Ratgeber Entnahmeplan

Wie lange reichen 80.000 Euro im Ruhestand?

80.000 Euro sind für viele der Stand nach einem langen Sparerleben neben der gesetzlichen Rente. Hier steht, wie weit das Geld wirklich trägt, inflationsbereinigt gerechnet und mit Blick auf das Risiko.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Bei 400 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft reichen 80.000 Euro ohne Rendite 14,3 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 18,3 Jahre, bei 5 Prozent 23,2 Jahre und bei 6 Prozent 27,6 Jahre. Wer sich mit 300 Euro im Monat begnügt, kommt bei 6 Prozent Rendite auf 53,3 Jahre. Bei 700 Euro monatlich ist dagegen selbst mit 6 Prozent nach 12,2 Jahren Schluss. Alle Werte gehen von 2 Prozent Inflation aus, die Entnahme steigt also jedes Jahr mit, damit die Kaufkraft konstant bleibt.

Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)

Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real dauerhaft gleich viel leisten kannst. Das ist die realistische Rechnung, nicht die geschönte.

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)0 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
300 Euro18,3 Jahre25,2 Jahre36,6 Jahre53,3 Jahre
400 Euro14,3 Jahre18,3 Jahre23,2 Jahre27,6 Jahre
500 Euro11,7 Jahre14,4 Jahre17,2 Jahre19,2 Jahre
600 Euro10,0 Jahre11,8 Jahre13,7 Jahre14,9 Jahre
700 Euro8,6 Jahre10,0 Jahre11,3 Jahre12,2 Jahre

Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern und Kosten. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Der Sprung zwischen 300 und 400 Euro ist der auffälligste der ganzen Tabelle: 100 Euro mehr im Monat kosten bei 6 Prozent Rendite fast 26 Jahre Reichweite. Weiter unten in der Tabelle verflacht der Effekt. Von 600 auf 700 Euro kosten dieselben 100 Euro nur noch rund 2,7 Jahre. Der Grund ist der Zinseszins: Bei kleiner Entnahmequote bleibt genug Substanz stehen, damit die Rendite mitarbeitet, bei hoher Quote ist das Kapital weg, bevor das passieren kann.

Was die 4-Prozent-Regel für 80.000 Euro sagt

Nach der bekannten Faustformel wären 4 Prozent des Startkapitals pro Jahr entnehmbar, also 3.200 Euro oder rund 267 Euro im Monat, inflationsangepasst über 30 Jahre. Rechnerisch geht das bei 5 Prozent Rendite mit großem Puffer auf, das Kapital würde 45,9 Jahre tragen. In der Simulation mit schwankenden Renditen scheitern über 30 Jahre trotzdem 34 von 100 Verläufen. Mit 3 Prozent Entnahmerate, also 200 Euro im Monat, sinkt das auf 15 Prozent. Warum die Regel aus US-Daten für Deutschland zu optimistisch ist, steht in der Erklärung zur 4-Prozent-Regel und im Vergleich mit der 3-Prozent-Regel.

Warum viele Rechner mehr versprechen

Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein. 500 Euro bleiben dort 500 Euro, auch im Jahr 2046. Dann reichen 80.000 Euro bei 5 Prozent Rendite scheinbar 22,5 Jahre statt 17,2. Der Haken steckt in der Kaufkraft: Nach 20 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen 500 Euro nur noch so viel wie heute rund 336 Euro. Die zusätzlichen gut fünf Jahre bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Mehr dazu im Artikel dynamische gegen feste Entnahme.

Auch die Inflationsannahme selbst zählt. Steigen die Preise mit 3 statt 2 Prozent, schrumpft die Reichweite bei 500 Euro und 5 Prozent Rendite von 17,2 auf 15,6 Jahre. Ein Prozentpunkt Inflation kostet hier also rund anderthalb Jahre.

Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?

Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:

Geplante Dauer3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
10 Jahre703 Euro/Monat779 Euro/Monat819 Euro/Monat
15 Jahre480 Euro/Monat556 Euro/Monat596 Euro/Monat
20 Jahre369 Euro/Monat446 Euro/Monat487 Euro/Monat
25 Jahre302 Euro/Monat380 Euro/Monat423 Euro/Monat
30 Jahre258 Euro/Monat338 Euro/Monat382 Euro/Monat

Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation rund 261 Euro im Monat, bei 5 Prozent etwa 196 Euro und bei 3 Prozent nur noch rund 65 Euro. Für einen echten Kapitalerhalt sind 80.000 Euro also eine schmale Basis, aber die Größenordnung reicht immerhin für eine kleine, dauerhafte Aufstockung.

80.000 Euro als Brücke bis zur Rente

Häufiger als der lebenslange Plan ist die Brücke: Das Geld soll nur eine begrenzte Zeit tragen, bis die gesetzliche Rente einsetzt. Dann sind deutlich höhere Monatsbeträge möglich, weil das Kapital planmäßig aufgebraucht wird.

Brückendauer2 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite
3 Jahre2.222 Euro/Monat2.266 Euro/Monat2.354 Euro/Monat
5 Jahre1.333 Euro/Monat1.373 Euro/Monat1.453 Euro/Monat
7 Jahre952 Euro/Monat990 Euro/Monat1.068 Euro/Monat
10 Jahre667 Euro/Monat703 Euro/Monat779 Euro/Monat

Entnahme in heutiger Kaufkraft, 2 Prozent Inflation, Kapital am Ende der Dauer aufgebraucht. Für kurze Brücken sind niedrige Renditeannahmen sinnvoll, weil Geld, das in drei Jahren gebraucht wird, nicht schwankungsstark angelegt gehört.

Bemerkenswert an dieser Tabelle ist, wie wenig die Rendite bei kurzen Brücken bringt: Über drei Jahre trennen 2 und 5 Prozent Rendite gerade 132 Euro im Monat. Wer das Geld ohnehin bald braucht, gewinnt mit mehr Risiko fast nichts und kann viel verlieren. Wie sich so eine Brücke mit der gesetzlichen Rente verzahnt, steht ausführlich im Artikel zur Rentenlücke und Brückenkapital.

Die Tabellen sind Durchschnitte, dein Depot schwankt

Alle Werte oben unterstellen jedes Jahr exakt dieselbe Rendite. Ein Aktiendepot liefert das nie. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht deshalb 3.000 zufällige Verläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite und 15 Prozent Schwankung, wie bei einem weltweit gestreuten Aktiendepot:

Entnahme pro MonatZiel 15 JahreZiel 20 JahreZiel 25 Jahre
300 Euro5 % Pleiterisiko18 %33 %
400 Euro19 %43 %59 %
500 Euro41 %65 %79 %
600 Euro61 %82 %90 %

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen mit Erwartungswert 6 Prozent und Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, vor Steuern. Pleite bedeutet: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.

Der Vergleich mit der Durchschnittstabelle ist ernüchternd. Rechnerisch reichen 400 Euro monatlich bei 6 Prozent gut 27 Jahre, in der Simulation scheitern über nur 25 Jahre aber 59 von 100 Verläufen. Verantwortlich ist das Renditereihenfolge-Risiko: Kommen die schwachen Jahre am Anfang, ist zu viel Substanz weg, bevor sich der Markt erholt.

Wie weit die Ergebnisse auseinandergehen, zeigt das Restkapital: Bei 400 Euro im Monat über 20 Jahre liegt der Median am Ende bei rund 12.500 Euro, die oberen 10 Prozent der Verläufe kommen auf über 171.000 Euro und die unteren 10 Prozent stehen bei null. Aus demselben Startkapital und derselben Entnahme wird also je nach Marktverlauf ein sattes Erbe oder eine leere Kasse. Mehr dazu unter Restkapital im Entnahmeplan.

Der wirksamste Hebel ist die Entnahmehöhe selbst. 350 statt 400 Euro im Monat verlängern die rechnerische Reichweite bei 5 Prozent Rendite von 23,2 auf 28,3 Jahre und senken das Pleiterisiko über 20 Jahre von 43 auf 29 Prozent. 50 Euro weniger im Monat kaufen also gut fünf Jahre.

Steuern: bei dieser Größenordnung meist klein

Besteuert wird nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Damit bleibt auch bei 80.000 Euro Kapital ein guter Teil der Entnahme steuerfrei.

Gewinnanteil der Entnahmesteuerfrei bis (pro Jahr)entspricht pro Monat
30 Prozent4.762 Euro397 Euro
40 Prozent3.571 Euro298 Euro
50 Prozent2.857 Euro238 Euro
60 Prozent2.381 Euro198 Euro
70 Prozent2.041 Euro170 Euro

Aktien-ETF mit 30 Prozent Teilfreistellung, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro, eine Person, ohne Kirchensteuer. Bei Paaren mit gemeinsamem Freistellungsauftrag verdoppeln sich die Grenzen.

Wird die Grenze überschritten, bleibt die Belastung überschaubar. Bei 400 Euro im Monat sind es 91 Euro Steuer im Jahr bei 40 Prozent Gewinnanteil, 179 Euro bei 50 Prozent und 357 Euro bei 70 Prozent, also 1,9 bis 7,4 Prozent der Entnahme. Erst bei 600 Euro im Monat und 70 Prozent Gewinnanteil steigt der effektive Satz auf 9,3 Prozent. Der Gewinnanteil wächst im Zeitverlauf, weil nach FIFO zuerst die ältesten und damit am stärksten gestiegenen Anteile verkauft werden. Wo genau die Grenze zur komplett steuerfreien Entnahme liegt, steht im Artikel Wann ist meine Entnahme steuerfrei.

Bei thesaurierenden Fonds kommt die Vorabpauschale hinzu. Auf 80.000 Euro Fondswert und den Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 1.792 Euro, nach Teilfreistellung 1.254 Euro steuerpflichtig. Das liegt schon allein über dem Pauschbetrag von 1.000 Euro, es bleiben rund 67 Euro Steuer im Jahr. Der Pauschbetrag ist damit aufgebraucht, der Verkaufsgewinn wird also von der ersten Entnahme an mitbesteuert. Voraussetzung ist allerdings, dass der Fonds im betreffenden Jahr auch tatsächlich so stark gestiegen ist, denn die Vorabpauschale ist auf die Wertsteigerung gedeckelt.

Was das praktisch bedeutet

80.000 Euro sind kein Ersatz für die gesetzliche Rente, aber sie sind mehr als ein Notgroschen. Drei Einsatzarten sind realistisch: eine Rentenlücke von 300 bis 400 Euro über 20 bis 25 Jahre schließen, eine Brücke von fünf bis sieben Jahren bis zum Rentenbeginn mit rund 950 bis 1.450 Euro im Monat bauen, oder als dauerhafte Aufstockung von etwa 200 bis 260 Euro monatlich bei erhaltener Substanz dienen. Wer daraus 600 Euro und mehr im Monat ziehen will, plant faktisch einen Verzehr über rund 15 Jahre, nicht eine lebenslange Zusatzrente.

Je enger es wird, desto wichtiger ist die Bereitschaft, in schlechten Jahren zu kürzen. Schon eine Kürzung um 10 bis 15 Prozent in Krisenjahren senkt das Pleiterisiko deutlich, wie der Artikel zu flexiblen Leitplanken zeigt.

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Häufige Fragen

Wie lange reichen 80.000 Euro bei 400 Euro Entnahme im Monat?

Inflationsangepasst (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent, die Kaufkraft bleibt konstant): ohne Rendite 14,3 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 18,3 Jahre, bei 5 Prozent 23,2 Jahre und bei 6 Prozent 27,6 Jahre. Bei 500 Euro im Monat sind es nur noch 17,2 Jahre bei 5 Prozent Rendite, bei 300 Euro dagegen 36,6 Jahre.

Wie viel kann ich aus 80.000 Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?

Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das rund 3,92 Prozent Realzins, also etwa 261 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es rund 196 Euro, bei 3 Prozent nur noch etwa 65 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.

Muss ich auf die Entnahme aus 80.000 Euro Steuern zahlen?

Oft nur wenig. Besteuert wird der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person. Bei 50 Prozent Gewinnanteil bleiben Entnahmen bis rund 2.857 Euro im Jahr, also etwa 238 Euro im Monat, komplett steuerfrei. Bei 400 Euro im Monat und 50 Prozent Gewinnanteil fallen rund 179 Euro Steuer im Jahr an, das sind 3,7 Prozent der Entnahme.