Kurzantwort: Bei 1.700 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent Inflation) reichen 450.000 Euro ohne Rendite 18,2 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 25,0 Jahre, bei 5 Prozent 36,1 Jahre und bei 6 Prozent 52,1 Jahre. Wer mit 1.300 Euro im Monat auskommt und 6 Prozent Rendite erzielt, lebt rechnerisch dauerhaft von den Erträgen. Bei 2.300 Euro im Monat sind es selbst mit 6 Prozent Rendite nur 26,5 Jahre.
Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)
Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real immer gleich viel leisten kannst. Das ist die Rechnung, die zum Leben passt, nicht die geschönte.
| Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft) | 0 % Rendite | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|---|
| 1.300 Euro | 22,6 Jahre | 34,1 Jahre | 65,1 Jahre | reicht dauerhaft |
| 1.700 Euro | 18,2 Jahre | 25,0 Jahre | 36,1 Jahre | 52,1 Jahre |
| 2.000 Euro | 15,8 Jahre | 20,8 Jahre | 27,7 Jahre | 34,6 Jahre |
| 2.300 Euro | 14,0 Jahre | 17,9 Jahre | 22,5 Jahre | 26,5 Jahre |
Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.
Die 4-Prozent-Regel ergibt hier genau 1.500 Euro im Monat
Aus 450.000 Euro werden nach der bekannten Faustformel 18.000 Euro im Jahr, also 1.500 Euro im Monat. Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation reicht das Kapital damit rechnerisch 45,9 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 28,8 Jahre. Die Faustformel stammt allerdings aus US-Daten, rechnet vor Steuern und Kosten und beschreibt einen Durchschnitt, keine Garantie. Für deutsche Verhältnisse gelten 3 bis 3,5 Prozent als robuster, das wären hier 1.125 bis 1.313 Euro im Monat. Mehr dazu im Artikel zur 4-Prozent-Regel und zur vorsichtigeren 3-Prozent-Regel.
Der Sprung zwischen 1.300 und 1.700 Euro ist größer, als er aussieht
Zwischen den beiden Zeilen liegen nur 400 Euro im Monat, aber bei 5 Prozent Rendite schrumpft die Reichweite von 65,1 auf 36,1 Jahre. Der Grund: Die 1.300 Euro liegen noch dicht am realen Ertrag des Depots von 1.103 Euro, die 1.700 Euro deutlich darüber. Sobald die Entnahme den Realertrag übersteigt, frisst sich der Kapitalverzehr immer schneller durch das Depot. Wie stark selbst kleine Kürzungen wirken, zeigt der Artikel dazu, wie viele Jahre eine kleinere Entnahme bringt.
Warum die üblichen Rechner mehr versprechen
Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein: 1.700 Euro bleiben dort 1.700 Euro, auch im Jahr 2051. Dann reichen 450.000 Euro bei 3 Prozent Zins scheinbar 36,7 Jahre statt 25,0, und ab 5 Prozent sogar unbegrenzt. Der Haken: Nach 25 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen dir 1.700 Euro nur noch so viel wie heute 1.036 Euro. Die längere Reichweite bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Deshalb rechnet unser Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten, nominal und real. Warum das den Unterschied macht, erklärt der Artikel zur Inflation im Entnahmeplan.
Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?
Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:
| Geplante Dauer | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 15 Jahre | 2.701 Euro/Monat | 3.128 Euro/Monat | 3.354 Euro/Monat |
| 20 Jahre | 2.074 Euro/Monat | 2.507 Euro/Monat | 2.740 Euro/Monat |
| 25 Jahre | 1.699 Euro/Monat | 2.139 Euro/Monat | 2.381 Euro/Monat |
| 30 Jahre | 1.449 Euro/Monat | 1.899 Euro/Monat | 2.148 Euro/Monat |
| 35 Jahre | 1.271 Euro/Monat | 1.730 Euro/Monat | 1.988 Euro/Monat |
Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation 1.471 Euro im Monat, bei 5 Prozent 1.103 Euro und bei 4 Prozent nur noch 735 Euro. Kapitalerhalt kostet also rund 42 Prozent des Budgets, das ein 30-Jahres-Plan bei 5 Prozent Rendite hergeben würde. Den Zielkonflikt zwischen laufendem Budget und Nachlass behandelt der Artikel zu Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.
Die Zahlen sind Durchschnittswerte, dein Depot schwankt
Alle Tabellen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot schwankt, und die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre entscheidet mit. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht dafür 3.000 Zufallsverläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation, also ungefähr die Kennzahlen eines weltweiten Aktiendepots:
| Entnahme pro Monat | Pleiterisiko über 25 Jahre | Pleiterisiko über 30 Jahre |
|---|---|---|
| 1.000 Euro | 5,5 % | 10,2 % |
| 1.300 Euro | 14,7 % | 24,0 % |
| 1.500 Euro | 23,1 % | 34,1 % |
| 1.700 Euro | 33,0 % | 45,0 % |
| 2.000 Euro | 46,8 % | 59,2 % |
| 2.300 Euro | 61,7 % | 71,9 % |
Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, normalverteilte Jahresrenditen, Erwartungswert 6 Prozent, Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, fester Startwert der Simulation. Pleite heißt: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.
Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der freundlichen Tabelle. 1.700 Euro im Monat sehen im Durchschnitt nach 52 Jahren Reichweite aus, scheitern aber in 45,0 Prozent der simulierten 30-Jahres-Verläufe. Auch die 4-Prozent-Entnahme von 1.500 Euro ist kein sicherer Hafen: Sie geht in 34,1 Prozent der Verläufe über 30 Jahre schief. Wer unter 10 Prozent Pleiterisiko bleiben will, landet bei rund 900 Euro im Monat, das sind 7,5 Prozent gescheiterte Verläufe. Bei 1.000 Euro sind es 10,2 Prozent.
Gleichzeitig geht die Spanne nach oben weit auf. Bei 1.300 Euro über 25 Jahre liegt das mittlere Restkapital bei 541.886 Euro, im guten Zehntel der Verläufe bei über 2 Millionen Euro. Was diese Wahrscheinlichkeiten aussagen und was nicht, steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation für den Ruhestand.
450.000 Euro als Brücke bis zur Rente
Viele brauchen das Depot nicht lebenslang, sondern nur für die Jahre bis zur gesetzlichen Rente. Als reines Brückenkapital bei 4 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation tragen 450.000 Euro 5.785 Euro im Monat über sieben Jahre, 4.166 Euro über zehn Jahre oder 3.537 Euro über zwölf Jahre, jeweils in heutiger Kaufkraft. Diese Rechnung ist deutlich robuster als ein 30-Jahres-Plan, weil der Horizont kurz ist und das Renditereihenfolge-Risiko entsprechend weniger Zeit hat zu wirken. Wie sich Depot und gesetzliche Rente sauber kombinieren lassen, zeigt der Artikel zur Brücke bis zur Rente.
Was das Finanzamt nimmt
Besteuert wird beim ETF-Verkauf nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Bei 1.700 Euro Entnahme im Monat, also 20.400 Euro im Jahr, und einem Gewinnanteil von 50 Prozent fallen 1.619 Euro Steuer an. Das sind 7,9 Prozent der Entnahme, obwohl der nominale Satz aus Abgeltungsteuer und Soli 26,375 Prozent beträgt. Netto bleiben 1.565 Euro im Monat, und wer netto volle 1.700 Euro braucht, muss brutto 1.849 Euro entnehmen. Bei einem Gewinnanteil von 70 Prozent, also bei einem lange gelaufenen Depot, steigt die Steuer auf 2.373 Euro im Jahr oder 11,6 Prozent der Entnahme. Paare mit zusammen 2.000 Euro Pauschbetrag zahlen dagegen nur 1.356 Euro, also 6,6 Prozent.
Dazu kommt bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale. Bei 450.000 Euro Fondswert und dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 10.080 Euro, nach Teilfreistellung 7.056 Euro steuerpflichtig und damit 1.861 Euro Steuer vor Anrechnung des Sparerpauschbetrags. Der Pauschbetrag deckt das längst nicht mehr ab, deshalb gehört dieser Posten in die Planung. Details stehen im Artikel zur Vorabpauschale 2026.
Rechne deinen eigenen Fall
Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Passt die Größenordnung nicht, hilft der Artikel zu 400.000 Euro oder zu 500.000 Euro.
Häufige Fragen
Wie lange reichen 450.000 Euro bei 1.700 Euro Entnahme im Monat?
Inflationsangepasst gerechnet, also mit einer Entnahme, die jährlich um 2 Prozent steigt und die Kaufkraft konstant hält: ohne Rendite 18,2 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 25,0 Jahre, bei 5 Prozent 36,1 Jahre und bei 6 Prozent 52,1 Jahre. Wer die Entnahme nominal einfriert, kommt rechnerisch weiter, verliert aber jedes Jahr Kaufkraft.
Wie viel kann ich aus 450.000 Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?
Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 3,92 Prozent Realzins, also 1.471 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es 1.103 Euro, bei 4 Prozent nur noch 735 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.
Wie hoch ist das Risiko, dass 450.000 Euro vorzeitig aufgebraucht sind?
In der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre scheitern bei 1.700 Euro monatlicher Entnahme 45,0 Prozent der 3.000 simulierten Verläufe. Bei 1.300 Euro sind es 24,0 Prozent, bei 1.000 Euro 10,2 Prozent und bei 900 Euro 7,5 Prozent. Die Durchschnittsrechnung sieht deutlich freundlicher aus als die Verteilung.