Ratgeber Entnahmeplan

Wie viel Kapital brauche ich für 600 Euro monatlich?

600 Euro im Monat sind eine typische Lücke zwischen gesetzlicher Rente und tatsächlichem Bedarf. Hier steht, wie viel Depot dahinter stehen muss: nach Dauer und Rendite, nach Renteneintrittsalter, bei Kapitalerhalt, mit Pleiterisiko und mit der Grenze, bis zu der die Entnahme steuerfrei bleibt.

Keine Anlageberatung. Alle Werte sind Modellrechnungen, gerechnet mit der Logik des Entnahmeplan-Rechners.

Kurzantwort: Für 600 Euro monatlich in heutiger Kaufkraft brauchst du bei 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation und 30 Jahren Laufzeit rund 142.000 Euro. Bei 6 Prozent Rendite sinkt der Bedarf auf rund 126.000 Euro, bei 4 Prozent steigt er auf rund 162.000 Euro. Soll das Kapital nie angetastet werden, sind bei 6 Prozent rund 184.000 Euro nötig. Wer mit einem schwankenden Aktiendepot statt mit einer glatten Durchschnittsrendite plant, braucht für ein Pleiterisiko unter 10 Prozent eher 280.000 bis 320.000 Euro.

Kapitalbedarf nach Dauer und Rendite

600 Euro im Monat sind 7.200 Euro im Jahr. Wie viel Kapital dafür nötig ist, hängt an zwei Annahmen: wie lange der Plan tragen soll und welche Rendite das Depot liefert. Die Tabelle zeigt beides, immer für 600 Euro in heutiger Kaufkraft. Die Entnahme steigt jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation, am Ende der Dauer ist das Kapital planmäßig aufgebraucht.

Geplante Dauer3 % Rendite4 % Rendite5 % Rendite6 % Rendite7 % Rendite
15 Jahre100.000 Euro93.000 Euro86.000 Euro80.000 Euro75.000 Euro
20 Jahre130.000 Euro118.000 Euro108.000 Euro99.000 Euro90.000 Euro
25 Jahre159.000 Euro141.000 Euro126.000 Euro113.000 Euro102.000 Euro
30 Jahre186.000 Euro162.000 Euro142.000 Euro126.000 Euro112.000 Euro
35 Jahre212.000 Euro181.000 Euro156.000 Euro136.000 Euro119.000 Euro
40 Jahre237.000 Euro198.000 Euro168.000 Euro144.000 Euro125.000 Euro

Annahme: 2 Prozent Inflation, Entnahme jeweils zum Jahresende, vor Steuern und Kosten. Gerechnet über den Realzins rreal = (1+r)/(1+i) − 1 und die Annuitätenformel. Werte auf volle 1.000 Euro gerundet.

Der Kapitalbedarf skaliert linear mit dem Wunschbetrag: 600 Euro sind genau 60 Prozent der Werte aus Wie viel Kapital für 1.000 Euro monatlich. Die nächstgrößeren Beträge rechnen 750 Euro monatlich und 800 Euro monatlich durch. Für 300 Euro im Monat halbierst du die Tabelle oben einfach.

Bei kleinen Beträgen entscheidet die Rendite mehr als die Dauer. Zehn zusätzliche Planjahre (30 statt 40) kosten bei 6 Prozent nur rund 18.000 Euro, der Unterschied zwischen 6 und 3 Prozent Rendite bei gleicher Dauer liegt dagegen bei rund 60.000 Euro. Welche Annahme vertretbar ist, behandelt Welche Rendite darf ich im Entnahmeplan annehmen?

Der Kapitalbedarf nach Renteneintrittsalter

Die Dauer ergibt sich in der Praxis aus dem Ausstiegsalter und dem Endalter, bis zu dem man plant. Diese Tabelle setzt das Endalter auf 95 und variiert nur den Beginn der Entnahme:

Entnahme abPlanjahre bis 95Kapital bei 4 % RenditeKapital bei 5 % RenditeKapital bei 6 % Rendite
60 Jahre35 Jahre181.000 Euro156.000 Euro136.000 Euro
62 Jahre33 Jahre174.000 Euro151.000 Euro132.000 Euro
63 Jahre32 Jahre170.000 Euro148.000 Euro130.000 Euro
65 Jahre30 Jahre162.000 Euro142.000 Euro126.000 Euro
67 Jahre28 Jahre154.000 Euro136.000 Euro121.000 Euro
70 Jahre25 Jahre141.000 Euro126.000 Euro113.000 Euro

Zwischen dem Start mit 67 und dem Start mit 60 liegen bei 5 Prozent Rendite nur rund 20.000 Euro zusätzliches Kapital, obwohl der Plan sieben Jahre länger tragen muss. Der Realertrag erwirtschaftet bei langer Laufzeit einen wachsenden Teil der Entnahme selbst. Teuer wird der frühe Ausstieg an anderer Stelle: durch weggefallene Sparjahre und Abschläge auf die gesetzliche Rente. Diese Rechnung führt Was kostet ein Jahr früher in Rente? vor, wie man ein sinnvolles Endalter wählt, steht in Wie alt sollte ich meinen Entnahmeplan rechnen?

Die Gegenprobe: Wie lange trägt mein vorhandenes Depot?

Wer schon Kapital hat, fragt andersherum. Diese Tabelle rechnet die Reichweite bei 600 Euro Entnahme im Monat in heutiger Kaufkraft:

Vorhandenes KapitalReichweite bei 4 % RenditeReichweite bei 6 % Rendite
40.000 Euro5,9 Jahre6,4 Jahre
60.000 Euro9,2 Jahre10,3 Jahre
80.000 Euro12,7 Jahre14,9 Jahre
100.000 Euro16,4 Jahre20,5 Jahre
120.000 Euro20,4 Jahre27,6 Jahre
140.000 Euro24,7 Jahre37,4 Jahre
160.000 Euro29,5 Jahre53,3 Jahre
200.000 Euro40,5 Jahredauerhaft

2 Prozent Inflation, Entnahme wächst nominal mit, vor Steuern und Kosten. "Dauerhaft" heißt: Die Entnahme liegt unter dem realen Ertrag, das Kapital wird rechnerisch nie leer.

Gerade die häufige Frage nach 100.000 Euro lässt sich damit direkt beantworten: Bei 600 Euro im Monat reicht dieses Depot je nach Rendite rund 16 bis 20 Jahre. Mehr Szenarien für diesen Betrag stehen in Wie lange reichen 100.000 Euro?, für kleinere Depots in Wie lange reichen 80.000 Euro?

Warum die Inflationsanpassung den Unterschied macht

Viele Auszahlplan-Rechner frieren die Entnahme nominal ein. Dann reichen 142.000 Euro bei 5 Prozent Zins und festen 600 Euro im Monat rechnerisch fast 88 Jahre statt 30 Jahre. Bezahlt wird das mit Kaufkraft: Nach 25 Jahren mit 2 Prozent Inflation kaufen 600 Euro nur noch so viel wie heute rund 366 Euro. Deshalb rechnet der Entnahmeplan-Rechner standardmäßig inflationsangepasst und zeigt beide Sichten. Den Vergleich in Zahlen liefert Dynamische vs. feste Entnahme.

Wenn das Kapital erhalten bleiben soll

Wer 600 Euro monatlich entnehmen und das Vermögen trotzdem vollständig weitergeben will, darf nur den realen Ertrag anfassen. Der Kapitalbedarf ist dann unabhängig von der Dauer, aber höher:

RenditeRealzins bei 2 % InflationKapital für 600 Euro dauerhaftAufschlag gegenüber 30 Jahren Verzehr
3 %0,98 %734.000 Euro+ 548.000 Euro
4 %1,96 %367.000 Euro+ 205.000 Euro
5 %2,94 %245.000 Euro+ 103.000 Euro
6 %3,92 %184.000 Euro+ 58.000 Euro
7 %4,90 %147.000 Euro+ 35.000 Euro

Bei 3 Prozent Rendite bleibt nach 2 Prozent Inflation kaum ein Prozent Realzins übrig, und aus 186.000 Euro Kapitalbedarf werden 734.000 Euro. Kapitalerhalt ist also vor allem eine Frage der Rendite. Den Zielkonflikt zwischen Budget und Nachlass beleuchtet Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt.

Der ehrliche Aufschlag: schwankende Renditen

Alle Tabellen oben unterstellen Jahr für Jahr dieselbe Rendite. Ein Aktiendepot liefert die nicht, und kommen die schwachen Jahre gleich zu Beginn, reißt der Plan, auch wenn der Durchschnitt am Ende stimmt. Die folgende Simulation rechnet 3.000 Verläufe mit normalverteilten Jahresrenditen und 15 Prozent Schwankung, Entnahme 600 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft, Dauer 30 Jahre:

StartkapitalEntnahmerate (7.200 Euro pro Jahr)Pleiterisiko bei 5 % erwarteter RenditePleiterisiko bei 6 % erwarteter Rendite
142.000 Euro (Tabellenwert)5,07 %66,2 %54,6 %
160.000 Euro4,50 %55,8 %44,6 %
180.000 Euro4,00 %45,5 %34,1 %
200.000 Euro3,60 %36,4 %26,1 %
240.000 Euro3,00 %23,4 %15,1 %
280.000 Euro2,57 %14,8 %9,3 %
320.000 Euro2,25 %9,7 %5,5 %

Monte-Carlo mit 3.000 Pfaden, Seed 42, normalverteilte Jahresrenditen mit 15 Prozent Standardabweichung, 2 Prozent Inflation, Entnahme wächst nominal mit. Pleite heißt: Das Kapital ist vor Ablauf der 30 Jahre erschöpft. Normalverteilte Renditen sind eine Vereinfachung, die Größenordnung der Risiken ist aber belastbar.

Entscheidend ist die Entnahmerate, nicht der Betrag: Wer 4,00 Prozent entnimmt, hat hier dasselbe Risiko, egal ob es um 600 oder 6.000 Euro im Monat geht. Die Zeile mit 180.000 Euro ist genau die 4-Prozent-Regel für 7.200 Euro Jahresentnahme, und sie scheitert bei 6 Prozent erwarteter Rendite in 34 von 100 Verläufen. Was dahinter steckt, erklärt Renditereihenfolge-Risiko einfach erklärt, welche Rate je Risikotoleranz passt, zeigt Welche Entnahmerate ist wirklich sicher?

Wer das Risiko nicht mit mehr Kapital senken kann, senkt es mit Flexibilität. Beispiel bei 142.000 Euro Startkapital und 6 Prozent erwarteter Rendite: 600 Euro monatlich scheitern in 54,6 Prozent der Verläufe, 550 Euro in 47,8 Prozent, 500 Euro in 38,6 Prozent und 450 Euro in 30,1 Prozent. Wie sich das planvoll organisieren lässt, zeigt Flexible Entnahme statt fester Rate.

Wenn nur ein paar Jahre überbrückt werden müssen

600 Euro monatlich sind oft keine lebenslange Aufgabe, sondern eine Brücke: vom vorgezogenen Ruhestand bis zur gesetzlichen Rente oder bis eine Betriebsrente einsetzt. Für einen befristeten Bedarf sinkt das nötige Kapital deutlich:

Zu überbrückende JahreNötiges Kapital bei 4 % Rendite
3 Jahre21.000 Euro
5 Jahre34.000 Euro
7 Jahre47.000 Euro
10 Jahre65.000 Euro
12 Jahre76.000 Euro
15 Jahre93.000 Euro

Bei drei oder fünf Jahren Restlaufzeit gehört das Geld ohnehin nicht in ein volles Aktiendepot, damit entfällt ein großer Teil des Reihenfolge-Risikos. Wie man die Brücke zur Rente aufbaut, steht in Rentenlücke überbrücken, passend dazu Cash-Puffer im Entnahmeplan.

Die Steuerfrei-Grenze: bis 19,84 Prozent Gewinnanteil zahlst du nichts

Beim Verkauf von ETF-Anteilen wird nur der Gewinnanteil besteuert, nach 30 Prozent Teilfreistellung für Aktienfonds und abzüglich Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person. Bei 7.200 Euro Jahresentnahme bleibt die Steuer damit bei null, solange höchstens 19,84 Prozent der Entnahme Gewinn sind. Für ein Paar mit gemeinsamem Freistellungsauftrag (2.000 Euro) verdoppelt sich die Grenze auf 39,68 Prozent.

Gewinnanteil im DepotSteuerpflichtiger Ertrag pro JahrSteuer pro JahrEffektive SteuerlastBrutto für 600 Euro netto
bis 19,84 %0 Euro0 Euro0,00 %600 Euro
25 %260 Euro69 Euro0,95 %606 Euro
30 %512 Euro135 Euro1,88 %612 Euro
50 %1.520 Euro401 Euro5,57 %637 Euro
70 %2.528 Euro667 Euro9,26 %664 Euro
90 %3.536 Euro933 Euro12,95 %693 Euro
100 %4.040 Euro1.066 Euro14,80 %709 Euro

Kapitalertragsteuer 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag (26,375 Prozent), ohne Kirchensteuer, Teilfreistellung 30 Prozent, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro für eine Person. Die Vorabpauschale ist hier nicht enthalten.

Selbst im theoretischen Extremfall, in dem die gesamte Entnahme Gewinn ist, gehen weniger als 15 Prozent an das Finanzamt, und für netto 600 Euro reichen 709 Euro brutto. Der Gewinnanteil steigt mit den Jahren, weil zuerst die ältesten Anteile verkauft werden, dazu FIFO beim ETF-Verkauf. Wo die Nullgrenze je nach Depot liegt, rechnet Wann ist meine Entnahme komplett steuerfrei? durch.

Ein Haken bleibt: Die Vorabpauschale greift auf denselben Pauschbetrag zu, bevor du den ersten Anteil verkaufst. Ab einem Fondswert von rund 64.000 Euro ist der Freibetrag in einem guten Börsenjahr allein dadurch aufgebraucht (Fondswert mal Basiszins 3,20 Prozent mal 0,7, davon 70 Prozent steuerpflichtig). Bei einem thesaurierenden Depot von 142.000 Euro sind es rund 3.181 Euro Basisertrag, davon rund 2.227 Euro steuerpflichtig, was ohne Pauschbetrag rund 587 Euro Steuer bedeutet. Die Nullgrenze aus der Tabelle gilt also nur, solange die Vorabpauschale den Pauschbetrag nicht schon belegt hat. Wie beides zusammenspielt, erklärt Entnahmeplan und Steuern.

Rechne deinen eigenen Fall

Anderer Betrag, anderes Startalter, andere Rendite: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet beide Richtungen, also vom Kapital zur Entnahme und vom Wunschbetrag zum Kapital, inklusive Pleitewahrscheinlichkeit, Restkapital-Verlauf und Steuern auf ETF-Entnahmen. Zur Einordnung: 100.000 Euro tragen bei 5 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation über 30 Jahre rund 422 Euro im Monat in heutiger Kaufkraft, 120.000 Euro rund 506 Euro und 150.000 Euro rund 633 Euro.

Häufige Fragen

Wie viel Kapital brauche ich für 600 Euro monatlich?

Bei 5 Prozent Rendite, 2 Prozent Inflation und 30 Jahren Laufzeit rund 142.000 Euro, wobei das Kapital am Ende planmäßig aufgebraucht ist. Bei 6 Prozent Rendite reichen rund 126.000 Euro, bei 4 Prozent sind es rund 162.000 Euro und bei 3 Prozent rund 186.000 Euro. Soll das Kapital unangetastet bleiben, sind bei 6 Prozent rund 184.000 Euro nötig.

Wie lange reichen 100.000 Euro bei 600 Euro Entnahme im Monat?

Wenn die 600 Euro jedes Jahr mit 2 Prozent Inflation mitwachsen, reichen 100.000 Euro bei 4 Prozent Rendite rund 16,4 Jahre und bei 6 Prozent rund 20,5 Jahre. 160.000 Euro tragen bei 6 Prozent schon rund 53 Jahre, ab 200.000 Euro wird das Kapital bei 6 Prozent rechnerisch nie leer.

Bleiben 600 Euro Entnahme im Monat steuerfrei?

Meistens ja, solange das Depot nicht schon sehr hohe Gewinne enthält. Bei 7.200 Euro Jahresentnahme bleibt die Steuer nach 30 Prozent Teilfreistellung und 1.000 Euro Sparerpauschbetrag bis zu einem Gewinnanteil von 19,84 Prozent komplett bei null, bei einem Paar mit 2.000 Euro Pauschbetrag bis 39,68 Prozent. Selbst wenn die ganze Entnahme Gewinn ist, liegt die Steuerlast bei nur 14,80 Prozent. Die Vorabpauschale greift allerdings vorher auf denselben Pauschbetrag zu.