Ratgeber Entnahmeplan

Wie lange reichen 900.000 Euro im Ruhestand?

Die ehrliche Antwort hängt an drei Stellschrauben: Entnahmehöhe, Rendite und Inflation. Hier sind die Zahlen, inflationsbereinigt gerechnet, mit allen Tabellen.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Bei 3.500 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent Inflation) reichen 900.000 Euro ohne Rendite 17,7 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 24,2 Jahre, bei 5 Prozent 34,3 Jahre und bei 6 Prozent 47,7 Jahre. Wer mit 2.500 Euro im Monat auskommt und 6 Prozent Rendite erzielt, lebt rechnerisch dauerhaft von den Erträgen. Bei 4.500 Euro im Monat sind es selbst mit 6 Prozent Rendite nur 27,6 Jahre.

Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)

Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real immer gleich viel leisten kannst. Das ist die Rechnung, die zum Leben passt, nicht die geschönte.

Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft)0 % Rendite3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
2.000 Euro27,8 Jahre47,0 Jahrereicht dauerhaftreicht dauerhaft
2.500 Euro23,4 Jahre35,7 Jahre73,8 Jahrereicht dauerhaft
3.000 Euro20,1 Jahre28,8 Jahre45,9 Jahreüber 100 Jahre
3.500 Euro17,7 Jahre24,2 Jahre34,3 Jahre47,7 Jahre
4.000 Euro15,8 Jahre20,8 Jahre27,7 Jahre34,6 Jahre
4.500 Euro14,3 Jahre18,3 Jahre23,2 Jahre27,6 Jahre

Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.

Die 4-Prozent-Regel ergibt hier genau 3.000 Euro im Monat

Aus 900.000 Euro werden nach der bekannten Faustformel 36.000 Euro im Jahr, also genau 3.000 Euro im Monat. Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation reicht das Kapital damit rechnerisch 45,9 Jahre. Die Faustformel stammt allerdings aus US-Daten, rechnet vor Steuern und Kosten und beschreibt einen Durchschnitt, keine Garantie. Für deutsche Verhältnisse gelten 3 bis 3,5 Prozent als robuster, das wären hier 2.250 bis 2.625 Euro im Monat. Mehr dazu im Artikel zur 4-Prozent-Regel und zur vorsichtigeren 3-Prozent-Regel.

Bis rund 2.200 Euro bleibt das Kapital erhalten

Bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation wirft ein Depot von 900.000 Euro real 2.206 Euro im Monat ab. Bis zu dieser Grenze bleibt die Kaufkraft des Kapitals erhalten, deshalb reichen 2.000 Euro dort dauerhaft. Jeder Euro darüber verzehrt die Substanz, und zwar mit wachsendem Tempo, weil das schrumpfende Depot immer weniger Ertrag abwirft: Von 2.500 auf 3.000 Euro sinkt die Reichweite bei 5 Prozent Rendite von 73,8 auf 45,9 Jahre, von 3.000 auf 3.500 Euro noch einmal um 11,6 Jahre. Wie stark umgekehrt schon kleine Kürzungen wirken, zeigt der Artikel dazu, wie viele Jahre eine kleinere Entnahme bringt.

Warum die üblichen Rechner mehr versprechen

Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein: 3.500 Euro bleiben dort 3.500 Euro, auch in 25 Jahren. Dann reichen 900.000 Euro bei 3 Prozent Zins scheinbar 34,8 Jahre statt 24,2, und bei 5 Prozent sogar unbegrenzt. Der Haken: Nach 25 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen dir 3.500 Euro nur noch so viel wie heute 2.133 Euro. Die längere Reichweite bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Deshalb rechnet unser Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten, nominal und real. Wie groß der Unterschied über die Jahre wird, steht im Artikel zur Wirkung der Inflation auf den Entnahmeplan.

Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?

Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:

Geplante Dauer3 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite
15 Jahre5.401 Euro/Monat6.256 Euro/Monat6.709 Euro/Monat
20 Jahre4.148 Euro/Monat5.014 Euro/Monat5.480 Euro/Monat
25 Jahre3.397 Euro/Monat4.279 Euro/Monat4.761 Euro/Monat
30 Jahre2.898 Euro/Monat3.797 Euro/Monat4.296 Euro/Monat
35 Jahre2.542 Euro/Monat3.461 Euro/Monat3.976 Euro/Monat

Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation 2.941 Euro im Monat, bei 5 Prozent 2.206 Euro und bei 4 Prozent nur noch 1.471 Euro. Kapitalerhalt kostet also rund 42 Prozent des Budgets, das ein 30-Jahres-Plan bei 5 Prozent Rendite hergeben würde (2.206 statt 3.797 Euro). Den Zielkonflikt zwischen laufendem Budget und Nachlass behandelt der Artikel zu Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.

Die Zahlen sind Durchschnittswerte, dein Depot schwankt

Alle Tabellen oben unterstellen, dass die Rendite jedes Jahr exakt gleich ausfällt. Ein echtes Aktiendepot schwankt, und die Reihenfolge der guten und schlechten Jahre entscheidet mit. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht dafür 3.000 Zufallsverläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation, also ungefähr die Kennzahlen eines weltweiten Aktiendepots:

Entnahme pro MonatPleiterisiko über 25 JahrePleiterisiko über 30 Jahre
1.750 Euro3,3 %6,9 %
2.000 Euro5,5 %10,2 %
2.500 Euro13,6 %20,5 %
3.000 Euro23,1 %34,1 %
3.500 Euro34,1 %48,9 %
4.000 Euro46,8 %59,2 %
4.500 Euro58,5 %69,6 %

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, normalverteilte Jahresrenditen, Erwartungswert 6 Prozent, Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, fester Startwert der Simulation. Pleite heißt: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.

Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der freundlichen Tabelle. 3.500 Euro im Monat sehen im Durchschnitt nach fast 48 Jahren Reichweite aus, scheitern aber in 48,9 Prozent der simulierten 30-Jahres-Verläufe, also in fast jedem zweiten. Auch die 4-Prozent-Entnahme von 3.000 Euro ist kein sicherer Hafen: Sie geht in 34,1 Prozent der Verläufe über 30 Jahre schief. Wer über 30 Jahre unter 10 Prozent Pleiterisiko bleiben will, landet bei rund 1.900 Euro im Monat, das sind 8,8 Prozent gescheiterte Verläufe. Bei 1.800 Euro sind es 7,5 Prozent.

Gleichzeitig geht die Spanne nach oben weit auf. Bei 1.900 Euro über 30 Jahre liegt das mittlere Restkapital bei 1.706.123 Euro nominal, im guten Zehntel der Verläufe bei rund 6,5 Millionen Euro. Das Depot wächst in der Mehrzahl der Fälle trotz Entnahme weiter. Was diese Wahrscheinlichkeiten aussagen und was nicht, steht im Artikel zur Monte-Carlo-Simulation für den Ruhestand. Wer zwischen Sicherheit und Budget vermitteln will, findet im Artikel zur flexiblen Entnahme mit Leitplanken einen Mittelweg.

900.000 Euro als Brücke bis zur Rente

Viele brauchen das Depot nicht lebenslang, sondern nur für die Jahre bis zur gesetzlichen Rente. Als reines Brückenkapital bei 4 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation tragen 900.000 Euro 11.571 Euro im Monat über sieben Jahre, 8.332 Euro über zehn Jahre oder 7.075 Euro über zwölf Jahre, jeweils in heutiger Kaufkraft. Diese Rechnung ist deutlich robuster als ein 30-Jahres-Plan, weil der Horizont kurz ist und das Renditereihenfolge-Risiko entsprechend weniger Zeit hat zu wirken. Bei dieser Depotgröße ist meist eine Mischung sinnvoller: ein Teil als Brücke, der Rest als lebenslanger Topf neben der Rente. Wie sich das sauber aufteilen lässt, zeigt der Artikel zur Brücke bis zur Rente.

Was das Finanzamt nimmt

Besteuert wird beim ETF-Verkauf nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Bei 3.500 Euro Entnahme im Monat, also 42.000 Euro im Jahr, und einem Gewinnanteil von 50 Prozent fallen 3.613 Euro Steuer an. Das sind 8,6 Prozent der Entnahme, obwohl der nominale Satz aus Abgeltungsteuer und Soli 26,375 Prozent beträgt. Netto bleiben 3.199 Euro im Monat, und wer netto volle 3.500 Euro braucht, muss brutto 3.832 Euro entnehmen. Bei einem Gewinnanteil von 70 Prozent, also bei einem lange gelaufenen Depot, steigt die Steuer auf 5.164 Euro im Jahr oder 12,3 Prozent der Entnahme. Paare mit zusammen 2.000 Euro Pauschbetrag zahlen dagegen nur 3.350 Euro, also 8,0 Prozent. Warum der Gewinnanteil im Laufe des Plans steigt, erklärt der Artikel zu FIFO beim ETF-Verkauf.

Dazu kommt bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale. Bei 900.000 Euro Fondswert und dem Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 20.160 Euro, nach Teilfreistellung 14.112 Euro steuerpflichtig und damit 3.722 Euro Steuer vor Anrechnung des Sparerpauschbetrags. Das ist keine Zusatzsteuer, denn die Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf vom steuerpflichtigen Gewinn abgezogen. Sie belastet aber die Liquidität im laufenden Jahr und gehört deshalb in die Planung. Details stehen im Artikel zur Vorabpauschale 2026.

Rechne deinen eigenen Fall

Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Passt die Größenordnung nicht, hilft der Artikel zu 800.000 Euro oder zum Entnahmeplan mit 1 Million Euro. Alle weiteren Rechenbeispiele stehen im Ratgeber.

Häufige Fragen

Wie lange reichen 900.000 Euro bei 3.500 Euro Entnahme im Monat?

Inflationsangepasst gerechnet, also mit einer Entnahme, die jährlich um 2 Prozent steigt und die Kaufkraft konstant hält: ohne Rendite 17,7 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 24,2 Jahre, bei 5 Prozent 34,3 Jahre und bei 6 Prozent 47,7 Jahre. Wer die Entnahme nominal einfriert, kommt rechnerisch weiter, verliert aber jedes Jahr Kaufkraft.

Wie viel kann ich aus 900.000 Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?

Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das 3,92 Prozent Realzins, also 2.941 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es 2.206 Euro, bei 4 Prozent nur noch 1.471 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.

Wie hoch ist das Risiko, dass 900.000 Euro vorzeitig aufgebraucht sind?

In der Monte-Carlo-Simulation mit 6 Prozent erwarteter Rendite, 15 Prozent Schwankung und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre scheitern bei 3.500 Euro monatlicher Entnahme 48,9 Prozent der 3.000 simulierten Verläufe. Bei 3.000 Euro sind es 34,1 Prozent, bei 2.500 Euro 20,5 Prozent und bei 2.000 Euro 10,2 Prozent. Die Durchschnittsrechnung sieht deutlich freundlicher aus als die Verteilung.