Kurzantwort: Bei 300 Euro monatlicher Entnahme in heutiger Kaufkraft reichen 60.000 Euro ohne Rendite 14,3 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 18,3 Jahre, bei 5 Prozent 23,2 Jahre und bei 6 Prozent 27,6 Jahre. Wer mit 200 Euro im Monat auskommt, ist bei 5 Prozent Rendite 45,9 Jahre versorgt. Bei 600 Euro monatlich ist dagegen selbst mit 6 Prozent nach 10,3 Jahren Schluss. Alle Werte gehen von 2 Prozent Inflation aus, die Entnahme steigt also jedes Jahr mit, damit die Kaufkraft konstant bleibt.
Die Reichweite in der Übersicht (Kaufkraft konstant)
Diese Tabelle rechnet die Entnahme dynamisch: Der Betrag steigt jedes Jahr um 2 Prozent, damit du dir real dauerhaft gleich viel leisten kannst. Das ist die realistische Rechnung, nicht die geschönte.
| Entnahme pro Monat (heutige Kaufkraft) | 0 % Rendite | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|---|
| 200 Euro | 20,1 Jahre | 28,8 Jahre | 45,9 Jahre | über 100 Jahre |
| 250 Euro | 16,7 Jahre | 22,4 Jahre | 30,6 Jahre | 39,9 Jahre |
| 300 Euro | 14,3 Jahre | 18,3 Jahre | 23,2 Jahre | 27,6 Jahre |
| 400 Euro | 11,1 Jahre | 13,4 Jahre | 15,8 Jahre | 17,5 Jahre |
| 500 Euro | 9,0 Jahre | 10,6 Jahre | 12,0 Jahre | 12,9 Jahre |
| 600 Euro | 7,6 Jahre | 8,7 Jahre | 9,7 Jahre | 10,3 Jahre |
Annahme: 2 Prozent Inflation pro Jahr, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern und Kosten. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1.
Auffällig ist die Zeile mit 200 Euro: Bei 6 Prozent Rendite liegt die Entnahme nur knapp über dem realen Ertrag, das Kapital schrumpft deshalb kaum und hält rechnerisch mehr als 100 Jahre. Schon 50 Euro mehr im Monat holen die Reichweite auf knapp 40 Jahre herunter. Je näher die Entnahme am realen Ertrag liegt, desto empfindlicher reagiert die Reichweite auf jeden zusätzlichen Euro.
Was die 4-Prozent-Regel für 60.000 Euro sagt
Nach der bekannten Faustformel wären 4 Prozent des Startkapitals pro Jahr entnehmbar, also 2.400 Euro oder genau 200 Euro im Monat, inflationsangepasst über 30 Jahre. Rechnerisch geht das bei 5 Prozent Rendite mit großem Puffer auf, das Kapital würde 45,9 Jahre tragen. In der Simulation mit schwankenden Renditen scheitern über 30 Jahre trotzdem 34 von 100 Verläufen. Mit 3 Prozent Entnahmerate, also 150 Euro im Monat, sinkt das auf 15 Prozent. Warum die Regel aus US-Daten für Deutschland zu optimistisch ist, steht in der Erklärung zur 4-Prozent-Regel und im Vergleich mit der 3-Prozent-Regel.
Warum viele Rechner mehr versprechen
Die meisten Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein. 300 Euro bleiben dort 300 Euro, auch in 20 Jahren. Dann reichen 60.000 Euro bei 5 Prozent Rendite scheinbar 36,7 Jahre statt 23,2. Der Haken steckt in der Kaufkraft: Nach 20 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen 300 Euro nur noch so viel wie heute rund 202 Euro. Die zusätzlichen gut 13 Jahre bezahlst du mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard. Mehr dazu im Artikel dynamische gegen feste Entnahme.
Auch die Inflationsannahme selbst zählt. Steigen die Preise mit 3 statt 2 Prozent, schrumpft die Reichweite bei 300 Euro und 5 Prozent Rendite von 23,2 auf 20,3 Jahre. Ein Prozentpunkt Inflation kostet hier also knapp drei Jahre.
Andersherum gefragt: Wie viel darf ich entnehmen?
Wenn die Dauer feststeht, lässt sich die maximale konstante Entnahme in heutiger Kaufkraft direkt ausrechnen:
| Geplante Dauer | 3 % Rendite | 5 % Rendite | 6 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 10 Jahre | 527 Euro/Monat | 584 Euro/Monat | 614 Euro/Monat |
| 15 Jahre | 360 Euro/Monat | 417 Euro/Monat | 447 Euro/Monat |
| 20 Jahre | 277 Euro/Monat | 334 Euro/Monat | 365 Euro/Monat |
| 25 Jahre | 226 Euro/Monat | 285 Euro/Monat | 317 Euro/Monat |
| 30 Jahre | 193 Euro/Monat | 253 Euro/Monat | 286 Euro/Monat |
Soll das Kapital nie angegriffen werden, trägt nur der reale Ertrag: bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation rund 196 Euro im Monat, bei 5 Prozent etwa 147 Euro und bei 3 Prozent nur noch rund 49 Euro. Ein echter Kapitalerhalt bringt bei 60.000 Euro also eher einen Zuschuss für Versicherungen und Rücklagen als eine spürbare Zusatzrente.
60.000 Euro als Brücke bis zur Rente
Für viele ist das die wichtigste Frage: Reichen 60.000 Euro, um ein paar Jahre früher aufzuhören? Wird das Kapital bis zum Rentenbeginn planmäßig aufgebraucht, sind deutlich höhere Monatsbeträge möglich.
| Brückendauer | 2 % Rendite | 3 % Rendite | 5 % Rendite |
|---|---|---|---|
| 2 Jahre | 2.500 Euro/Monat | 2.537 Euro/Monat | 2.611 Euro/Monat |
| 3 Jahre | 1.667 Euro/Monat | 1.699 Euro/Monat | 1.766 Euro/Monat |
| 5 Jahre | 1.000 Euro/Monat | 1.030 Euro/Monat | 1.090 Euro/Monat |
| 7 Jahre | 714 Euro/Monat | 743 Euro/Monat | 801 Euro/Monat |
Entnahme in heutiger Kaufkraft, 2 Prozent Inflation, Kapital am Ende der Dauer aufgebraucht. Bei 2 Prozent Rendite entspricht die Rendite genau der Inflation, der Realzins ist null.
Realistisch ist mit 60.000 Euro vor allem eine Brücke von zwei bis drei Jahren mit spürbarem Einkommen oder eine Teilbrücke über fünf Jahre, die zusammen mit Teilzeit oder einem Minijob trägt. Für kurze Brücken lohnt sich viel Risiko kaum: Über zwei Jahre trennen 2 und 5 Prozent Rendite gerade 111 Euro im Monat. Geld, das bald gebraucht wird, gehört nicht in ein schwankungsstarkes Depot. Wie sich so eine Brücke mit der gesetzlichen Rente verzahnt und was Abschläge kosten, steht im Artikel zur Rentenlücke und Brückenkapital und unter Was kostet ein Jahr früher in Rente.
Die Tabellen sind Durchschnitte, dein Depot schwankt
Alle Werte oben unterstellen jedes Jahr exakt dieselbe Rendite. Ein Aktiendepot liefert das nie. Die Monte-Carlo-Simulation des Rechners zieht deshalb 3.000 zufällige Verläufe mit 6 Prozent erwarteter Rendite und 15 Prozent Schwankung, wie bei einem weltweit gestreuten Aktiendepot:
| Entnahme pro Monat | Ziel 10 Jahre | Ziel 15 Jahre | Ziel 20 Jahre | Ziel 25 Jahre |
|---|---|---|---|---|
| 200 Euro | 0 % Pleiterisiko | 3 % | 11 % | 23 % |
| 250 Euro | 1 % | 9 % | 25 % | 41 % |
| 300 Euro | 2 % | 19 % | 43 % | 59 % |
| 400 Euro | 11 % | 48 % | 72 % | 84 % |
| 500 Euro | 31 % | 73 % | 90 % | 95 % |
Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen mit Erwartungswert 6 Prozent und Volatilität 15 Prozent, Inflation 2 Prozent, vor Steuern. Pleite bedeutet: Das Kapital ist vor Ablauf der Zieldauer erschöpft.
Der Vergleich mit der Durchschnittstabelle ist ernüchternd. Rechnerisch reichen 300 Euro monatlich bei 6 Prozent gut 27 Jahre, in der Simulation scheitern über nur 25 Jahre aber 59 von 100 Verläufen. Verantwortlich ist das Renditereihenfolge-Risiko: Kommen die schwachen Jahre am Anfang, ist zu viel Substanz weg, bevor sich der Markt erholt. Über zehn Jahre ist das Risiko dagegen bis 300 Euro gering, kurze Horizonte verzeihen mehr.
Wie weit die Ergebnisse auseinandergehen, zeigt das Restkapital: Bei 300 Euro im Monat über 20 Jahre liegt der Median am Ende bei rund 9.400 Euro, die oberen 10 Prozent der Verläufe kommen auf über 128.000 Euro und die unteren 10 Prozent stehen bei null. Mehr dazu unter Restkapital im Entnahmeplan.
Der wirksamste Hebel ist die Entnahmehöhe selbst. 250 statt 300 Euro im Monat verlängern die rechnerische Reichweite bei 5 Prozent Rendite von 23,2 auf 30,6 Jahre und senken das Pleiterisiko über 20 Jahre von 43 auf 25 Prozent. 50 Euro weniger im Monat kaufen hier also gut sieben Jahre.
Steuern: meist kaum ein Thema
Besteuert wird nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr. Bei 60.000 Euro Kapital bleibt deshalb ein großer Teil der üblichen Entnahmen komplett steuerfrei.
| Gewinnanteil der Entnahme | steuerfrei bis (pro Jahr) | entspricht pro Monat |
|---|---|---|
| 30 Prozent | 4.762 Euro | 397 Euro |
| 40 Prozent | 3.571 Euro | 298 Euro |
| 50 Prozent | 2.857 Euro | 238 Euro |
| 60 Prozent | 2.381 Euro | 198 Euro |
| 70 Prozent | 2.041 Euro | 170 Euro |
Aktien-ETF mit 30 Prozent Teilfreistellung, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro, eine Person, ohne Kirchensteuer. Bei Paaren mit gemeinsamem Freistellungsauftrag verdoppeln sich die Grenzen.
Wird die Grenze überschritten, bleibt die Belastung klein. Bei 300 Euro im Monat sind es 2 Euro Steuer im Jahr bei 40 Prozent Gewinnanteil, 69 Euro bei 50 Prozent und 202 Euro bei 70 Prozent, also 0,1 bis 5,6 Prozent der Entnahme. Der Gewinnanteil wächst im Zeitverlauf, weil nach FIFO zuerst die ältesten und damit am stärksten gestiegenen Anteile verkauft werden. Wo genau die Grenze liegt, steht im Artikel Wann ist meine Entnahme steuerfrei.
Bei thesaurierenden Fonds kommt die Vorabpauschale hinzu. Auf 60.000 Euro Fondswert und den Basiszins 2026 von 3,20 Prozent ergibt sich ein Basisertrag von 1.344 Euro, nach Teilfreistellung 940,80 Euro steuerpflichtig. Das bleibt knapp unter dem Pauschbetrag, es fällt also keine Steuer an. Allerdings sind dann nur noch 59,20 Euro Pauschbetrag übrig, bei 50 Prozent Gewinnanteil reicht das für gerade rund 169 Euro steuerfreie Entnahme im Jahr. Voraussetzung ist, dass der Fonds im Jahr auch tatsächlich so stark gestiegen ist, denn die Vorabpauschale ist auf die Wertsteigerung gedeckelt.
Was das praktisch bedeutet
60.000 Euro liegen zwischen Notgroschen und echter Zusatzrente. Drei Einsatzarten sind realistisch: eine Rentenlücke von 250 bis 300 Euro über 20 bis 25 Jahre schließen, eine Brücke von zwei bis drei Jahren mit rund 1.700 bis 2.500 Euro im Monat bauen, oder als dauerhafte Aufstockung von etwa 150 bis 200 Euro monatlich bei erhaltener Substanz dienen. Wer daraus 500 Euro und mehr im Monat ziehen will, plant faktisch einen Verzehr über rund zehn Jahre.
Zur Einordnung in der Serie: Mit 50.000 Euro sinkt jede mögliche Entnahme aus den Tabellen um ein Sechstel, mit 80.000 Euro steigt sie um ein Drittel. Bei kleinen Depots zählt außerdem ein Notgroschen außerhalb des Plans, damit eine kaputte Waschmaschine nicht den Verkauf im Börsentief erzwingt. Wie groß dieser Puffer sein sollte, steht im Artikel zum Cash-Puffer.
Rechne deinen eigenen Fall
Andere Entnahme, anderes Kapital, andere Annahmen: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Fall in Sekunden, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und auf Wunsch Steuern auf ETF-Entnahmen.
Häufige Fragen
Wie lange reichen 60.000 Euro bei 300 Euro Entnahme im Monat?
Inflationsangepasst (die Entnahme steigt jährlich mit 2 Prozent, die Kaufkraft bleibt konstant): ohne Rendite 14,3 Jahre, bei 3 Prozent Rendite 18,3 Jahre, bei 5 Prozent 23,2 Jahre und bei 6 Prozent 27,6 Jahre. Bei 400 Euro im Monat sind es nur noch 15,8 Jahre bei 5 Prozent Rendite, bei 250 Euro dagegen 30,6 Jahre.
Wie viel kann ich aus 60.000 Euro dauerhaft entnehmen, ohne das Kapital anzugreifen?
Dauerhaft trägt nur der reale Ertrag. Bei 6 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das rund 3,92 Prozent Realzins, also etwa 196 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft. Bei 5 Prozent Rendite sind es rund 147 Euro, bei 3 Prozent nur noch etwa 49 Euro. Alles darüber verzehrt planmäßig das Kapital.
Wie viel kann ich aus 60.000 Euro als Brücke bis zur Rente entnehmen?
Wird das Kapital bis zum Rentenbeginn planmäßig aufgebraucht, sind bei 3 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation über drei Jahre rund 1.699 Euro im Monat drin, über fünf Jahre rund 1.030 Euro und über sieben Jahre rund 743 Euro, jeweils in heutiger Kaufkraft.