Ratgeber Entnahmeplan

Wie lange reichen 800.000 Euro im Ruhestand?

Die ehrliche Antwort hängt an drei Stellschrauben: Entnahmehöhe, Rendite und Inflation. Hier sind die Zahlen, inflationsbereinigt gerechnet, mit allen Tabellen.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Bei 3.000 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent Inflation) reichen 800.000 Euro ohne Rendite 18,3 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 25,2 Jahre, bei 5 Prozent 36,6 Jahre und bei 6 Prozent 53,3 Jahre. Wer mit 2.500 Euro im Monat auskommt und 6 Prozent Rendite erzielt, lebt rechnerisch dauerhaft von den Erträgen. Bei 4.000 Euro im Monat sind es selbst mit 6 Prozent Rendite nur 27,6 Jahre.

Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)

Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real immer gleich viel leisten kannst. Das ist die Rechnung, die zum Leben passt, nicht die geschönte.

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)0 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
2.000 Euro25,4 Jahre40,6 Jahreüber 100 Jahrereicht dauerhaft
2.500 Euro21,2 Jahre31,1 Jahre52,9 Jahrereicht dauerhaft
3.000 Euro18,3 Jahre25,2 Jahre36,6 Jahre53,3 Jahre
3.500 Euro16,0 Jahre21,2 Jahre28,3 Jahre35,7 Jahre
4.000 Euro14,3 Jahre18,3 Jahre23,2 Jahre27,6 Jahre

Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Die 4-Prozent-Regel ergibt hier 2.667 Euro im Monat

Aus 800.000 Euro werden nach der bekannten Faustformel 32.000 Euro im Jahr, also rund 2.667 Euro im Monat. Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation reicht das Kapital damit rechnerisch 45,9 Jahre. Die Faustformel stammt allerdings aus US-Daten, rechnet vor Steuern und Kosten und beschreibt einen Durchschnitt, keine Garantie. Für deutsche Verhältnisse gelten 3 bis 3,5 Prozent als robuster, das wären hier 2.000 bis 2.333 Euro im Monat. Mehr dazu im Artikel zur 4-Prozent-Regel und zur vorsichtigeren 3-Prozent-Regel.

Ab knapp 2.000 Euro beginnt der Kapitalverzehr

Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation wirft ein Depot von 800.000 Euro real 1.961 Euro im Monat ab. Bis zu dieser Grenze bleibt die Kaufkraft des Kapitals erhalten, deshalb reichen 2.000 Euro dort über 100 Jahre. Jeder Euro darüber verzehrt die Substanz, und zwar mit wachsendem Tempo, weil das schrumpfende Depot immer weniger Ertrag abwirft: Von 3.000 auf 3.500 Euro sinkt die Reichweite bei 5 Prozent Rendite von 36,6 auf 28,3 Jahre, also um über acht Jahre für 500 Euro mehr im Monat. Wie stark umgekehrt schon kleine Kürzungen wirken, zeigt der Artikel dazu, wie viele Jahre eine kleinere Entnahme bringt.

Warum die üblichen Rechner mehr versprechen

Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein: 3.000 Euro bleiben dort 3.000 Euro, auch in 25 Jahren. Dann reichen 800.000 Euro bei 3 Prozent Zins scheinbar 37,2 Jahre statt 25,2, und bei 5 Prozent sogar unbegrenzt. Der Haken: Nach 25 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen dir 3.000 Euro nur noch so viel wie heute 1.829 Euro. Die längere Reichweite bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Deshalb rechnet unser Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten, nominal und real. Wie groß der Unterschied über die Jahre wird, steht im Artikel zur Wirkung der Inflation auf den Entnahmeplan.

Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?

Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:

Geplante Dauer3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
15 Jahre4.801 Euro/Monat5.561 Euro/Monat5.963 Euro/Monat
20 Jahre3.687 Euro/Monat4.457 Euro/Monat4.871 Euro/Monat
25 Jahre3.020 Euro/Monat3.803 Euro/Monat4.232 Euro/Monat
30 Jahre2.576 Euro/Monat3.375 Euro/Monat3.819 Euro/Monat
35 Jahre2.259 Euro/Monat3.076 Euro/Monat3.534 Euro/Monat

Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation 2.614 Euro im Monat, bei 5 Prozent 1.961 Euro und bei 4 Prozent nur noch 1.307 Euro. Kapitalerhalt kostet also rund 42 Prozent des Budgets, das ein 30-Jahres-Plan bei 5 Prozent Rendite hergeben würde (1.961 statt 3.375 Euro). Den Zielkonflikt zwischen laufendem Budget und Nachlass behandelt der Artikel zu Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.

Die Zahlen sind Durchschnittswerte, dein Depot schwankt

Alle Tabellen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot schwankt, und die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre entscheidet mit. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht dafür 3.000 Zufallsverläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation, also ungefähr die Kennzahlen eines weltweiten Aktiendepots:

Entnahme pro MonatPleiterisiko über 25 JahrePleiterisiko über 30 Jahre
1.750 Euro5,1 %9,6 %
2.000 Euro9,3 %15,1 %
2.500 Euro19,9 %29,8 %
3.000 Euro32,6 %44,6 %
3.500 Euro45,6 %57,7 %
4.000 Euro58,5 %69,6 %

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, normalverteilte Jahresrenditen, Erwartungswert 6 Prozent, Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, fester Startwert der Simulation. Pleite heißt: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.

Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der freundlichen Tabelle. 3.000 Euro im Monat sehen im Durchschnitt nach 53 Jahren Reichweite aus, scheitern aber in 44,6 Prozent der simulierten 30-Jahres-Verläufe. Auch die 4-Prozent-Entnahme von 2.667 Euro ist kein sicherer Hafen: Sie geht in 34,1 Prozent der Verläufe über 30 Jahre schief. Wer über 30 Jahre unter 10 Prozent Pleiterisiko bleiben will, landet bei rund 1.750 Euro im Monat, das sind 9,6 Prozent gescheiterte Verläufe. Bei 1.600 Euro sind es 7,5 Prozent.

Gleichzeitig geht die Spanne nach oben weit auf. Bei 1.750 Euro über 25 Jahre liegt das mittlere Restkapital bei 1.363.578 Euro, im guten Zehntel der Verläufe bei fast 4,5 Millionen Euro. Das Depot wächst in der Mehrzahl der Fälle trotz Entnahme weiter. Was diese Wahrscheinlichkeiten aussagen und was nicht, steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation für den Ruhestand.

800.000 Euro als Brücke bis zur Rente

Viele brauchen das Depot nicht lebenslang, sondern nur für die Jahre bis zur gesetzlichen Rente. Als reines Brückenkapital bei 4 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation tragen 800.000 Euro 10.285 Euro im Monat über sieben Jahre, 7.407 Euro über zehn Jahre oder 6.289 Euro über zwölf Jahre, jeweils in heutiger Kaufkraft. Diese Rechnung ist deutlich robuster als ein 30-Jahres-Plan, weil der Horizont kurz ist und das Renditereihenfolge-Risiko entsprechend weniger Zeit hat zu wirken. Bei dieser Depotgröße ist oft eine Mischung sinnvoller: ein Teil als Brücke, der Rest als lebenslanger Topf neben der Rente. Wie sich das sauber aufteilen lässt, zeigt der Artikel zur Brücke bis zur Rente.

Was das Finanzamt nimmt

Besteuert wird beim ETF-Verkauf nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Bei 3.000 Euro Entnahme im Monat, also 36.000 Euro im Jahr, und einem Gewinnanteil von 50 Prozent fallen 3.060 Euro Steuer an. Das sind 8,5 Prozent der Entnahme, obwohl der nominale Satz aus Abgeltungsteuer und Soli 26,375 Prozent beträgt. Netto bleiben 2.745 Euro im Monat, und wer netto volle 3.000 Euro braucht, muss brutto 3.281 Euro entnehmen. Bei einem Gewinnanteil von 70 Prozent, also bei einem lange gelaufenen Depot, steigt die Steuer auf 4.389 Euro im Jahr oder 12,2 Prozent der Entnahme. Paare mit zusammen 2.000 Euro Pauschbetrag zahlen dagegen nur 2.796 Euro, also 7,8 Prozent.

Dazu kommt bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale. Bei 800.000 Euro Fondswert und dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 17.920 Euro, nach Teilfreistellung 12.544 Euro steuerpflichtig und damit 3.308 Euro Steuer vor Anrechnung des Sparerpauschbetrags. Das ist keine Zusatzsteuer, denn die Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf vom steuerpflichtigen Gewinn abgezogen. Sie belastet aber die Liquidität im laufenden Jahr und gehört deshalb in die Planung. Details stehen im Artikel zur Vorabpauschale 2026.

Rechne deinen eigenen Fall

Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Passt die Größenordnung nicht, hilft der Artikel zum Entnahmeplan mit 750.000 Euro oder zum Entnahmeplan mit 1 Million Euro.

Häufige Fragen

Wie lange reichen 800.000 Euro bei 3.000 Euro Entnahme im Monat?

Inflationsangepasst gerechnet, also mit einer Entnahme, die jährlich um 2 Prozent steigt und die Kaufkraft konstant hält: ohne Rendite 18,3 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 25,2 Jahre, bei 5 Prozent 36,6 Jahre und bei 6 Prozent 53,3 Jahre. Wer die Entnahme nominal einfriert, kommt rechnerisch weiter, verliert aber jedes Jahr Kaufkraft.

Wie viel kann ich aus 800.000 Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?

Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 3,92 Prozent Realzins, also 2.614 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es 1.961 Euro, bei 4 Prozent nur noch 1.307 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.

Wie hoch ist das Risiko, dass 800.000 Euro vorzeitig aufgebraucht sind?

In der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre scheitern bei 3.000 Euro monatlicher Entnahme 44,6 Prozent der 3.000 simulierten Verläufe. Bei 2.500 Euro sind es 29,8 Prozent, bei 2.000 Euro 15,1 Prozent und bei 1.750 Euro 9,6 Prozent. Die Durchschnittsrechnung sieht deutlich freundlicher aus als die Verteilung.