Ratgeber Entnahmeplan

Wie lange reichen 700.000 Euro im Ruhestand?

Die ehrliche Antwort hängt an drei Stellschrauben: Entnahmehöhe, Rendite und Inflation. Hier sind die Zahlen, inflationsbereinigt gerechnet, mit allen Tabellen.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Bei 2.500 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent Inflation) reichen 700.000 Euro ohne Rendite 19,0 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 26,6 Jahre, bei 5 Prozent 40,0 Jahre und bei 6 Prozent 64,1 Jahre. Wer mit 2.000 Euro im Monat auskommt und 6 Prozent Rendite erzielt, lebt rechnerisch dauerhaft von den Erträgen. Bei 3.500 Euro im Monat sind es selbst mit 6 Prozent Rendite nur 27,6 Jahre.

Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)

Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real immer gleich viel leisten kannst. Das ist die Rechnung, die zum Leben passt, nicht die geschönte.

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)0 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
2.000 Euro22,8 Jahre34,5 Jahre67,3 Jahrereicht dauerhaft
2.500 Euro19,0 Jahre26,6 Jahre40,0 Jahre64,1 Jahre
3.000 Euro16,3 Jahre21,7 Jahre29,3 Jahre37,4 Jahre
3.500 Euro14,3 Jahre18,3 Jahre23,2 Jahre27,6 Jahre

Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Die 4-Prozent-Regel ergibt hier 2.333 Euro im Monat

Aus 700.000 Euro werden nach der bekannten Faustformel 28.000 Euro im Jahr, also rund 2.333 Euro im Monat. Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation reicht das Kapital damit rechnerisch 45,9 Jahre. Die Faustformel stammt allerdings aus US-Daten, rechnet vor Steuern und Kosten und beschreibt einen Durchschnitt, keine Garantie. Für deutsche Verhältnisse gelten 3 bis 3,5 Prozent als robuster, das wären hier 1.750 bis 2.042 Euro im Monat. Mehr dazu im Artikel zur 4-Prozent-Regel und zur vorsichtigeren 3-Prozent-Regel.

Zwischen 2.500 und 3.000 Euro kippt die Rechnung

Die beiden Zeilen trennen nur 500 Euro im Monat, aber bei 5 Prozent Rendite schrumpft die Reichweite von 40,0 auf 29,3 Jahre, also um mehr als zehn Jahre. Der Grund: Der reale Ertrag des Depots liegt bei 5 Prozent Rendite bei 1.716 Euro im Monat. 2.500 Euro verzehren das Kapital noch recht gemächlich, 3.000 Euro liegen bereits deutlich darüber, und der Verzehr beschleunigt sich mit jedem Jahr, weil das schrumpfende Depot immer weniger Ertrag abwirft. Wie stark umgekehrt schon kleine Kürzungen wirken, zeigt der Artikel dazu, wie viele Jahre eine kleinere Entnahme bringt.

Warum die üblichen Rechner mehr versprechen

Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein: 2.500 Euro bleiben dort 2.500 Euro, auch in 25 Jahren. Dann reichen 700.000 Euro bei 3 Prozent Zins scheinbar 40,7 Jahre statt 26,6, und ab 5 Prozent sogar unbegrenzt. Der Haken: Nach 25 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen dir 2.500 Euro nur noch so viel wie heute 1.524 Euro. Die längere Reichweite bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Deshalb rechnet unser Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten, nominal und real. Wie groß der Unterschied über die Jahre wird, steht im Artikel zur Wirkung der Inflation auf den Entnahmeplan.

Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?

Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:

Geplante Dauer3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
15 Jahre4.201 Euro/Monat4.866 Euro/Monat5.218 Euro/Monat
20 Jahre3.226 Euro/Monat3.900 Euro/Monat4.263 Euro/Monat
25 Jahre2.642 Euro/Monat3.328 Euro/Monat3.703 Euro/Monat
30 Jahre2.254 Euro/Monat2.954 Euro/Monat3.341 Euro/Monat
35 Jahre1.977 Euro/Monat2.692 Euro/Monat3.092 Euro/Monat

Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation 2.288 Euro im Monat, bei 5 Prozent 1.716 Euro und bei 4 Prozent nur noch 1.144 Euro. Kapitalerhalt kostet also rund 42 Prozent des Budgets, das ein 30-Jahres-Plan bei 5 Prozent Rendite hergeben würde. Den Zielkonflikt zwischen laufendem Budget und Nachlass behandelt der Artikel zu Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.

Die Zahlen sind Durchschnittswerte, dein Depot schwankt

Alle Tabellen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot schwankt, und die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre entscheidet mit. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht dafür 3.000 Zufallsverläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation, also ungefähr die Kennzahlen eines weltweiten Aktiendepots:

Entnahme pro MonatPleiterisiko über 25 JahrePleiterisiko über 30 Jahre
1.500 Euro4,9 %9,3 %
1.750 Euro9,3 %15,1 %
2.000 Euro14,5 %23,2 %
2.500 Euro29,1 %40,5 %
3.000 Euro43,9 %56,5 %
3.500 Euro58,5 %69,6 %

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, normalverteilte Jahresrenditen, Erwartungswert 6 Prozent, Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, fester Startwert der Simulation. Pleite heißt: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.

Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der freundlichen Tabelle. 2.500 Euro im Monat sehen im Durchschnitt nach 64 Jahren Reichweite aus, scheitern aber in 40,5 Prozent der simulierten 30-Jahres-Verläufe. Auch die 4-Prozent-Entnahme von 2.333 Euro ist kein sicherer Hafen: Sie geht in 34,1 Prozent der Verläufe über 30 Jahre schief. Wer über 30 Jahre unter 10 Prozent Pleiterisiko bleiben will, landet bei rund 1.500 Euro im Monat, das sind 9,3 Prozent gescheiterte Verläufe. Bei 1.400 Euro sind es 7,5 Prozent.

Gleichzeitig geht die Spanne nach oben weit auf. Bei 1.500 Euro über 25 Jahre liegt das mittlere Restkapital bei 1.218.611 Euro, im guten Zehntel der Verläufe bei fast 4 Millionen Euro. Das Depot wächst in der Mehrzahl der Fälle trotz Entnahme weiter. Was diese Wahrscheinlichkeiten aussagen und was nicht, steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation für den Ruhestand.

700.000 Euro als Brücke bis zur Rente

Viele brauchen das Depot nicht lebenslang, sondern nur für die Jahre bis zur gesetzlichen Rente. Als reines Brückenkapital bei 4 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation tragen 700.000 Euro 9.000 Euro im Monat über sieben Jahre, 6.481 Euro über zehn Jahre oder 5.503 Euro über zwölf Jahre, jeweils in heutiger Kaufkraft. Diese Rechnung ist deutlich robuster als ein 30-Jahres-Plan, weil der Horizont kurz ist und das Renditereihenfolge-Risiko entsprechend weniger Zeit hat zu wirken. Bei dieser Depotgröße ist oft eine Mischung sinnvoller: ein Teil als Brücke, der Rest als lebenslanger Topf neben der Rente. Wie sich das sauber aufteilen lässt, zeigt der Artikel zur Brücke bis zur Rente.

Was das Finanzamt nimmt

Besteuert wird beim ETF-Verkauf nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Bei 2.500 Euro Entnahme im Monat, also 30.000 Euro im Jahr, und einem Gewinnanteil von 50 Prozent fallen 2.506 Euro Steuer an. Das sind 8,4 Prozent der Entnahme, obwohl der nominale Satz aus Abgeltungsteuer und Soli 26,375 Prozent beträgt. Netto bleiben 2.291 Euro im Monat, und wer netto volle 2.500 Euro braucht, muss brutto 2.730 Euro entnehmen. Bei einem Gewinnanteil von 70 Prozent, also bei einem lange gelaufenen Depot, steigt die Steuer auf 3.613 Euro im Jahr oder 12,0 Prozent der Entnahme. Paare mit zusammen 2.000 Euro Pauschbetrag zahlen dagegen nur 2.242 Euro, also 7,5 Prozent.

Dazu kommt bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale. Bei 700.000 Euro Fondswert und dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 15.680 Euro, nach Teilfreistellung 10.976 Euro steuerpflichtig und damit 2.895 Euro Steuer vor Anrechnung des Sparerpauschbetrags. Das ist keine Zusatzsteuer, denn die Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf vom steuerpflichtigen Gewinn abgezogen. Sie belastet aber die Liquidität im laufenden Jahr und gehört deshalb in die Planung. Details stehen im Artikel zur Vorabpauschale 2026.

Rechne deinen eigenen Fall

Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Passt die Größenordnung nicht, hilft der Artikel zu 600.000 Euro oder zum Entnahmeplan mit 750.000 Euro.

Häufige Fragen

Wie lange reichen 700.000 Euro bei 2.500 Euro Entnahme im Monat?

Inflationsangepasst gerechnet, also mit einer Entnahme, die jährlich um 2 Prozent steigt und die Kaufkraft konstant hält: ohne Rendite 19,0 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 26,6 Jahre, bei 5 Prozent 40,0 Jahre und bei 6 Prozent 64,1 Jahre. Wer die Entnahme nominal einfriert, kommt rechnerisch weiter, verliert aber jedes Jahr Kaufkraft.

Wie viel kann ich aus 700.000 Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?

Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 3,92 Prozent Realzins, also 2.288 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es 1.716 Euro, bei 4 Prozent nur noch 1.144 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.

Wie hoch ist das Risiko, dass 700.000 Euro vorzeitig aufgebraucht sind?

In der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre scheitern bei 2.500 Euro monatlicher Entnahme 40,5 Prozent der 3.000 simulierten Verläufe. Bei 2.000 Euro sind es 23,2 Prozent, bei 1.750 Euro 15,1 Prozent und bei 1.500 Euro 9,3 Prozent. Die Durchschnittsrechnung sieht deutlich freundlicher aus als die Verteilung.