Kurzantwort: Bei 1.300 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent Inflation) reichen 350.000 Euro ohne Rendite 18,4 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 25,5 Jahre, bei 5 Prozent 37,2 Jahre und bei 6 Prozent 55,1 Jahre. Wer mit 1.000 Euro im Monat auskommt und 6 Prozent Rendite erzielt, lebt rechnerisch dauerhaft von den Erträgen. Bei 1.900 Euro im Monat sind es selbst mit 6 Prozent Rendite nur 24,0 Jahre.
Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)
Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real immer gleich viel leisten kannst. Das ist die Rechnung, die zum Leben passt, nicht die geschönte.
| Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft) | 0 % Rendite | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|---|
| 1.000 Euro | 22,8 Jahre | 34,5 Jahre | 67,3 Jahre | reicht dauerhaft |
| 1.300 Euro | 18,4 Jahre | 25,5 Jahre | 37,2 Jahre | 55,1 Jahre |
| 1.600 Euro | 15,4 Jahre | 20,2 Jahre | 26,5 Jahre | 32,6 Jahre |
| 1.900 Euro | 13,3 Jahre | 16,7 Jahre | 20,7 Jahre | 24,0 Jahre |
Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.
Die 4-Prozent-Regel ergibt hier 1.167 Euro im Monat
Aus 350.000 Euro werden nach der bekannten Faustformel 14.000 Euro im Jahr, also 1.167 Euro im Monat. Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation reicht das Kapital damit rechnerisch 45,9 Jahre. Die Faustformel stammt allerdings aus US-Daten, rechnet vor Steuern und Kosten und beschreibt einen Durchschnitt, keine Garantie. Für deutsche Verhältnisse gelten 3 bis 3,5 Prozent als robuster, das wären hier 875 bis 1.021 Euro im Monat. Mehr dazu im Artikel zur 4-Prozent-Regel und zur vorsichtigeren 3-Prozent-Regel.
Schon 200 Euro mehr kosten 15 Jahre Reichweite
Bei 5 Prozent Rendite reichen 350.000 Euro mit 1.100 Euro Entnahme im Monat 52,2 Jahre, mit 1.300 Euro nur noch 37,2 Jahre. Der Grund: Der reale Ertrag des Depots liegt bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation bei 858 Euro im Monat. Die 1.100 Euro liegen nur knapp darüber, die 1.300 Euro deutlich. Sobald die Entnahme den Realertrag übersteigt, frisst sich der Kapitalverzehr immer schneller durch das Depot, weil jedes Jahr weniger Kapital für dich arbeitet. Wie stark umgekehrt kleine Kürzungen wirken, zeigt der Artikel dazu, wie viele Jahre eine kleinere Entnahme bringt.
Warum die üblichen Rechner mehr versprechen
Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein: 1.300 Euro bleiben dort 1.300 Euro, auch im Jahr 2051. Dann reichen 350.000 Euro bei 3 Prozent Zins scheinbar 37,8 Jahre statt 25,5, und bei 5 Prozent sogar unbegrenzt. Der Haken: Nach 25 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen dir 1.300 Euro nur noch so viel wie heute 792 Euro. Die längere Reichweite bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Deshalb rechnet unser Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten, nominal und real.
Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?
Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:
| Geplante Dauer | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 15 Jahre | 2.100 Euro/Monat | 2.433 Euro/Monat | 2.609 Euro/Monat |
| 20 Jahre | 1.613 Euro/Monat | 1.950 Euro/Monat | 2.131 Euro/Monat |
| 25 Jahre | 1.321 Euro/Monat | 1.664 Euro/Monat | 1.852 Euro/Monat |
| 30 Jahre | 1.127 Euro/Monat | 1.477 Euro/Monat | 1.671 Euro/Monat |
| 35 Jahre | 989 Euro/Monat | 1.346 Euro/Monat | 1.546 Euro/Monat |
Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation 1.144 Euro im Monat, bei 5 Prozent 858 Euro und bei 4 Prozent nur noch 572 Euro. Kapitalerhalt kostet also rund 42 Prozent des Budgets, das ein 30-Jahres-Plan bei 5 Prozent Rendite hergeben würde. Den Zielkonflikt zwischen laufendem Budget und Nachlass behandelt der Artikel zu Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.
Die Zahlen sind Durchschnittswerte, dein Depot schwankt
Alle Tabellen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot schwankt, und die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre entscheidet mit. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht dafür 3.000 Zufallsverläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation, also ungefähr die Kennzahlen eines weltweiten Aktiendepots:
| Entnahme pro Monat | Pleiterisiko über 25 Jahre | Pleiterisiko über 30 Jahre |
|---|---|---|
| 1.000 Euro | 14,5 % | 23,2 % |
| 1.300 Euro | 31,5 % | 43,8 % |
| 1.600 Euro | 49,6 % | 61,4 % |
| 1.900 Euro | 66,4 % | 76,8 % |
Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, normalverteilte Jahresrenditen, Erwartungswert 6 Prozent, Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, fester Startwert der Simulation. Pleite heißt: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.
Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der freundlichen Tabelle. 1.300 Euro im Monat sehen im Durchschnitt nach 55 Jahren Reichweite aus, scheitern aber in 43,8 Prozent der simulierten 30-Jahres-Verläufe. Auch die 4-Prozent-Entnahme von 1.167 Euro ist kein sicherer Hafen: Sie geht in 34,1 Prozent der Verläufe über 30 Jahre schief. Wer unter 10 Prozent Pleiterisiko bleiben will, landet bei rund 750 Euro im Monat, das sind 9,3 Prozent gescheiterte Verläufe. Für 5 Prozent Risiko müsste die Entnahme auf 650 Euro sinken.
Gleichzeitig geht die Spanne nach oben weit auf. Bei 1.000 Euro über 25 Jahre liegt das mittlere Restkapital bei 419.173 Euro nominal, im guten Zehntel der Verläufe bei rund 1,69 Millionen Euro. Was diese Wahrscheinlichkeiten aussagen und was nicht, steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation für den Ruhestand. Wie sich das Risiko durch Kürzungen in schlechten Jahren senken lässt, zeigt der Artikel zur flexiblen Entnahme mit Leitplanken.
350.000 Euro als Brücke bis zur Rente
Viele brauchen das Depot nicht lebenslang, sondern nur für die Jahre bis zur gesetzlichen Rente. Als reines Brückenkapital bei 4 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation tragen 350.000 Euro 4.500 Euro im Monat über sieben Jahre, 3.240 Euro über zehn Jahre oder 2.751 Euro über zwölf Jahre, jeweils in heutiger Kaufkraft. Diese Rechnung ist deutlich robuster als ein 30-Jahres-Plan, weil der Horizont kurz ist und das Renditereihenfolge-Risiko entsprechend weniger Zeit hat zu wirken. Wie sich Depot und gesetzliche Rente sauber kombinieren lassen, zeigt der Artikel zur Brücke bis zur Rente.
Was das Finanzamt nimmt
Besteuert wird beim ETF-Verkauf nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Bei 1.300 Euro Entnahme im Monat, also 15.600 Euro im Jahr, und einem Gewinnanteil von 50 Prozent fallen 1.176 Euro Steuer an. Das sind 7,5 Prozent der Entnahme, obwohl der nominale Satz aus Abgeltungsteuer und Soli 26,375 Prozent beträgt. Netto bleiben 1.202 Euro im Monat, und wer netto volle 1.300 Euro braucht, muss brutto 1.408 Euro entnehmen. Bei einem Gewinnanteil von 70 Prozent, also bei einem lange gelaufenen Depot, steigt die Steuer auf 1.752 Euro im Jahr oder 11,2 Prozent der Entnahme. Paare mit zusammen 2.000 Euro Pauschbetrag zahlen dagegen nur 913 Euro, also 5,8 Prozent.
Dazu kommt bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale. Bei 350.000 Euro Fondswert und dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 7.840 Euro, nach Teilfreistellung 5.488 Euro steuerpflichtig und damit 1.447 Euro Steuer vor Anrechnung des Sparerpauschbetrags. Der Pauschbetrag deckt das nicht ab, deshalb gehört dieser Posten in die Planung. Details stehen im Artikel zur Vorabpauschale 2026.
Rechne deinen eigenen Fall
Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Passt die Größenordnung nicht, hilft der Artikel zum Entnahmeplan mit 300.000 Euro oder zu 400.000 Euro.
Häufige Fragen
Wie lange reichen 350.000 Euro bei 1.300 Euro Entnahme im Monat?
Inflationsangepasst gerechnet, also mit einer Entnahme, die jährlich um 2 Prozent steigt und die Kaufkraft konstant hält: ohne Rendite 18,4 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 25,5 Jahre, bei 5 Prozent 37,2 Jahre und bei 6 Prozent 55,1 Jahre. Wer die Entnahme nominal einfriert, kommt rechnerisch weiter, verliert aber jedes Jahr Kaufkraft.
Wie viel kann ich aus 350.000 Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?
Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 3,92 Prozent Realzins, also 1.144 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es 858 Euro, bei 4 Prozent nur noch 572 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.
Wie hoch ist das Risiko, dass 350.000 Euro vorzeitig aufgebraucht sind?
In der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre scheitern bei 1.300 Euro monatlicher Entnahme 43,8 Prozent der 3.000 simulierten Verläufe. Bei 1.000 Euro sind es 23,2 Prozent, bei 750 Euro 9,3 Prozent und bei 650 Euro 5,0 Prozent. Die Durchschnittsrechnung sieht deutlich freundlicher aus als die Verteilung.