Ratgeber Entnahmeplan

Wie lange reichen 1,5 Millionen Euro im Ruhestand?

Mit 1,5 Millionen Euro ist ein komfortabler Ruhestand drin, aber nicht jede Entnahme trägt. Hier sind die Zahlen, inflationsbereinigt gerechnet, mit Pleitewahrscheinlichkeit, Steuern und Vorabpauschale.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Bei 6.000 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent Inflation) reichen 1,5 Millionen Euro ohne Rendite 17,3 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 23,4 Jahre, bei 5 Prozent 32,7 Jahre und bei 6 Prozent 44,1 Jahre. Wer mit 4.000 Euro im Monat auskommt und 6 Prozent Rendite erzielt, lebt rechnerisch dauerhaft von den Erträgen. Bei 8.000 Euro im Monat sind es selbst mit 6 Prozent Rendite nur 24,7 Jahre.

Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)

Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real immer gleich viel leisten kannst. Das ist die Rechnung, die zum Leben passt, nicht die geschönte.

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)0 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
4.000 Euro24,1 Jahre37,5 Jahre86,8 Jahrereicht dauerhaft
5.000 Euro20,1 Jahre28,8 Jahre45,9 Jahre102,2 Jahre
6.000 Euro17,3 Jahre23,4 Jahre32,7 Jahre44,1 Jahre
7.000 Euro15,2 Jahre19,7 Jahre25,7 Jahre31,3 Jahre
8.000 Euro13,5 Jahre17,0 Jahre21,2 Jahre24,7 Jahre

Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Die 4-Prozent-Regel ergibt hier 5.000 Euro im Monat

Aus 1,5 Millionen Euro werden nach der bekannten Faustformel 60.000 Euro im Jahr, also 5.000 Euro im Monat. Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation reicht das Kapital damit rechnerisch 45,9 Jahre. Die Faustformel stammt allerdings aus US-Daten, rechnet vor Steuern und Kosten und beschreibt einen Durchschnitt, keine Garantie. Für deutsche Verhältnisse gelten 3 bis 3,5 Prozent als robuster, das wären hier 3.750 bis 4.375 Euro im Monat. Mehr dazu im Artikel zur 4-Prozent-Regel und zur vorsichtigeren 3-Prozent-Regel.

Zwischen 5.000 und 6.000 Euro kippt die Rechnung

Die beiden Zeilen trennen nur 1.000 Euro im Monat, aber bei 5 Prozent Rendite schrumpft die Reichweite von 45,9 auf 32,7 Jahre, also um mehr als 13 Jahre. Der Grund: Der reale Ertrag des Depots liegt bei 5 Prozent Rendite bei 3.676 Euro im Monat. 5.000 Euro verzehren das Kapital noch gemächlich, 6.000 Euro liegen schon deutlich darüber, und der Verzehr beschleunigt sich mit jedem Jahr, weil das schrumpfende Depot immer weniger Ertrag abwirft. Wie stark umgekehrt schon kleine Kürzungen wirken, zeigt der Artikel dazu, wie viele Jahre eine kleinere Entnahme bringt.

Warum die üblichen Rechner mehr versprechen

Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein: 6.000 Euro bleiben dort 6.000 Euro, auch in 25 Jahren. Dann reichen 1,5 Millionen Euro bei 3 Prozent Zins scheinbar 33,2 Jahre statt 23,4, und bei 5 Prozent sogar unbegrenzt. Der Haken: Nach 25 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen dir 6.000 Euro nur noch so viel wie heute 3.657 Euro. Die längere Reichweite bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Deshalb rechnet unser Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten, nominal und real. Wie groß der Unterschied über die Jahre wird, steht im Artikel zur Wirkung der Inflation auf den Entnahmeplan.

Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?

Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:

Geplante Dauer3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
15 Jahre9.002 Euro/Monat10.426 Euro/Monat11.181 Euro/Monat
20 Jahre6.913 Euro/Monat8.356 Euro/Monat9.134 Euro/Monat
25 Jahre5.662 Euro/Monat7.132 Euro/Monat7.935 Euro/Monat
30 Jahre4.830 Euro/Monat6.329 Euro/Monat7.160 Euro/Monat
35 Jahre4.236 Euro/Monat5.768 Euro/Monat6.626 Euro/Monat

Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation 4.902 Euro im Monat, bei 5 Prozent 3.676 Euro und bei 4 Prozent nur noch 2.451 Euro. Kapitalerhalt kostet also rund 42 Prozent des Budgets, das ein 30-Jahres-Plan bei 5 Prozent Rendite hergeben würde. Den Zielkonflikt zwischen laufendem Budget und Nachlass behandelt der Artikel zu Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt, was am Ende für die Erben übrig bleibt, der Artikel zum Restkapital im Entnahmeplan.

Die Zahlen sind Durchschnittswerte, dein Depot schwankt

Alle Tabellen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot schwankt, und die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre entscheidet mit. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht dafür 3.000 Zufallsverläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation, also ungefähr die Kennzahlen eines weltweiten Aktiendepots:

Entnahme pro MonatPleiterisiko über 25 JahrePleiterisiko über 30 Jahre
3.000 Euro3,5 %7,5 %
3.500 Euro6,7 %12,2 %
4.000 Euro11,5 %19,2 %
4.500 Euro17,1 %26,1 %
5.000 Euro23,1 %34,1 %
6.000 Euro37,2 %50,1 %
7.000 Euro52,2 %62,4 %

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, normalverteilte Jahresrenditen, Erwartungswert 6 Prozent, Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, fester Startwert der Simulation. Pleite heißt: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.

Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der freundlichen Tabelle. 6.000 Euro im Monat sehen im Durchschnitt nach 44 Jahren Reichweite aus, scheitern aber in jedem zweiten simulierten 30-Jahres-Verlauf, genau in 50,1 Prozent. Auch die 4-Prozent-Entnahme von 5.000 Euro ist kein sicherer Hafen: Sie geht in 34,1 Prozent der Verläufe über 30 Jahre schief. Wer über 30 Jahre unter 10 Prozent Pleiterisiko bleiben will, landet bei rund 3.000 Euro im Monat, das sind 7,5 Prozent gescheiterte Verläufe. Bei 3.200 Euro sind es 9,3 Prozent.

Gleichzeitig geht die Spanne nach oben weit auf. Bei 3.000 Euro über 25 Jahre liegt das mittlere Restkapital bei 2.708.524 Euro, im guten Zehntel der Verläufe bei rund 8,7 Millionen Euro und im schwachen Zehntel immerhin noch bei 455.229 Euro. Das Depot wächst in der Mehrzahl der Fälle trotz Entnahme weiter. Was diese Wahrscheinlichkeiten aussagen und was nicht, steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation für den Ruhestand.

1,5 Millionen Euro als Brücke bis zur Rente

Wer früh aussteigt, braucht das Depot oft vor allem für die Jahre bis zur gesetzlichen Rente. Als reines Brückenkapital bei 4 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation tragen 1,5 Millionen Euro 19.285 Euro im Monat über sieben Jahre, 13.887 Euro über zehn Jahre oder 11.792 Euro über zwölf Jahre, jeweils in heutiger Kaufkraft. In der Praxis wird bei dieser Depotgröße kaum jemand alles in der Brückenzeit verbrauchen. Sinnvoller ist meist eine Aufteilung: ein Teil als Brücke, der Rest als lebenslanger Topf neben der Rente. Wie sich das sauber rechnen lässt, zeigt der Artikel zur Brücke bis zur Rente.

Was das Finanzamt nimmt

Besteuert wird beim ETF-Verkauf nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Bei 6.000 Euro Entnahme im Monat, also 72.000 Euro im Jahr, und einem Gewinnanteil von 50 Prozent fallen 6.383 Euro Steuer an. Das sind 8,9 Prozent der Entnahme, obwohl der nominale Satz aus Abgeltungsteuer und Soli 26,375 Prozent beträgt. Netto bleiben 5.468 Euro im Monat, und wer netto volle 6.000 Euro braucht, muss brutto 6.586 Euro entnehmen. Bei einem Gewinnanteil von 70 Prozent, also bei einem lange gelaufenen Depot, steigt die Steuer auf 9.041 Euro im Jahr oder 12,6 Prozent der Entnahme. Paare mit zusammen 2.000 Euro Pauschbetrag zahlen 6.119 Euro, also 8,5 Prozent. Bei dieser Entnahmehöhe spielt der Pauschbetrag kaum noch eine Rolle, entscheidend ist der Gewinnanteil. Warum der im Lauf der Jahre steigt, erklärt der Artikel zum FIFO-Prinzip beim ETF-Verkauf.

Dazu kommt bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale. Bei 1,5 Millionen Euro Fondswert und dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 33.600 Euro, nach Teilfreistellung 23.520 Euro steuerpflichtig und damit 6.203 Euro Steuer vor Anrechnung des Sparerpauschbetrags. Das ist keine Zusatzsteuer, denn die Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf vom steuerpflichtigen Gewinn abgezogen. Sie zieht aber im laufenden Jahr Liquidität ab, bei dieser Depotgröße eine spürbare Summe, und gehört deshalb in die Planung. Details stehen im Artikel zur Vorabpauschale 2026.

Rechne deinen eigenen Fall

Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Passt die Größenordnung nicht, hilft der Artikel zum Entnahmeplan mit 1 Million Euro oder zum Entnahmeplan mit 2 Millionen Euro.

Häufige Fragen

Wie lange reichen 1,5 Millionen Euro bei 6.000 Euro Entnahme im Monat?

Inflationsangepasst gerechnet, also mit einer Entnahme, die jährlich um 2 Prozent steigt und die Kaufkraft konstant hält: ohne Rendite 17,3 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 23,4 Jahre, bei 5 Prozent 32,7 Jahre und bei 6 Prozent 44,1 Jahre. Wer die Entnahme nominal einfriert, kommt rechnerisch weiter, verliert aber jedes Jahr Kaufkraft.

Wie viel kann ich aus 1,5 Millionen Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?

Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 3,92 Prozent Realzins, also 4.902 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es 3.676 Euro, bei 4 Prozent nur noch 2.451 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.

Wie hoch ist das Risiko, dass 1,5 Millionen Euro vorzeitig aufgebraucht sind?

In der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre scheitern bei 5.000 Euro monatlicher Entnahme 34,1 Prozent der 3.000 simulierten Verläufe. Bei 4.000 Euro sind es 19,2 Prozent, bei 3.500 Euro 12,2 Prozent und bei 3.000 Euro 7,5 Prozent. Die Durchschnittsrechnung sieht deutlich freundlicher aus als die Verteilung.