3.000 Verläufe) sieht ein Entnahmeplan mit fester nominaler Rate je 100.000 Euro so aus:
| Monatsrate | 25 Jahre | 30 Jahre | 35 Jahre |
|---|---|---|---|
| 300 Euro | 11,0 Prozent Pleiterisiko | 16,9 Prozent | 23,7 Prozent |
| 350 Euro | 18,6 Prozent | 26,8 Prozent | 34,0 Prozent |
| 400 Euro | 28,6 Prozent | 38,6 Prozent | 45,6 Prozent |
Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen, erwartete Rendite 5 Prozent, Volatilität 15 Prozent, feste nominale Entnahme, vor Steuern.
Das ist der Preis der höheren Rate: Wer 350 Euro monatlich entnimmt und 30 Jahre überbrücken muss, steht in knapp 27 von 100 simulierten Verläufen vorher ohne Kapital da, obwohl die Durchschnittsrechnung locker reicht. Mit einer erwarteten Rendite von 6 Prozent sinkt dieses Risiko auf 17,3 Prozent, aber weg ist es nicht. Genau dieses Restrisiko übernimmt die Sofortrente. Wie die Zahlen zu lesen sind, erklärt der Artikel zur Monte-Carlo-Simulation.
Was für die Erben bleibt
In derselben Simulation ist das Restkapital nach 30 Jahren je 100.000 Euro sehr ungleich verteilt: bei 350 Euro Monatsrate im Median rund 69.000 Euro, im guten Zehntel rund 431.000 Euro und im schlechten Zehntel gar nichts. Bei 300 Euro liegt der Median bei rund 102.000 Euro, das Kapital ist also im typischen Fall nominal noch vollständig da. Bei einer Sofortrente ist dieser Betrag nach Ablauf der Garantiezeit dagegen strukturell null. Wer den Nachlass mitdenken will, findet die Perzentile im Artikel Restkapital im Entnahmeplan.
Steuern: zwei völlig verschiedene Systeme
Beim Entnahmeplan mit ETF versteuerst du nur den Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag. Bei 350 Euro Monatsrate, also 4.200 Euro im Jahr, und einem Gewinnanteil von 50 Prozent fallen rund 124 Euro Steuer im Jahr an, das sind 2,95 Prozent der Entnahme, netto bleiben etwa 340 Euro im Monat. Liegt der Gewinnanteil bei 30 Prozent, deckt der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro die Steuer vollständig ab. Bei 70 Prozent Gewinnanteil sind es rund 279 Euro im Jahr, also 6,64 Prozent, und netto etwa 327 Euro monatlich.
Eine private Sofortrente wird dagegen nicht mit der Abgeltungsteuer belastet, sondern mit dem sogenannten Ertragsanteil als sonstige Einkünfte, dessen Höhe sich nach deinem Alter bei Rentenbeginn richtet und der mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert wird. Ob das für dich günstiger oder teurer ist, hängt von deinem Steuersatz im Ruhestand ab und gehört in dein Angebot und zum Steuerberater. Details zur Depotseite stehen im Artikel Entnahmeplan und Steuern.
Der praktische Mittelweg
Die Entscheidung muss nicht alles oder nichts sein. Ein verbreiteter Ansatz: Nur den Teil verrenten, der die absolut nötigen Fixkosten deckt, die die gesetzliche Rente nicht abfängt, und den Rest im Entnahmeplan lassen. Damit sinkt die benötigte Entnahmerate aus dem Depot, das Pleiterisiko fällt spürbar, und du behältst Flexibilität sowie Kapital für Erben. Ergänzend hilft ein Cash-Puffer gegen schlechte Börsenjahre, und eine flexible Entnahme mit Leitplanken senkt das Risiko weiter, ohne eine Garantie einzukaufen.
Als Faustregel aus den Zahlen oben: Wer eine ausreichend hohe gesetzliche Rente hat, seine Fixkosten also gedeckt sieht, verschenkt mit einer Vollverrentung viel Monatsrate. Wer dagegen kaum eine Grundabsicherung durch die gesetzliche Rente hat, sehr lange leben könnte oder Schwankungen schlicht nicht aushält, kauft mit der Sofortrente etwas Echtes.
Rechne deinen eigenen Fall
Setze die Monatsrate aus deinem Sofortrenten-Angebot in den Entnahmeplan-Rechner ein und schau, wie lange dein Kapital bei genau dieser Rate hält, wie hoch die Pleitewahrscheinlichkeit ist und was nach Steuern übrig bleibt. Das ist der direkteste Vergleich, den du bekommen kannst.
Häufige Fragen
Zahlt die Sofortrente oder der Entnahmeplan mehr im Monat?
In den ersten Jahrzehnten fast immer der Entnahmeplan. Zahlt ein Angebot 350 Euro im Monat je 100.000 Euro Einmalbeitrag, liefert ein Entnahmeplan bei 4 Prozent Rendite über 25 Jahre rund 533 Euro und über 30 Jahre rund 482 Euro. Die Sofortrente zahlt dafür lebenslang weiter, der Entnahmeplan endet mit dem Kapital.
Ab welchem Alter lohnt sich eine Sofortrente?
Erst ab dem Alter, in dem der Entnahmeplan bei gleicher Rate leer wäre. Bei 350 Euro je 100.000 Euro reicht das Kapital ohne Rendite 23,8 Jahre, bei 2 Prozent 32,7 Jahre und bei 3 Prozent 42,4 Jahre. Bei Start mit 67 entspricht das einem Alter von rund 91, 100 oder 109 Jahren.
Warum ist eine feste Sofortrente trotz Garantie riskant?
Weil die Garantie nominal gilt. Bei 2 Prozent Inflation sind 350 Euro nach 20 Jahren nur noch etwa 236 Euro wert, nach 30 Jahren rund 193 Euro und nach 35 Jahren 175 Euro. Gegen Langlebigkeit und Kursschwankungen schützt die Rente, gegen Kaufkraftverlust nicht.